Christina Rottstedt und stellvertretender Leiter Alexander Friedrich vor dem Zollamtsgebäude. Rottstedt ist Chefin der 22-köpfigen Dienststelle.
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Christina Rottstedt und stellvertretender Leiter Alexander Friedrich vor dem Zollamtsgebäude. Rottstedt ist Chefin der 22-köpfigen Dienststelle.

Sicherheit

Endstation für Fälschungen: Zollamt Hanau am Hafen sorgt auch für sichere Schutzmasken

  • Lukas Reus
    vonLukas Reus
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Wer an die Beamten des Zolls denkt, dem kommen vermutlich zuerst Bilder von Gepäckkontrollen am Flughafen oder Kontrollen an der Landesgrenze in den Kopf. Doch auch im Hanauer Hafen sind 22 Beamten des Zolls präsent. Das Zollamt Hanau befindet sich einem U-förmigen Gebäude in der Hafenstraße 3, gegenüber des Hafentores. Die Beamten dort sind zuständig für das Gebiet des Main-Kinzig-Kreises, für Offenbach und bis in die Wetterau nach Altenstadt.

Hanau – Das Gebäude wurde bereits 1952 erbaut. Damals waren Zollbeamte noch vorwiegend für den Hanauer Hafen zuständig, denn die Schiffe, die den Main und Rhein hinauf bis nach Rotterdam fahren mussten, passierten damals noch Zollgrenzen. Den Schengenraum gab es zu dieser Zeit noch nicht. „Das Gebäude ist so gebaut worden, damit Lkws vorfahren konnten, in die Mitte des U’s sollte ursprünglich mal Gleise für den Zugverkehr vom Hafen hier her gelegt werden“, berichtet Christina Rottstedt, Leiterin des Hanauer Zollamts, „doch die Geschichte verlief anders“. Nun ist das Zollamt Hanau eines der wenigen in Deutschland, das noch in einem solchen historischen Zollhaus untergebracht ist.

Heutzutage haben die Beamten nur noch ab und zu mit den Schiffen, die in den Hanauer Hafen einlaufen, zutun. Hauptaufgaben sind jetzt die Aus- und Einfuhrkontrolle von Waren, die Kontrolle von Postsendungen und auch die Bearbeitung bei Problemen mit der Kfz-Steuer. Letzteres befindet sich seit 2014 in der Zuständigkeit der Zollämter. Wer Rückstände bei der Steuer für Kraftfahrzeuge hat, muss diese nämlich nicht bei einer Zulassungsstelle, sondern beim Zoll begleichen. Das sorgt beim Zollamt mit für den größten Personenverkehr.

Von Handyhüllen bis Weltmeisterpokale: Zoll in Hanau stößt auf interessante Funde

Bei der Kontrolle des Postverkehrs stoßen die Beamten immer wieder auf ganz besondere Funde. Einige gefälschte Exemplare werden im Flur des Zollamts in einer Vitrine ausgestellt. Vom Weltmeisterpokal über Designerschuhe im Originalwert von 3 000 Euro bis hin zu eigentlich billigen Handyhüllen.

Imitate wie diesen Weltmeisterpokal spüren die Mitarbeiter des Hanauer Zollamts auf und ziehen sie aus dem Verkehr.

In einem Hinterraum des Zollamts, hinter einer gut 20 Zentimeter dicken Stahltür verbirgt sich der Tresorraum. Früher, so Rottstedt, wurden dort Edelmetalle oder Diamanten, die von der Firma Degussa verzollt wurden, aufbewahrt. Heute wird es als Lager für Fälschungen, wie von Rolex-Uhren genutzt. „Es gibt nichts, was nicht versucht wird zu fälschen“, sagt Rottstedt, „die Fälschungen sind so gut, die kann man praktisch kaum vom Original unterscheiden.“ Weil auch die Beamten bei dieser Aufgabe an ihre Grenzen kommen, schicken sie die herausgefischten Exemplare zu den Firmen selbst, die am besten ihre Produkte von Fälschungen unterscheiden können.

Zoll Hanau: Rechnung kann bis zu 2000 Euro hoch sein

Der Zoll greift dann nicht mehr ein, die Firmen schicken mithilfe ihrer Rechtsabteilungen die Strafrechnung an den Empfänger der Sendung, um sich außergerichtlich zu einigen. „Die Rechnung kann da schon mal bis zu 2 000 Euro hoch sein“, sagt Zollbeamter Alexander Friedrich. Besonderes Augenmerk auf falsche Waren mussten die Mitarbeiter des Zollamts während der Corona-Krise legen. „Es kamen viele Schutzanzüge oder FFP2-Masken aus dem asiatischen Raum nach Deutschland“, erzählt Friedrich, „doch nicht immer entsprechen diese den Anforderungen, um wirklich einen Schutz zu bieten, und sind einfach von schlechter Qualität.“ Deshalb mussten die Beamten ganz genau hinschauen. Im Zweifelsfall schicken sie Bilder oder Proben an die Materialprüfung des Regierungspräsidiums Darmstadt. Die Experten vor Ort schauen dann noch mal genauer hin. „Letztlich geht es bei den Kontrollen auch um die Sicherheit und das Leben von uns allen“, so Friedrich.

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