Gestiegene Personalkosten ziehen eine Erhöhung der Kindertagesbetreuungsgebühren nach sich. Kostenlos bleibt weiterhin die Vormittagsbetreuung für die letzten drei Jahre vor Schuleintritt (Symbolbild). 

Hanau

Erhöhung der Kita-Gebühren: Wen trifft es am heftigsten?

Hanau. Eltern müssen für die Kinderbetreuung in Hanau seit dem 1. Januar tiefer in die Tasche  greifen. Doch mit welchen Mehrkosten müssen Eltern kalkulieren? Und wen trifft diese Gebührenerhöhung am heftigsten? Wir haben Fragen und Antworten zusammengestellt (mit Kommentar).

Von Kerstin Biehl

Dass Kinder Geld kosten, und das bekanntlich nicht wenig, ist nichts Neues. Mit dem neuen Jahr kosten Kinder in Hanau noch mehr. Dies geht mit diversen Gebührenerhöhungen in der Brüder-Grimm-Stadt einher. Die Erhöhung der Kita-Gebühren ist eine davon. Und für viele Eltern ein Schlag ins Gesicht. Durchschnittlich 15 Prozent höhere Gebühren wird seit 1. Januar für die Betreuung in städtischen Kitas und Horten fällig.

Zeitgleich wurde auch die Verpflegungspauschale angehoben. Für die Stadt ergeben sich daraus Mehreinnahmen in Höhe von 650 000 Euro. Welche Auswirkung hat die Erhöhung nun auf die verschiedenen Betreuungsmodelle? Und was kostet Kinderbetreuung in unserer Stadt überhaupt?

Warum erhöht die Stadt die Gebühren überhaupt?Als Grund gibt Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) vorwiegend gestiegene Personalkosten an. So ziehe laut städtischer Pressestelle der Tarifabschluss für den Öffentlichen Dienst allgemein vom April 2016 im Bereich des Eigenbetriebs Kindertagesbetreuung Personalkostensteigerungen in Höhe von rund 505 000 Euro für 2017 nach sich.Ein 2013 von der Stadtverordnetenversammlung gefasster Erhöhungsbeschluss besagt, dass der Kostenanteil, den die Eltern für die Betreuung ihrer Kinder zu tragen haben, zwölf Prozent der Gesamtkosten betragen muss. Da dieser nun vorrangig aufgrund besagter steigender Personalkosten stetig gegen zehn Prozent gegangen sei, sei nun ein Nachjustieren nötig gewesen, heißt es von der Stadt.

Was kostet die Stadt das Angebot Kinderbetreuung?Auch mit den Gebührenerhöhungen 2017 und einem Kostendeckungsgrad von zwölf Prozent bezahlen die Eltern nur den kleinsten Teil der tatsächlichen Kosten der Kinderbetreuung. Etwa 16 Prozent werden durch das Land Hessen aus dessen Einnahmen finanziert und knapp 72 Prozent durch die Steuereinnahmen der Stadt Hanau. Oder anders herum: Für jeden Euro Gebühr erhalten die Eltern durchschnittlich eine Gegenleistung im Wert von 8,33 Euro (etwa 1,33 Euro vom Land und sechs Euro von der Stadt).

Welche Möglichkeiten der Betreuung gibt es überhaupt in Hanau?Es gibt verschiedene sogenannte Betreuungspakete, die Eltern die Auswahl zwischen einem Betreuungsumfang zwischen 16 bis 50 Wochenstunden wählen lassen. Die Pakete richten sich an Kinder im Alter von null bis 14 Jahren.

Wie teuer ist die Kinderbetreuung aktuell?Die Betreuungsgebühren richten sich nach den wöchentlichen Betreuungsstunden. Für eine Betreuungszeit von 25 Stunden in der Woche zahlen Eltern seit 1. Januar 115 Euro. 30 Wochenstunden schlagen mit 140 Euro zu Buche, 40 Stunden kosten 185 Euro und wer das umfangreichste Betreuungspaket mit 50 Wochenstunden bucht, der muss dafür 230 Euro im Monat zahlen.

Was kostet es mich, wenn mein Kind in der Kindertagesstätte isst?Für die Essensversorgung wird zusätzlich eine monatliche Verpflegungspauschale von 65 Euro erhoben, macht pro Tag 3,25 Euro. Diese beinhaltet ein Mittagessen, Getränke (Wasser sowie ungesüßten Tee) sowie einen Nachmittagssnack.

Mit welchen monatlichen Mehrkosten müssen Eltern demnach kalkulieren?Die Kita-Gebühren werden seit 2013 kontinuierlich angehoben. Die damalige Anhebung lag in der Tatsache begründet, dass Hanau Schutzschirmkommune wurde und sparen musste. Betrug vor dem 1. August 2013 die Gebühr für einen Halbtagsplatz, also 25 Wochenstunden, 92 Euro, belief sich die Gebühr danach auf 100 Euro, blieb von der darauffolgenden Erhöhung zum 1. August 2014 verschont und beläuft sich aktuell auf 115 Euro.

Für das 30-Stunden-Paket sind die Kosten von 102 über 120 auf aktuell 140 Euro gestiegen. Diejenigen, die den vollen Umfang an Betreuungszeit (den Ganztagsplatz nutzen mittlerweile Zweidrittel der Kinder) gebucht haben, zahlten ehemals 138, dann 170, dann 200 und nun 230 Euro. Auch die Verpflegungspauschale ist über die Jahre gestiegen. Mussten Eltern für die Verpflegung ihres Kindes vor dem 1. August 2013 noch 40 Euro im Monat aufwenden, stiegen die Kosten danach auf 50 Euro an. Aktuell sind 65 Euro zu entrichten.

Wen trifft diese Gebührenerhöhung am heftigsten?Vollzeit-Berufstätige, die auf einen Ganztagsplatz angewiesen sind, sind von der Erhöhung am stärksten betroffen. Sie müssen seit 1. Januar 30 Euro im Monat mehr für die Betreuung ihres Kindes zahlen. Aufs Jahr gerechnet macht das in der Summe 360 mehr. Hinzu kommen jährlich 180 Euro mehr für die Essenspauschale. Zusammen also 540 Euro an Mehrkosten.

Muss jeder Kita-Gebühren bezahlen?Nein, und hier kann die Stadt punkten. Die Grundbetreuung, sprich die Vormittagsbetreuung bis 12 Uhr (25 Stunden in der Woche) ist in den letzten drei Jahren vor der Einschulung gebührenfrei. Wer sein Kind also nur vormittags in den Kindergarten gibt, muss nichts zahlen.

Gibt es eigentlich Vergünstigungen?Die gibt es, etwa für Geschwisterkinder. So wird für das zweite Kind die Betreuungsgebühr um 50 Prozent ermäßigt, für das dritte und jedes weitere Kind wird keine Gebühr erhoben. Zudem gibt es eine einkommensabhängige Gebührenermäßigung. Empfänger von Sozialleistungen müssen für die Kinderbetreuung nichts zahlen. Familien mit einem durchschnittlichen Familien-Netto-Einkommen unterhalb von 2030 Euro (Alleinerziehende: 1700 Euro) zahlen für den 25-Stunden-Platz 64 statt 115 Euro, für den 40-Stunden-Platz 83 Euro weniger und für das Ganztagspaket 127 Euro statt 230 Euro. Über 80 Prozent der Eltern profitieren von Gebührenfreistellungen sowie von Gebührenermäßigungen.

Welche Möglichkeiten gibt es für Eltern, deren Arbeitszeit über die angebotenen Betreuungszeiten hinaus geht?Die Kinderbetreuung über die Regelzeiten, die sich auf den Zeitraum zwischen 7 und 17 Uhr erstrecken, hinaus stellt sich erfahrungsgemäß als schwierig dar und muss eigenständig geregelt werden. Die Stadt stellt dafür eine so genannte „Babysitterliste“ zur Verfügung. Ein gesetzlicher Anspruch auf eine Betreuung über die Regelöffnungszeiten hinaus besteht nicht. Sie kann aber von der Kita angeboten werden, allerdings muss dazu eine Mindestanmeldezahl an Kindern vorliegen.

In Maintal beispielsweise waren Kita-Gebühren bis 2014 einkommensgestaffelt. Auch ein Modell für Hanau?Dieses Modell, so Weiss-Thiel, ziehe einen sehr hohen Verwaltungsaufwand nach sich, da es bei sämtlichen Kita-Eltern eine Einkommensprüfung erfordern würde. Zudem sei man in Maintal auch davon abgekommen. Hier gebe es nun feste Gebühren und Zuschüsse für Geringverdiener. Weiss-Thiel verweist auf andere Vergünstigungen in Hanau, wie die drei Jahre für den Halbtagsplatz, die vor Einschulung kostenfrei sind sowie darauf, dass viele Bürger auf Grund eines geringen Einkommens keine Gebühren zahlen müssten.

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