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Grelle Markierungen in der Thalia Buchhandlung im Forum Hanau zeigen, was trotz Öffnung des Ladens immer noch nicht geht: gemütlich beisammen sitzen und beim Schmökern in Büchern Kaffee trinken.

Die ersten Geschäfte dürfen wieder öffnen

Endlich wieder shoppen gehen: Am ersten Tag der Ladenöffnungen hält sich der Kundenansturm aber in Grenzen

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Am Montag durften die ersten Geschäfte wieder ihre Pforten öffnen, unter strengen Regularien. Doch der erwartete große Ansturm blieb aus. 

„Da kannst du nicht so rein, da brauchen wir eine Maske“, ruft die ältere Dame ihrem Mann zu, der zielstrebig auf den Eingang des Forum Hanau zusteuert. Security-Personal passt an den Eingängen auf, dass nur Kunden mit Mundschutzmaske das Shopping-Center betreten. Aber das ältere Ehepaar ist am Montagvormittag eine Ausnahme: Die meisten Menschen, die an diesem ersten Tag nach der wochenlangen Schließung der meisten Einzelhandelsgeschäfte in der Hanauer Innenstadt unterwegs sind, haben einen Mund-Nasen-Schutz im Gesicht. 

Und sei es nur ein Halstuch, so wie Annika Haag-Raschdorf und ihr Mann Lukas Raschdorf. Das junge Paar ist aus Aschaffenburg nach Hanau gekommen, um endlich wieder zu shoppen. Im Kinderspielzeug-Geschäft haben sie eine Spieluhr erstanden und freuen sich über ein Stück Normalität. „In Bayern haben alle Geschäfte noch geschlossen“, erzählt die junge Frau, die sich gerade ein Eis an einer Eisdiele am Freiheitsplatz geholt hat. 

Masken dienen dem Schutz der Allgemeinheit

Hessenweit ist Hanau die einzige Stadt, in der seit Montag für Kunden die Maskenpflicht gilt. Das heißt, wer ein Geschäft in der Brüder-Grimm-Stadt besucht, muss Mund und Nase bedecken. „Dabei reichen sogenannte Alltagsmasken, Tücher oder Schals. Das Entscheidende ist, dass die Menschen eine textile Barriere vor Mund und Nase haben, die verhindert, dass Tröpfchen beim Husten und Sprechen ausgestoßen werden“, erläutert Martin Bieberle, Geschäftsführer der Hanau Marketing GmbH in einer Pressemitteilung. 

Freuen sich über die Wiedereröffnung der Modeboutique Bailly Diehl: Filialleiterin An‧tonietta Rollo Spatola (rechts) und ihre Mitarbeiterin Saltanat Bender.

Dies diene dem Schutz der Allgemeinheit, aber natürlich ganz besonders dem Schutz des Verkaufspersonals. Dieses, so stellt Bieberle klar, unterliege natürlich prinzipiell auch der Maskenpflicht, könne sich aber auch durch Plexiglasscheiben oder sogenannte „Faceshields“ schützen. „Wir erwarten von den Händlerinnen und Händlern, dass sie eigenverantwortlich die Maskenpflicht in ihren Läden umsetzen. Sie haben dafür Sorge zu tragen, dass ihre Kundinnen und Kunden nur mit Mund-Nase-Bedeckung eingelassen werden“, so Bieberle. 

Kunden zeigen in Hanau viel Verständnis und Kooperationswillen

Bei der Eingewöhnungsphase wolle die Hanau Marketing GmbH den Handel dabei unterstützen, Masken für die Kundinnen und Kunden zur Verfügung zu stellen. In den Geschäften und auf den Fußgängerzonen war am Montag zu sehen, dass sich die Masken durchgesetzt haben. 

Die Händler sprechen von viel Verständnis und Kooperationswille bei den Kunden. Wer noch keine Maske hat oder sie vergessen hat, kann in den meisten Apotheken ein Exemplar erwerben. Im Forum Hanau haben die meisten großen Bekleidungsgeschäfte noch nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, kleinere Flächen unter 800 Quadratmeter für den Verkauf zu öffnen. Dabei hatten sich Politik und Verbände am Wochenende extra dafür stark gemacht. Die ursprüngliche Regelung sah eigentlich vor, dass Geschäfte mit einer Verkaufsfläche über 800 Quadratmeter nicht öffnen dürfen. 

Läden haben die Möglichkeit ihre Verkaufsflächen zu reduzieren

Unter anderem Landrat Thorsten Stolz (SPD) hatte sich laut einer Pressemitteilung nach vielen Hilferufen aus der Einzelhandelslandschaft im Main-Kinzig-Kreis und der Industrie- und Handelskammer dafür eingesetzt, die bisherigen Richtlinien zu korrigieren und auch eine Verkleinerung von Verkaufsflächen zu ermöglichen. Gemeinsam mit anderen hessischen Landkreisen wurde der Main-Kinzig-Kreis über den Landkreistag aktiv – mit Erfolg. „Ich begrüße es ausdrücklich, dass die Landesregierung auf unsere Argumente eingegangen ist und kurzfristig noch am Samstagabend reagiert hat. Damit entsprechen die Regelungen in Hessen sinnvollerweise denen in anderen Bundesländern“, wird Thorsten Stolz in der Mitteilung zitiert. 

An einer kurzerhand aufgestellten Theke begrüßt Christ-Filialleiterin Gabriele Niedenthal jeden Kunden noch vor dem Betreten der Geschäftsräume.

In Hanau macht von der Möglichkeit der Reduzierung der Verkaufsfläche beispielsweise das Modehaus Müller-Ditschler Gebrauch. Mit Schaufensterpuppen ist dort die Rolltreppe zur oberen Etage abgesperrt. Auch hier zählt eine Mitarbeiterin die eingelassenen Kunden, pro 20 Quadratmeter darf ein Kunde ins Geschäft. Viele der kleineren Läden zeigen mit Schildern am Eingang an, wie viele Kunden maximal zur selben Zeit im Laden sein dürfen. Bei der Buchhandlung Thalia zählt ebenfalls eine Mitarbeiterin die reinkommenden Kunden, mehr als 19 Personen lässt sie nicht rein, Ein- und Ausgang sind voneinander getrennt. Bei der Christ-Filiale holt Filialleiterin Gabriele Niedenthal jeden Kunden an einer Eingangstheke ab. „Wir hatten schon gut zu tun heute morgen, haben Reparaturen angenommen“, erzählt sie. Einerseits sei sie froh, dass sie wieder öffnen durfte, aber: „Es sind gemischte Gefühle, wegen der Sicherheit“, gibt sie zu. 

Freude bei Kunden und Gewerbetreibenden

An den Eingängen der Geschäfte werden die Kunden informiert, wie viele Personen sich gleichzeitig im Geschäft aufhalten dürfen. Das ist eine der Bedingungen für die Öffnung.

So gut die Maskenpflicht auch von den Menschen befolgt wird, den Sicherheitsabstand von 1,5 bis 2 Meter einzuhalten fällt da schwerer. Mit Klebemarkierungen auf dem Boden versuchen viele Händler hier zu unterstützen, so wie Mehmet Kandemir in seinem Laden Glam Luxury Style. „Es ist gut, dass die Normalität wieder Einzug hält“, sagt Kandemir, der auch Vorsitzender des Hanau Marketing Vereins ist, „aber Hauptsache die Gesundheit der Menschen und die Rücksicht aufeinander stehen im Vordergrund.“ In der Filiale von Bailly-Diehl in der Nürnberger Straße verbreiten Filialleiterin Antonietta Rollo Spatola und ihre Kollegin Saltanat Bender inmitten der bunten Frühlings- und Sommermode gute Laune. „Wir hatten einen Ansturm“, so Rollo Spatola, „kaum dass wir die Tür aufgemacht haben, sind die Kunden gekommen.“ Nicht nur die Kundschaft sei froh über die Öffnung des Einzelhandels, auch sie sei erleichtert. „Endlich wieder was Positives, was gute Laune macht und Freude.“ 

Dass Normalität jedoch nicht auf Knopfdruck funktioniert, zeigt sich beim weiteren Gang durch die Innenstadt. Von vier Eisdielen sind nur zwei geöffnet. Trotz sommerlichen Sonnenscheins. Aber vielleicht ist das auch ein gutes Zeichen, denn schließlich ist die Pandemie noch lange nicht ganz überstanden – auch wenn man jetzt mit Maske und Abstand wieder shoppen gehen kann.

Keine Lust Geld für eine Maske auszugeben? Dann kann man sich die Maske ganz einfach selbst basten.

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