Erinnerung an die Opfer: Während die Trauer in Hanau anhält, wie bei einer Gedenkveranstaltung der Otto-Hahn-Schule, werden von den Ermittlungsbehörden immer neue Details über die grauenhafte Tat bekannt. Foto: Kai Pfaffenbach

Hanau

Ermittler: Attentäter von Hanau gab 52 Schüsse ab

Hanau. Der mutmaßliche Attentäter von Hanau ist kurz vor seinen Morden wegen Falschparkens vom Ordnungsamt kontrolliert worden. Etwa eine Stunde vor dem ersten Mord am Heumarkt habe der 43-jährige Tobias Rathjen in der Nähe des ersten Tatorts in der Innenstadt eine Anzeige erhalten. ​​

Das berichteten Teilnehmer aus der Sitzung des Bundestagsinnenausschusses.

Die Mitglieder des Ausschusses wurden bei der Sitzung von Generalbundesanwalt Peter Frank über den Ablauf der Tat am Mittwoch vergangener Woche informiert, bei der Rathjen neun Menschen mit Migrationshintergrund, seine Mutter und sich selbst erschoss.

350 Patronen in der Wohnunggefunden

Wie Mitglieder berichteten, erklärte Frank, Rathjen sei sehr kalkuliert und kaltblütig vorgegangen. Hinweise über mögliche Mitwisser oder Unterstützer gebe es bislang nicht. Rathjen habe 52 Schüsse abgegeben, 18 Patronen lagen noch in seinem Wagen. In einem Rucksack in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung an der Helmholtzstraße fanden Ermittler später weitere 350 Patronen.

Der Generalbundesanwalt kündigte an, er werde dem Innenausschuss eine Strafanzeige zur Verfügung stellen, die der mutmaßliche Attentäter im November bei der Bundesanwaltschaft gestellt habe. Darin sei angeblich „keine Gefährlichkeit“ von Rathjen erkennbar gewesen.

Seehofer sieht hohe Bedrohungslage durch Rechtsextremismus

Die Sondersitzung des Innenausschusses begann mit einer Gedenkminute für die Opfer des Anschlags. Innenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, es gebe aktuell eine „hohe Bedrohungslage“ durch Rechtsextremismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Er sei jetzt im Gespräch mit islamischen Gemeinden dazu, wie Moscheen am besten geschützt werden könnten.

Unterdessen hat die Industriegewerkschaft Metall Hanau-Fulda dazu aufgerufen, „entschiedener als je zuvor, allen menschenfeindlichen, rechtsextremen und antidemokratischen Umtrieben aktiv entgegenzutreten“.

Vorschlag: Zehn Minuten Arbeitsruhe vor Trauerfeier

Robert Weißenbrunner, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Hanau-Fulda, schlägt im Vorfeld der zentralen Trauerfeier in Hanau am Mittwoch, 4. März, eine Arbeitsruhe für eine Dauer von zehn Minuten vor.

Weißenbrunner sagte unserer Zeitung: „Wir nehmen dieses Ereignis zum Anlass, die Initiative zu ergreifen, an diesem Tag auch ein klares Zeichen aus den Betrieben und Verwaltungen der Region gegen rechte Gewalt zu setzen und deutlich zu machen, dass dort kein Platz für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist.“

Weißenbrunners Vorschlag: Um 11.50 Uhr in Betrieben und Verwaltungen für zehn Minuten die Arbeit ruhen zu lassen. „Wir würden uns freuen, wenn sich viele Arbeitgeber gemeinsam mit ihren Belegschaften dieser Initiative anschließen würden“, so Weißenbrunner. afp/dpa/kb

Konzert wird verlegtDas für Samstag, 29. Februar, von den Initiatoren der Hanauer Band Hautevolee geplante Konzert zum Gedenken an die Opfer des Anschlags wird, wie am Donnerstag estern bekannt wurde, um eine Woche, auf Samstag, 7. März, von 15 bis 22 Uhr verlegt. Darüber informierten die Veranstalter am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite. Dort ist zu lesen, dass man „überwältigt“ sei von den Zusagen renommierter Künstler, die auf ihre Gagen verzichten wollten, um die Aktion zu unterstützen. Unter anderem sollen die Söhne Mannheims auftreten. Weitere Bands seien im Gespräch. Konzertort soll die Philippsruher Allee, vor dem Schloss Philippsruhe sein.

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