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Erst zur See, dann an Land

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Klaus Holzschuh war bereits auf den Meeren dieser Welt unterwegs. Den Kapitän zieht es immer noch regelmäßig nach Australien, wo er mit seiner Familie die Winter verbringt. Foto: Hellbrück
Klaus Holzschuh war bereits auf den Meeren dieser Welt unterwegs. Den Kapitän zieht es immer noch regelmäßig nach Australien, wo er mit seiner Familie die Winter verbringt. Foto: Hellbrück

Hanau. Klaus Holzschuh bereiste als Kapitän die Weltmeere. Doch auch im Rentenalter kehrt keine Langweile in das Leben der Holzschuhs ein: Der ehemalige Kapitän hat mit seiner Familie Australien für sich entdeckt.

Von Alexandra Hellbrück

Ob mit dem Bananendampfer nach New Orleans, auf einem Schiff mit Erzen nach Europa oder vollgeladen mit exotischen Tieren aus Afrika für den Duisburger Zoo – Klaus Holzschuh hat die Weltmeere bereist und sich auf hoher See stets wohlgefühlt. Kein Wunder, dass es den ehemaligen Kapitän auch weiterhin in die Ferne zieht.

Seit er jedoch in Rente ist, hat es ihm vor allem der Landgang angetan. Mit Begeisterung fährt seine Familie seit Jahren nach Australien und verbringt sogar die Winter dort. Seine 78 Jahre sieht man Holzschuh bei Gott nicht an. Nur wenn er redet, merkt man nach einer Weile, dass ein Mann, der so viel erlebt hat, doch schon ein bisschen älter sein muss.Langeweile gab es für den gebürtigen Hanauer nieRuhe indes scheint nie das Gebot der Stunde für den gebürtigen Hanauer gewesen zu sein, und dass in seinem bewegten Leben Langeweile aufgekommen wäre, davor hat er sich schon selbst stets effektiv zu schützen gewusst. Bereits als Jugendlicher hielt der Älteste von drei Brüdern seine Eltern in Atem, spätestens, als er mit seinem Berufswunsch um die Ecke kam.„Ich bin am Hanauer Hafen aufgewachsen“, erzählt er, „deshalb bin ich dann auch zur See gefahren.“ Seemannsgarn, natürlich, da muss er selbst lachen. Nein, die Idee mit den Schiffen kam ihm nicht wegen der Aussicht aus dem elterlichen Haus, sondern über zwei seiner ehemaligen Schulkameraden, die auf einem Minenräumer gearbeitet hatten.Als Kapitän fuhr er zehn Jahre zur SeeDie Minen interessierten Holzschuh nun weniger, doch die Erzählungen der Freunde reichten aus, um eine lebenslange Liebe zur See zu entfachen. 1954 war es, da ging der 17-Jährige in Travemünde auf die, wie es damals noch hieß, „Schiffsjungenschule“. Fortan fuhr er mit der Handelsmarine zu See und bildete sich auch weiter fort: Im Februar 1959 nahm er ein Studium an der Seefahrtschule in Elsfleth zwischen Bremen und Bremerhaven auf und startete eine Offizierslaufbahn.Damals lernte Holzschuh auch seine Frau kennen, heiratete und machte schließlich das Kapitänspatent. Zehn Jahre lang fuhr er zur See, rund um den Globus, doch als seine Tochter auf die Welt kam, „wollte ich mitbekommen, wie sie aufwächst“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Viele seiner Kollegen, die damals in derselben Situation waren wie er, suchten sich einen Beruf an Land, der nicht eine wochen- oder monatelange Abwesenheit von zuhause erforderte.Holzschuh als Verkäufer für Reederei-Dienstleistungen Holzschuh selbst fing bei einer Spedition in Maintal-Bischofsheim an, doch die Arbeit im Büro machte ihn nicht glücklich, und auch der Job bei einer Fliesenfirma war nicht so das Seine. Das Schicksal jedoch wollte es, dass ein ehemaliger Studienkollege aus Norddeutschland einen Vorstellungstermin bei einer Frankfurter Reederei-Agentur erhielt, den Job aber letztendlich wegen der Entfernung doch nicht annahm. Holzschuh ging statt seiner hin, überzeugte den Chef und fing am Tag darauf an.„Wenn ich diesen Job nicht gefunden hätte, wäre ich wahrscheinlich irgendwann doch wieder zur See gefahren“, meint er rückblickend, denn die weite Welt hatte ihm damals schon sehr gefehlt. So reiste er als Verkäufer für Reederei-Dienstleistungen kreuz und quer durch die Welt, vornehmlich nach Asien, und baute sich schnell einen festen Kundenstamm auf.Wechsel zu einer Mainzer Spedition mit ÜberseeexportenSpäter kam dann die Chance, ein neues Kontor in Frankfurt zu eröffnen und zu leiten, aber Holzschuh wäre nicht der Kapitän, der er ist, wenn er sich irgendwann zufrieden gegeben hätte und geblieben wäre. Nach einer Weile wechselte er zu einer Mainzer Spedition mit Überseeexporten und war dort für die weltweite Akquise verantwortlich. Vor allem in Japan baute er in den ersten Jahren einen vollkommen neuen Kundenstamm auf und kann viel über die dortigen Geschäftsgepflogenheiten berichten.Als alles lief, und ihm wieder langweilig zu werden drohte, begann er quasi nebenbei einen weltweiten Bierexport für die Spedition aufzuziehen. Ein Versuch, in der Selbständigkeit zu starten, misslang dann zwar, doch Holzschuh kehrte als Geschäftsführer wieder ins Speditionsbusiness zurück und blieb dort bis ins Rentenalter.Australien packte den ehemaligen SeefahrerUnnötig zu erwähnen, dass dann der Reiselust ungezügelt gefrönt wurde: Venezuela, Südafrika, Brasilien, Syrien, nichts war dem ehemaligen Seefahrer zu weit. Ein wenig Konstanz kehrte erst wieder in das Leben der Familie ein, als die Tochter zu einem Schüleraustausch nach Australien ging und über fünf Ecken Leute aus Adelaide kennenlernte, mit denen die Holzschuhs bis heute befreundet sind.Erste Besuche und Gegenbesuche eröffneten dem Kapitän einen Blick auf ein Land, das ihn mit seiner Erhabenheit, schieren Größe und unvergleichlicher Natur packte und fortan nicht mehr losließ. Kaum zu bremsen ist er, wenn er von der Schönheit der Landschaft, den Erlebnissen im Outback und der Gastfreundschaft der Australier spricht.Australien ist nun für die Holzschuhs eine zweite HeimatUnzählige Ausflüge mit Reisegruppen oder dem Campingmobil später wagten die Eheleute sogar einen halbjährigen Haustausch mit Freunden aus Perth und waren rundum begeistert von Stränden, Land und Leuten. Mittlerweile ist Australien trotz seiner Entfernung sogar zu einer zweiten Heimat für sie geworden, denn um dem deutschen Winter zu entfliehen, verbringen die Holzschuhs jedes Jahr zwischen Dezember und März drei warme und sonnige Monate in Perth.

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