Im Gespräch mit HA-Redakteurin Kerstin Biehl erzählt Erika Labes von ihrer besonderen Beziehung zu den Alpen und zur Hanauer Hütte. Foto: Axel Häsler

Hanau/Hammersbach

Erika Labes vom Alpenverein Hanau im Feriengespräch

Hanau/Hammersbach. „In der Schule habe ich Sport gehasst“ – schwer vorzustellen, wenn man sich Erika Labes anschaut. Schlank, definiert, die Haut sonnengebräunt.

Von Kerstin Biehl

So sieht definitiv niemand aus, der sportliche Betätigung verabscheut. „Wirklich, Sport war ein rotes Tuch für mich. Und auch mit der Familie bin ich früher nie spazieren oder gar wandern gegangen.“

Dass sich ihre Einstellung zur Körperertüchtigung einmal grundlegend ändern wird, konnte die heutige Vorsitzende des Alpenvereins der Sektion Hanau damals freilich noch nicht ahnen. Es gingen einige Jahre ins Land, bevor die heute 63-Jährige ihre Liebe zum Wandern, zum Klettern und zu den Bergen entdeckte.

Geweckt wurde sie, als Labes mit Anfang 20 ihren Mann Reinhard kennenlernte. „Er hat mich ganz schnell auf den ersten Gipfel mitgenommen. Danach hat er mir Wanderschuhe und Kniebundhose gekauft“, lacht Labes. Da war es um sie geschehen: Erika Labes hatte gleich zwei Lieben gefunden. Die zu ihrem Mann und die zu den Bergen – inklusive körperlicher Betätigung.

Zweite Heimat Alpen

Von da an führte sie ihr Weg immer wieder in Richtung Alpen. Zu Wanderungen aber auch auf zahlreiche Klettersteige. 1983 trat Labes in die Hanauer Sektion des Deutschen Alpenvereins ein. Gemeinsam mit ihrem Mann. „Wir waren ja oft auf Alpenvereinshütten und als Mitglied im Alpenverein ist die Übernachtung dort einfach viel günstiger“, erklärt sie. Heute führt sie die Hanauer Sektion des Vereins, der mit knapp 4500 Mitgliedern der Größte im ganzen Kreis ist.

„Wir haben ziemlich zu Anfang unserer Mitgliedschaft einen mehrteiligen Kurs 'Klettern im Fels' belegt“, erinnert sich Labes. „Da haben wir unheimlich viel gelernt, was uns später in den Bergen oft geholfen hat.“ Oft nahm und nimmt das Ehepaar seitdem an den vom Verein regelmäßig angebotenen Touren teil.

„Das erste Mal auf der Hanauer Hütte war ich 1984. Damals war ich mit meiner Tochter Sylvia schwanger“, blickt die Vereinschefin zurück. „Inzwischen ist die Hanauer Hütte für mich zur zweiten Heimat geworden.“ Regelmäßig schaut Labes auf der in den Lechtaler Alpen gelegenen Alpenvereinshütte nach dem Rechten. Findet dort, in 1922 Metern Höhe, aber auch Entspannung.

Hanauer Hütte - ein Ort zum Runterkommen

„Wenn man gut durchkommt, ist man in viereinhalb Stunden da“, sagt Labes. Die Landschaft, die Stille und Ruhe, das gefällt ihr besonders. „Es ist wie eine sehr große Blumenwiese“, beschreibt sie das Areal. Bachläufe, Gumpen. Wenn man Glück hat, Murmeltiere. Gämsen. Steinböcke. Und Einsamkeit. Ein Ort zum Runterkommen. Ein guter Ausgleich zu Labes' Arbeit in der Geschäftsstelle des Vereins, die sie seit 1999 führt. Dort gibt es eine Menge zu tun. Überstunden sind keine Seltenheit.

Ehrenamtlich engagiert ist Labes seit 2007. Von da an bis 2012 fungierte sie als stellvertretende Vorsitzende. Seit 2013 führt sie den Verein. „Ich bin die erste Frau in der Sektion im geschäftsführenden Vorstand. Von den insgesamt 36 Sektionen des Alpenvereins sind nur neun Prozent Frauen im Vorstand“, erzählt die gebürtige Hanauerin, die in Hochstadt aufgewachsen ist und heute in Hammersbach lebt. Innerhalb der Hanauer Sektion gebe es einen Frauenanteil von 40 Prozent.

Seit 2013 führt Erika Labes den größten Verein im Kreis

Vereinsarbeit, das sei nicht immer leicht. Vor allem Funktionsträger seien schwer zu finden. Anders als bei Arbeitseinsätzen oder Diensten, dafür fänden sich immer Leute. Aber dauerhaft eine Funktion zu übernehmen, dafür erklären sich leider nur wenige bereit. „Da gibt es natürlich Tage, an denen man sehr frustriert ist. Aber ich hänge mit sehr viel Herzblut am Verein, mich verbindet so viel damit“, sagt sie.

Fuhr das Ehepaar früher noch abwechselnd ein Jahr in die Berge, ein Jahr ans Meer, haben sie sich recht schnell ganz für die Berge entschieden. Und auch, wenn der Urlaub mal nach Sardinien, La Palma oder Teneriffa führt, wird dort gewandert. „Beim Wandern kann ich wunderbar abschalten, entspannen. Es ist zwar auch anstrengend und man schwitzt, flucht vielleicht auch mal. Aber es ist immer ein Erlebnis. Und am Ende einer Wanderung ist man stolz. Denn man hat etwas geschafft.

“ Ein Strandurlaub hingegen gebe ihr wenig. „Ich entspanne eher, wenn ich mich bewege“, sagt Labes. Beim Wandern müsse sie sich auf den Weg konzentrieren. Dabei vergesse sie alles. Tag, Zeit, Alltagssorgen. „Da ist nur Ruhe. Und kein Handy, kein Fernseher. Einfach eine andere Welt.“ Labes schwärmt.

Tochter Sylvia hat mit fünf Jahren die erste Hüttentour mitgemacht

Außer der Hanauer Hütte ist die Gardasee-Region mit ihren zahlreichen Klettersteigen ein immer wieder gern und oft besuchter Ort des Ehepaars. „Eine gute Vorbereitung, um im Sommer fit für die Klettersteige zu sein, ist das Klettertraining im Winter in der Hanauer Kletterhalle“, sagt sie. Darüber und über die vielen Touren, die sie mit dem Verein unternommen hat, sind viele soziale Kontakte entstanden. Auch Freundschaften.

Und auch Labes Tochter Sylvia ist in den Alpenverein hereingewachsen, hat mit fünf Jahren die erste Hüttentour mitgemacht und mit sieben die Via Ferrata auf den Cima SAT erklommen. Sylvia hat die Leidenschaft ihrer Mutter für die Berge übernommen. Bis heute ist die Familie oft gemeinsam in den Bergen unterwegs. Und auf der Hanauer Hütte. Der zweiten Heimat der Familie Labes.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema