Dicke Eisschollen treiben in der Kesselstädter Schleuse. Das sieht man nicht alle Tage. Foto: Privat

Hanau

Eisschollen auf dem Main sind zur Seltenheit geworden

Hanau. Die anhaltenden Minustemperaturen in diesem Winter haben Eisschollen auf den Main gezaubert. Was früher normal war, ist heute eine Seltenheit. Wir zeigen aktuelle Aufnahmen und blicken zurück.

Von Christian Dauber und Werner Kurz

Leserin Regina Götte hat die Gelegenheit genutzt und einen imposanten Sonnenuntergang über dem frostigen Fluss festgehalten. Hans Baltruschat war zwischen Steinheim und der Kesselstädter Schleuse unterwegs – dort ist der Main fast komplett zugefroren, wie seine Aufnahmen beweisen. Auch in der Schleuse selbst herrscht Eiszeit, wie das Foto von Renate Schellheimer zeigt.Ältere Hanauer werden sich noch gut daran erinnern können: Bis zum Bau des Staudinger-Kraftwerks in Großkrotzenburg in den 1960er Jahren war der Main im Winter regelmäßig zugefroren. Kinder und Erwachsene waren in früheren Jahren häufig sogar mit Schlittschuhen auf dem Fluss unterwegs.Fass auf dem Eis bindenIn den Hanauer Chroniken ist besonders für das ausgehende 19. Jahrhundert vielfach vom zugefrorenen Main die Rede; dann zog es die Hanauer in Scharen aufs Eis. Ein Brauch war es, auf dem Eis ein Fass zu binden, welches die Küfer der Stadt mitten auf dem Main zusammenzufügten. So auch am 19. Januar 1891. In der Nähe der Hellerbrücke hatten sich die Fassbinder versammelt und ihr Werk vollendet.Als sie das Fass jedoch zum Ufer rollen wollten, brach das Eis ein und etwa 15 bis 18 Personen standen im eiskalten Wasser des Mains. Glücklicherweise, so berichtet Ernst Julius Zimmermann in seiner Chronik, sei niemand zu Schaden gekommen. 1890/91 war ein überaus strenger Winter, der Main war von 26. November bis 22. Januar zugefroren. Die Frostperiode neigte sich wohl zur Zeit des Unglücks an der Hellerbrücke schon ihrem Ende zu.

 

Winterquartier am Steinheimer MainuferKeine Probleme hatten dagegen die Großauheimer. Dort hatte man am 11. Januar 1891 auf dem Eis des Mains sogar ein Karussell errichtet und ein Volksfest gefeiert. Zimmermann vermerkt auch, dass dieser Winter so streng war, dass der Bodensee zugefroren war.Das Eis auf dem Main spielte auch in der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte eine Rolle: Im Winter 1940/41 lag das Regiment, in dem Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg gedient hatte (das Regiment List), nach der Zurückverlegung aus dem Frankreichfeldzug am Steinheimer Mainufer im Winterquartier.Ende der Eiszeit in 60ernIn der Regimentsgeschichte ist nicht nur vom Besuch Hitlers in Steinheim die Rede, sondern auch vom zugefrorenen Main. Den nutzten die Soldaten nämlich für Sprengübungen. Diese erfüllten durchaus einen wichtigen Zweck, weil sich an den Brücken die Eisschollen gefährlich hoch auftürmten.Doch die Zeit der Kohlekraftwerke in den 60er Jahren – auch in Aschaffenburg entstanden zwei am Mainufer – läutete das Ende der Eiszeit ein. Durch die eingeleiten Abwässer stieg die Temperatur an. In der Folge waren nur noch in sehr harten Wintern Eisschollen zu sehen. Wieder einmal komplett zugefroren war der Main beispielsweise Ende der 70er Jahre. Insofern ist es durchaus eine Besonderheit, dass der Main in diesem Jahr wieder Eis trägt.

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