+
Beratung und Entlastung auch in Corona-Zeiten: Inge Olbrich, Maria Iffland, Annette Böhmer und Marion Engel vom AGH-Team sind über das Hospiz-Telefon weiter erreichbar.

Berührungen sind tabu

Emotionale Nähe, körperliche Distanz: Ambulante Hospizarbeit in Corona-Zeiten

Zeit und Nähe schenken: Mit diesem Ziel engagieren sich zahlreiche Ehrenamtliche in der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst. Sie besuchen Schwerstkranke und sterbende Menschen zu Hause, schenken ihnen Zeit und Zuwendung. Normalerweise. In Zeiten von Corona sieht das anders aus.

Berührung oder körperliche Nähe sind auf Grund der Ansteckungsgefahr nicht möglich. Eine ungewohnte Situation für die Betroffenen und die Hospizbegleiter gleichermaßen. Aber auch wenn das Gebot der Stunde Abstand lautet, ist es doch wichtig, den Betroffenen weiter beizustehen: „Wir sind immer noch da – wenn auch anders als vorher“, fasst Annette Böhmer, die Fachbereichsleiterin der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst, zusammen. 

Wie sehr sich die Hospizarbeit seit Ausbruch der Corona-Pandemie verändert hat, weiß Böhmer aus eigener Erfahrung. Trotz Corona hat sie erst kürzlich einen Patienten besucht. „Wenn ich reinkomme, bleibe ich erst einmal in der Tür stehen“, erklärt sie. Das ist ihr wichtig, damit ihr Gegenüber erst einmal sehen kann, wer sie denn ist. Erst anschließend legt sie den obligatorischen Mundschutz an und betritt den Raum. Auch dann heißt es allerdings weiter: Abstand wahren. Statt direkt an der Seite des Bettes steht der Besucherstuhl weiter weg. Berührungen zwischen Hospizbegleiter und Patient gibt es keine. „Es ist alles so anders“, fasst Böhmer zusammen. 

Situation sorge auch für Unsicherheit bei den Betroffenen

Denn gerade Dinge wie Mimik, Berührung und Nähe sind in der Hospizarbeit wichtige Elemente. Die Hand auf der Schulter spendet Trost, ein aufmunterndes Lächeln sorgt für Zuversicht. Doch hinter einer Gesichtsmaske ist es nur schwer zu erkennen. Geeignete Schutzausrüstung ist grundsätzlich knapp. Trotzdem sind die Besuche für die Erkrankten und ihre Angehörigen immer noch sehr wertvoll. „Wir bringen Zeit mit“, stellt Böhmer fest. Zeit für intensive Gespräche. Persönlich, aber auch telefonisch. 

Denn die derzeitige Situation sorgt auch bei den Betroffenen für viel Unsicherheit: „Diese Menschen und ihre Familien haben sich auf etwas eingestellt, das schwer genug ist“, so Böhmer. Das letzte, was die Betroffenen nun brauchen, sei, dass so ein Virus ins Haus einzieht, welches den Betroffenen versterben lasse. „Das ist nicht der Plan.“ Während so mancher Patient die Lage durchaus mit Humor nehme, sei die Sorge bei den Angehörigen oft groß, was passieren könnte, sollten sie als Versorgungsperson ausfallen. Nahestehende Menschen können nicht mehr ohne weiteres zu Besuch kommen. Falls doch, schwingt das schlechte Gewissen mit. „Es geht die Nähe verloren. Und die ist so wichtig.“ Dass es immer noch Ehrenamtliche gibt, die trotz der Ansteckungsgefahr für die Betroffenen da sind, ist schön. Trotzdem sei hierbei eine enge Abstimmung mit den Ehrenamtlichen nötig. 

Böhmer: „Da müssen wir einfach sehen, wie es weiter geht“

Die Fürsorgepflicht gegenüber den Freiwilligen nimmt Böhmer sehr ernst. „Ja, wir sind weiter für die Menschen da. Aber wir müssen genau schauen, wie wir verantwortungsvoll da sein können.“ Die Kontaktaufnahme mit der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst lohne auf jeden Fall für die Betroffenen: „Wir gucken dann, wie wir im Rahmen der derzeitigen Möglichkeiten helfen können.“ Neben der aktiven Hospizarbeit hat die Corona-Situation aber auch Auswirkungen auf andere Bereiche der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst: Der aktuelle Ausbildungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter ruht derzeit. Ob der neue Kurs wie geplant im Mai beginnen kann, ist ungewiss. Auch das Spendenaufkommen, mit dem die Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst bestimmte Bereiche ihrer Arbeit finanziert, ist spürbar eingebrochen. 

„Da müssen wir einfach sehen, wie es weiter geht“, fasst Böhmer zusammen. Zu viel voraus planen könne man hier nicht. Aber mit Blick auf eine der Grundeigenschaften, die zur Hospizarbeit gehört, bleibt Böhmer zuversichtlich: „Wir sind es gewohnt, sehr flexibel zu sein und uns auf das einzustellen, was wir vorfinden.“ ju

 

 

Das Hospiz-Telefon 

Über das Hospiz-Telefon ist das Team der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst weiter für alle Ratsuchenden unter der Telefonnummer 0 61 81/9 23 35 31 erreichbar. Die Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst in Trägerschaft des Caritas-Verbandes für den Main-Kinzig-Kreis begleitet schwerstkranke und sterbende Erwachsene und deren Angehörige seit mehr als 20 Jahren. Wer diese wichtige Arbeit finanziell unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende auf folgendes Konto tun: Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst, Sparkasse Hanau, IBAN DE03 5065 0023 0000 0402 79, BIC HELADEF1HAN.

Das könnte Sie auch interessieren