Gemeinsame Aktionen, Lachen und Spaß haben, machen ein Team aus. Auch gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung des eigenen Körpers gehören zu den Zielen des Workshops.

Steinheim

Eppsteinschule bietet einen Workshop zur Konfliktbewältigung an

Steinheim. „Es muss aufhören!“ „Was muss es?“, brüllt Claudia Berger die Klasse sieben der Eppsteinschule an. „Es muss aufhören!“, brüllen die Jugendlichen zurück.

Von Ulrike Pongratz

Das „ES“ ist in diesem konkreten Fall das Auslachen eines Mitschülers, wahrscheinlich gar nicht böse gemeint. Trotzdem unterbrechen Sascha „Chatman“, Capoeira-Trainer und Pädagoge im Jugendhaus Hütte, und Claudia Berger, GFK-Coach (Gewaltfreie Kommunikation), die Übung sofort und erklären auf Augenhöhe in der Sprache der Kids, warum dieses Verhalten früher oder später zur Eskalation führen wird. „Es macht einen kaputt, es traut sich niemand mehr, ihr blockiert euch als Team, blockiert euch selbst,“ geben die Coaches den Jugendlichen auf den Weg.

Claudia Berger und Sascha Nariz von Sheriff for KIDS kommen an vier Tagen aus Darmstadt an die Eppsteinschule, um dort mit den Schülern der siebten Klasse über Beleidigungen, Gefühle, Gemeinschaft und vieles mehr ins Gespräch zu kommen. „Hinter den Beleidigungen stehen oft unerfüllte Bedürfnisse. Die Kids lernen, diese zu erkennen und auch, die eigenen Gefühle zuzulassen“, so Berger.

Offenes Gespräch über persönliche ErfahrungenDie 42-jährige Darmstädterin erzählt offen von ihrer eigenen Gewalt- und Drogenerfahrung. Die burschikose, energische Frau mit den kurzen, schwarzen Haaren ist offen, ehrlich, authentisch, sie erreicht die Jugendlichen vor allem emotional. Claudia Berger gründete Sheriff for KIDS 2013, um Kinder und Jugendliche vor Drogen, Alkohol und Gewalt zu warnen. Sie ist GFK-Coach (Gewaltfreie Kommunikation), Konflikt-Coach, Mediatorin auf der Basis der GFK nach M. B. Rosenberg. Gemeinsam mit ihrem Team bietet sie unter anderem Vorträge an den Schulen, Sucht- und Gewaltprävention in Gruppen, Motivations- und Selbstbewusstseinstraining, Konflikt-Coaching bei Kleinkindern, Jugendlichen und Erwachsenen, Workshops, Capoeira und Hip Hop-AGs an den Schulen.

„Das Ziel dieses Workshops ist es, die Gemeinschaft zu fördern. Die Kids erfahren, wie schön es ist, ein Team zu sein. Durch Capoeira lernen sie, sich und ihren Körper wertzuschätzen“, so die beiden Coaches Berger und Nariz.

Klassenlehrerin setzte sich für Workshop einDiese beiden Ziele, die Klassengemeinschaft zu fördern und damit die ständigen Reibereien zu minimieren, waren Klassenlehrerin Jasmin Al Dani ein ganz wesentliches Anliegen. Deshalb hat sie sich für diesen Workshop stark gemacht, der speziell für die Klasse konzipiert wurde, und hat einiges dafür in Bewegung gesetzt. Denn – das Training ist nicht kostenlos. „Seit September suche ich Sponsoren für die etwa 1000 Euro, die wir für den Workshop brauchen“, sagt Al Dani. Einen Beitrag von jeweils zehn Euro haben die Schüler beigetragen, die Schule und der Förderverein haben das Projekt unterstützt.

Einige Eltern haben großzügig gespendet, ebenso die Sparkasse Hanau. „140 Euro fehlen uns noch“, sagt Al Dani, für die sich der Aufwand schon jetzt gelohnt hat. Und damit kein falscher Eindruck entsteht, fügt die junge Lehrerin hinzu: „In der Klasse gab es nicht übermäßig viele Konflikte, aber die Jugendlichen reagieren auf Provokationen schnell mit Hauen. Letztlich wissen sie einfach nicht, wie sie aus einem Konflikt aussteigen können.“ Diese Auseinandersetzungen sind im Grunde in jeder Klasse von Anfang an ein kontinuierliches Thema. Sozial- und Gewaltprävention werden in den Jahrgangsstufen fünf und sechs angeboten, aber Al Dani will für ihre Schüler mehr erreichen.

„Natürlich hoffe ich, dass ich künftig weniger Unterrichtszeit auf das Streitschlichten verwende, weniger Missbilligungen schreibe, leichter unterrichten kann. Viel wichtiger aber ist, dass die Schüler mit mehr Spaß bei der Sache sind, dass der Unterricht in einer guten, vertrauensvollen Atmosphäre stattfinden kann – kurz, dass sich die Klasse als ein Team begreift.“

Erste Erfolge zeichnen sich schnell abBereits nach zwei Workshop-Tagen zeigen sich erste Erfolge. „Die Klasse versteht sich als Gemeinschaft, sie unterstützen sich gegenseitig. Das konnte man auf unserem Sportfest vergangene Woche schon deutlich erkennen“, so Al Dani. Auch wenn Claudia Berger die Capoeira-Übung soeben kurz unterbrochen hat, die Jungs und Mädchen sind wieder mit Begeisterung dabei, sie kichern und lachen gemeinsam, strengen sich aber auch gehörig an.

Einmal noch werden Claudia Berger und ihr Team die Klasse besuchen, werden die Schüler intensiv coachen, sie an gegenseitigen Respekt und Mitgefühl für die Anderen erinnern. Jasmin Al Dani wird versuchen, eine Schul-AG ins Leben zu rufen. „Es besteht die Idee, das Projekt längerfristig auf eine regelmäßige AG an der Schule auszuweiten. Das würde nur mit Fördermitteln funktionieren.“

Über Crowdfounding und andere Aktivitäten wird sich die junge Lehrerin weiterhin für ein gewaltfreies Miteinander an ihrer Schule einsetzen.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich an die Eppsteinschule in Steinheim wenden oder direkt an Sheriff for KIDS.www.sheriff4kids.de www.eppsteinschule.de

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