„Meine Holaner werden mir fehlen!“: Die Leiterin der Hohen Landesschule verlässt das Traditionsgymnasium, an dem sie zwölfeinhalb Jahre gewirkt hat und wechselt zum Staatlichen Schulamt. Dort sucht die umtriebige Pädagogin noch einmal eine neue Herausforderung. Foto: Jutta Degen-Peters

Hanau

Erste Schulleiterin der Hola wechselt zum Staatlichen Schulamt

Hanau. Ihren letzten Arbeitstag hat Sabine Schaetzke schon am Freitag, dem 13. hinter sich gebracht. Heute wartet der „große Bahnhof“, wenn sie als Leiterin der Hohen Landesschule verabschiedet wird.

Von Jutta Degen-Peters

Das wird den Schülern Gelegenheit geben, ein letztes Mal die außerordentliche Fähigkeit Schaetzkes auf die Probe zu stellen: Wer sie mit „Guten Morgen“ oder „Guten Tag, Frau Schaetzke“, begrüßte, konnte sicher sein, ebenfalls mit Namen benannt zu werden. Die scheidende Schulleiterin hat die Namen all ihrer 1400 Schüler im Kopf.

Dies ist beileibe nicht die einzige Fähigkeit, mit der die Pädagogin ihre Schützlinge verblüffte. Dass sie die persische Sprache Farsi spricht, ermöglichte der 56-Jährigen immer wieder einen Zugang zu jungen Menschen, die aus Afghanistan oder Syrien nach Deutschland gekommen waren. Und es zeugt davon, wie sehr Schaetzke immer wieder über den Tellerrand schaute. Als Tochter eines bei einem Industriekonzern beschäftigten Vaters und einer Umwelt-Ingenieurin verbrachte sie die ersten vier Lebensjahre in Bagdad und lebte dann weitere zwölf Jahre im Iran . „Bis 1979 haben wir in Teheran gelebt“, berichtet sie und weiß noch, dass sie das Busfahren erst einmal lernen musste, als sie wegen der Revolution in Persien nach Deutschland kam.

Kein Mangel an Herausforderungen

An Herausforderungen mangelte es der gebürtigen Aachenerin nicht. Die bisher letzte dürfte die Männerdomäne des Schulleiterpostens an der Hola gewesen sein, in die sie als Frau nach 400 Jahren erstmals einbrach. Jetzt will sie es noch einmal wissen. Nach zwölf Jahren und sieben Monaten an der Hanauer Traditionsschule, in der sie als Studienrätin zunächst Englisch unterrichtete und nach vier Jahren stellvertretende Schulleiterin wurde, bevor sie den Chefsessel zum Chefinnensessel machte, wechselt sie nun zum Staatlichen Schulamt. Dort wird sie für die Gymnasien im Main-Kinzig-Kreis zuständig sein. „Allerdings nicht für die Hola“, betont sie.

Unter ihrer Leitung hat sich das Gymnasium stark weiterentwickelt, kehrte etwa zu G 9 zurück, was zwar nicht reibungslos, aber doch Hand in Hand mit Lehrern, Eltern und Schülern gut gelang. „Ich wollte Prozesse immer transparent und nach außen nachvollziehbar gestalten, so dass sich alle beteiligen konnten“, sagt sie und beschreibt damit zumindest teilweise ihr Erfolgsrezept. Von 118 Kollegen beteiligten sich über 80 Prozent, als es daran ging, sich in Arbeitsgruppen auf die Umstellung vorzubereiten. „Die Veränderung ist durch alle Gremien einstimmig beschlossen worden“, zieht sie ein positives Resümee. Darauf, „dass wir als Schulgemeinde so konstruktiv zum Wohle der Hola zusammengearbeitet haben“, ist sie stolz.

Ihre erfolgreiche Bilanz

Ihre Erfolgsbilanz weist auf, dass die Hola heute als einziges Gymnasium in Stadt und Kreis ein Ganztagsangebot im Profil II, also mit Hausaufgabenbetreuung bis 17 Uhr, anbietet. Die Schule machte mit Kunst- und Theaterprojekten von sich reden. Sie ist dankbar dafür, dass das Gymnasium mit städtischer Hilfe so stark ausgebaut werden konnte. Die Schule sieht sie nicht als geschlossenes System, sondern als Einrichtung, die sich vor allem auch weiterhin im Sozialen nach außen hin engagieren müsse. Dazu zählt sie auch außerschulische Projekte. Gegenüber dem Projekt „MKK schreibt 2019“ zeigte sie sich spontan aufgeschlossen und bot sich als Gastgeberin für die Austragung des Diktatwettbewerbs an.

Die Frau, die schon im Alter von vier Jahren wusste, dass sie einmal Lehrerin werden wollte, konnte sich in vielen Ländern ausprobieren. Nach dem Studium in der Slowakei war sie im Rahmen des Bundesprogramms für Lehrkräfte für die Lehrerfortbildung im Fach Deutsch als Fremdsprache zuständig, das sie auch an einer Oberstufe unterrichtete. Ein Jahr lang sammelte sie als „assistant teacher“ Erfahrungen an einer Schule im Arbeiterviertel der englischen Hafenstadt Liverpool.

Die Auslandsaufenthalte ihrer Schüler hat Schaetzke nicht nur deshalb stets unterstützt. Der Blick weite sich mit dem veränderten Horizont, wenn sich junge Menschen in anderen Kulturen bewegen, weiß sie aus Erfahrung.Wichtig war ihr, „dass die Hola wieder ein Gesicht zeigt“, beschreibt Schaetzke ihren Anspruch nach der Übernahme des Chefinnensessels. An dieser Aufgabe hat sie zielstrebig gearbeitet. Dass diese Arbeit Früchte getragen hat, wurde ihr immer wieder zurückgemeldet. Zu den Stärken der 56-Jährigen gehört die Kommunikation mit den Kollegen, Einfühlsamkeit und Empathie für Situationen. Wobei sie gleichwohl eine klare Richtung hält.

Stellen einer neuen Herausforderung

Dass sie jetzt zum Staatlichen Schulamt wechselt, obwohl sie genau weiß, dass sie „ihre Holaner“ vermissen wird, erklärt die scheidende Schulleiterin so: Sie wolle sich in diesem letzten Abschnitt ihrer Berufstätigkeit noch einmal einer neuen Herausforderung stellen. Mit ihrer breiten Erfahrung noch einmal eine andere Sicht auf Schule zu bekommen, gehört dazu.

Jetzt gilt es zunächst, die Leitungen aller Schulen kennenzulernen, für die sie zuständig ist, zudem ist das Landesabitur 2020 vorzubereiten. Eine große Aufgabe wird auch das Europa-Schulkonzept sein. Zwar wird Schaetzke vermutlich keine Zwölf-Stunden-Tage mehr vor sich haben, doch auf die freien Wochenenden freut sich die Frau, die bekannt ist fürs Ärmel-Hochkrempeln schon. Genauso wie aufs Lesen und Tauchen – Hobbys, die oft auf der Strecke blieben.

Damit die Kontinuität an der Schule gewahrt wird, geht die Schulleitung kommissarisch in die Hände des Schulleiters der Bruchköbeler Heinrich-Böll-Schule, Ernst Münz über, der von Vize Hola-Schulleiter Helge Messner unterstützt wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema