Oft hilft es schon, Wachsamkeit zu signalisieren. Solche Schilder und Aufkleber verteilt unter anderem die Polizei. Foto: Jutta Degen-Peters

Hanau

Enkeltrick und andere Betrügereien: Hanauer Senioren berichten

Hanau. Sie sind 77, 88 und fast 99 Jahre alt, die drei Senioren aus der Wohnanlage der Vereinten Martin Luther + Althanauer Hospital Stiftung Hanau, die mit uns über das Phänomen Enkeltrick sprechen. Wie kann es zu aberwitzigen Betrugsfällen kommen, bei denen alte Menschen ihre Konten abräumen und ihr Bares Fremden aushändigen?

Von Jutta Degen-Peters

Bei denen sie ihr gesamtes Geld in Goldbarren umtauschen und für vermeintliche Polizisten vor der Wohnung deponieren, wie unlängst in der Wetterau geschehen. „Da spielt die Einsamkeit eine große Rolle!“, sagt Uta Eigner. Seit vielen Jahren widmet sie sich ehrenamtlich der Aufklärung älterer Bürger, um sie vor solchen Betrügereien zu bewahren.

Uta Eigner und ihre Mitbewohner in der Martin-Luther-Anlage sind nicht einsam. „Uns wird hier viel geboten“, sagt Eigner. Sie haben das Glück, dass Kinder, Freunde und Bekannte nach ihnen schauen, dass sie selbst noch unternehmungslustig (und rüstig genug) sind und sich vielseitig interessieren. Und doch sind auch diese drei Senioren nicht gänzlich vor unbedachtem Verhalten oder Betrügereien gefeit.

Rentner an der Supermarktkasse bestohlen

Dem 98-jährigen Reinhard Will, im früheren Leben Lehrer an der Eppstein-Schule und an Auslandsschulen in drei Ländern tätig, wurde ein Hunderteuroschein aus dem Portemonnaie gestohlen. In einem Supermarkt habe ihn ein Mann in Begleitung einer zweiten Person angesprochen, ob er ihm mit Wechselgeld fürs Parken aushelfen könne. „Er schaute mit mir in meine Geldbörse rein. Erst hinterher habe ich bemerkt, dass mir ein Hunderter fehlte.“

Selten habe er sich so über sich selbst geärgert, schimpft er und ist überzeugt, dass ihm so etwas heute nicht mehr passieren könnte: „Ich würde immer einen Schritt zurücktreten und nicht zu viel Nähe zu Fremden zulassen“, sagt er.

Fälle wie den des Wetterauers, dem rund eine Viertelmillion Euro gestohlen wurde, nachdem er das Geld in Goldbarren umgetauscht hatte, kann er nicht nachvollziehen: „Wer so etwas tut, kann nicht mehr alle seine Sinne beisammen haben“, glaubt der pensionierte Lehrer.

Kriminelle suchen gezielt nach alten Namen

Elisabeth Leyerer ist in ihrer Einschätzung da vorsichtiger. Die 88-Jährige weiß, dass sich Kriminelle gezielt das Telefonbuch vornehmen und Personen mit „alten Vornamen“ anrufen. So meldete sich bei ihr eine Frau und gab vor, ihre Enkelin zu sein

„Ich habe aber gar keine Enkelin“, sagt die Frau, die früher im Labor von Degussa im Labor arbeitete. Leider habe sie da kein Telefon gehabt, bei dem man im Display die Nummer habe nachvollziehen können, sonst hätte sie der Polizei genauere Informationen geben können.

Aufklärung immer wieder nötig

Für Uta Eigner, die als Mitglied im Maintaler Seniorenbeirat mehrere Schulungen zur Sicherheitsbeauftragten gemacht hat, bevor sie nach Hanau kam, ist direkte Aufklärung, „und zwar wieder und wieder“, zwingend nötig. Sie glaubt, dass ihre älteren Mitbewohner sich nicht genug für das Thema Enkeltrick und andere Betrügereien interessierten.

Je älter man werde, je mühsamer die körperliche und geistige Bewegung werde, desto mehr Energie brauche der Mensch, um seinen Alltag zu bewältigen. Da nicken Elisabeth Leyerer und Reinhard Will zustimmend.

Umgebung muss wachsam sein

Dass es hilft, wenn die Umgebung wachsam ist, hat Elisabeth Leyerer am eigenen Leib erlebt: Sie kam gegen halb elf abends von einem Konzert im CPH nach Hause. Am Empfang hieß es, dass in ihrer Wohnung die Polizei auf sie warte. Die 88-Jährige hatte sich an der Pforte nicht abgemeldet, ihr Zweitrollator stand in der Wohnung.

Und als eine Schwester der Hilfezentrale sie an die abendliche Pilleneinnahme erinnern wollte, glaubte sie, der alten Dame sei etwas passiert. „Sie hat genau richtig reagiert. Erst rief sie die Krankenhäuser an und schließlich die Polizei“, schmunzelt die Seniorin. „Seitdem melde ich mich ab, wenn ich abends ausgehe.“

Für Uta Eigner ist klar, dass alle aufeinander und jeder auf sich selbst achten müsse: die Handtasche nie auf dem Rollator liegen lassen und auf keinen Fall einen Zettel an die Tür hängen mit der Aufschrift „Bin nicht zu Hause!“

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