Mechaniker David Kloft ist auf vielen Kirchtürmen der Region unterwegs. Er ist auch für die Wartung des Glockengeläuts der Steinheimer Marienkirche zuständig, immerhin das Zweitgrößte im Bistum Mainz nach dem Mainzer Dom.
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Mechaniker David Kloft ist auf vielen Kirchtürmen der Region unterwegs. Er ist auch für die Wartung des Glockengeläuts der Steinheimer Marienkirche zuständig, immerhin das Zweitgrößte im Bistum Mainz nach dem Mainzer Dom.

Uhren stehengeblieben

Er weiß, wo der Hammer hängt: Mechaniker David Kloft repariert Steinheimer Glockengeläut

  • vonHolger Hackendahl
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Das Jahr 2020 ist auch für die „Stein-Auheimer Kirchtürme“ offensichtlich kein Gutes. An der Nikolauskirche und der Kirche von St. Peter und Paul blieben vor einiger Zeit die Uhren stehen, an der Steinheimer Marienkirche versagte vor kurzem der Glockenschlag zur vollen Stunde.

Hanau - Aber Mechaniker David Kloft weiß im wahrsten Wortsinn „wo der Hammer hängt“. Und wenn dieser im Marienkirchturm nicht stündlich die große Bronzeglocke anschlägt, weiß der 38-Jährige auch, woran das liegt. Denn es gibt wenig Kirchturmuhren, die der Mechaniker von der 1877 gegründeten Flörsheimer Firma Jakob Höckel-Schneider Turmuhren und Glockentechnik GmbH nicht wieder in Gang bringen kann.

Defektes Stahlseil lässt die Glocke verstummen

Und so tauschte David Kloft auch im Glockenturm der Marienkirche ein defektes Stahlseil aus, um den Glockenschlag wieder zu aktivieren. Das fünf Millimeter dicke Stahlseil zwischen Antriebsmotor und dem 30 Kilogramm schweren Glockenhammer war an der schwächsten Stelle, einem Knick, geborsten.

Pat Frickel, der sich um die Unterhaltung der Marienkirche und der Alten Pfarrkirche kümmert, hatte als Erster bemerkt, dass der Stundenschlag der Glocke nicht mehr funktionierte und das gerissene Stahlseil entdeckt. Gut, dass David Kloft ohnehin zur jährlichen Wartung der Kirchturmuhr erwartet wurde und den Schaden schnell beheben kann.

Dieser defekte Seilzug ließ keinen Glockenschlag mehr zu

„Ich werde das alte Stahlseil gegen ein neues, nun sieben Millimeter starkes Stahlseil austuaschen“, erläutert der Mechaniker, nachdem er vor dem Zugang in den Glockenturm noch den Strom der Glocken- und Turmuhr-Antriebseinheit abgestellt hatte. 20 Minuten nach 10 Uhr zeigt die Turmuhr als der Mechaniker mit seinem Werkzeug-Rucksack die 105 Holzstufen im bis zur Kreuzspitze 41,60 Meter hohen Turm der Marienkirche hinaufsteigt. Die sieben 1959 in der Heidelberger Gießerei Schilling gegossenen Bronzeglocken hängen im Glockenstuhl in ungefähr 30 Meter Höhe.

Steinheim: Nur Geläut im Mainzer Dom ist größer

Dabei ist das Geläut der Steinheimer Marienkirche außergewöhnlich. Es ist nach dem Geläut im Mainzer Dom das zweitgrößte im Bistum. Zu voller Pracht entfaltet es sich jeweils samstags um 16 Uhr, wenn alle sieben Glocken zusammen geläutet werden.

Auf der Holzplattform angekommen heißt es erst einmal „Kopf einziehen“ und unter der mit 5 276 Kilogramm größten Bronzeglocke hindurch tauchen. Erst dann kann sich Kloft an das defekte Stahlseil und den 380 Volt-Drehstrommotor heranwinden. Kloft zieht das neue, 1,70 Meter lange Stahlseil, das er bereits in seinem Monteurwagen auf Länge geschnitten hatte, ein und fixiert es zunächst mit Seilklemmen. Dann verbindet er die Enden mit der Motor-Antriebseinheit beziehungsweise mit dem Hammerstiel.

Damit alles wie geschmiert läuft, müssen die Ketten regelmäßig geölt werden.

„Das Seil zieht im Stundentakt den etwa 30 Kilogramm schweren Glockenhammer nach oben, der dann zurück in seine Ausgangsposition auf die Außenseite der Glocke fällt, und zwar auf die dickste Stelle der Glocke, den Schlagring“, erläutert Kloft den mechanisch nicht besonders komplizierten Vorgang, der sich – je nachdem, was die Stunde schlägt – ein bis zwölfmal wiederholt.

Jährlich begutachtet Kloft rund 500 Kirchentürme

Circa 500 Kirchtürme im Umkreis von 120 Kilometern um Flörsheim erklimmt David Kloft jährlich, nimmt Wartungen vor oder repariert Schäden. „Das Schöne an meinem Beruf ist, dass jeder Tag und jede meiner Baustellen anders ist und ich auch viel mit Menschen zu tun habe“, erzählt Kloft. Je kleiner das Dorf sei, umso mehr lebten die Menschen mit der Kirchturmuhr und ihren Glocken, hat er festgestellt und fügt schmunzelnd an: „Je kleiner der Ort umso höher steht unsereiner im Kurs.“

Für den 38-Jährigen ist sein Beruf längst auch zu einer Leidenschaft geworden. „In jeden Ort, in den ich fahre, schaue ich zuerst nach oben auf das Ziffernblatt der Kirchturmuhr, so wie vor kurzem erst im Urlaub auf Rügen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern.

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