Hanau

Auf einen Äppler mit SPD-Landtagskandidatin Jutta Straub

Hanau. Leitende Mitarbeiterin im Hanauer Rathaus, Kreistagsabgeordnete, Mitglied in zahlreichen Gremien, Vereinen und Verbänden, dazu privates Familienmanagement und jetzt tobt auch noch der Wahlkampf: Jutta Straub ist derzeit stark gefordert. Doch sie kann das offenbar alles gut schultern. Gestresst wirkt sie keineswegs.

Von Reinhard Breyer

Sie ist ursprünglich ein Kind des Stadtteils Lamboy/ Tümpelgarten, doch mittlerweile – dank ihrer Heirat – ist sie Großauheimerin durch und durch. Deshalb treffen wir die SPD-Kandidatin für den Landtagswahlkreis 41 im Rahmen unserer Wahlkampf-Porträts auch in ihrem Stadtteil: Das „Come In“ gehört zu ihren Lieblingslokalen. In dem Bistro genießt sie gelegentlich einen Kaffee, hier trifft sie sich mit Familie und Freunden zum Bingo.

Bis vor wenigen Jahren war dieses Terrain an der Depotstraße fest in der Hand der U.S. Army. Dank der Konversionsplanungen sind viele der Militärbauten verschwunden und haben Platz für den Gewerbepark Süd gemacht. Großauheim ist traditionell eine Hochburg der SPD. Die Straße, in der sich das Bistro befindet, ist nach Adalbert Eisenhuth benannt, der in den 80er und 90er Jahren angesehener Ortspolitiker der SPD war.

Als klassisches Scheidungskind übernahm ihre Großmutter eine wichtige Rolle in der Erziehung. Die war überzeugte SPD-Wählerin und sehr selbstbewusst. Der Kampf um Gleichberechtigung nahm damals gerade Fahrt auf. Viele ihrer Ideale gab die Oma an ihre Enkelin weiter, die zur überzeugten Sozialdemokratin wurde und mit 20 in die Partei eintrat.

Auch der Sohn ist politisch aktiv

Überhaupt geht es bei den Straubs traditionell höchst politisch zu. Dafür sorgte schon ihr Schwiegervater, der „rote Anton“: Anton Straub, der frühere Kreistagsabgeordnete und Gewerkschafter, löste immer wieder eingehende Debatten im Familienkreis aus. Mittlerweile hat ihr Sohn Julian Feuer gefangen, ist Stadtverordneter der SPD in Hanau. Auch ihr Ehemann Holger unterstützt die Partei durch das Verteilen von Flyern und Plakatekleben.

Großauheim ist für Jutta Straub seit ihrer Hochzeit 1991 zum Dreh- und Angelpunkt geworden. Hier engagiert sich die 51-Jährige, wo es nur geht. In zahlreichen Vereinen ist sie aktiv, so im Förderkreis Kultur, im Heimat- und Geschichtsverein, sie ist Vorsitzende der Groß‧auheimer Karnevalgesellschaft 1905 und Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Groß‧auheimer Vereine und Verbände. Daneben ist Jutta Straub Mitorganisatorin des Weihnachtsmarktes und des Festivals der Kulturen. Die Fastnachtssitzungen als Protokollerin in der Bütt sind für die gebürtige Hanauerin willkommene Abwechslung zu ersteren Themen.

Nach dem Besuch der Eberhardschule absolvierte sie 1983 eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte. Zunächst arbeitete Straub im Ordnungsamt, dann im Sozialamt. Zu Beginn der 90er Jahre trat sie nach der Geburt ihrer beiden beruflich vorübergehend etwas kürzer, bildete sich während der Elternzeit als erste Frau in der Stadtverwaltung zur Verwaltungsfachwirtin weiter. Danach ging es zielstrebig weiter. „Mein Ziel wareine Führungsposition.“ Das erfüllte sich nach Stationen in der Kämmerei und im Personalamt 2013, als Straub zur Abteilungsleiterin für Ressourcenmanagement und Kundenservice, also zur Finanzchefin im Eigenbetrieb Kindertagesbetreuung aufstieg. Dort verwaltet sie ein Jahresbudget von rund 40 Millionen Euro.

„Ich musste sehr viel kämpfen“

Finanzen und Sozialpolitik: Das sind die beiden Felder, denen sie sich besonders verpflichtet fühlt. Und das spiegelt sich auch in ihren Schwerpunkten als Landtagskandidatin wider. Eine gebührenfreie und flexible Kinderbetreuung sei für viele Familien heute das A und O im Berufsalltag und in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Erziehung, Bildung und Chancengleichheit sind für Jutta Straub Schlüsselelemente. Gerade in puncto Chancengleichheit habe sie als Jugendliche im Stadtteil Lamboy/Tümpelgarten das Gefühl gehabt, benachteiligt zu sein. „Ich musste sehr viel kämpfen“, sagt sie bei einem Glas Sauergespritztem auf der Terrasse des „Come In“.

Anfangs sei sie in der Partei gegen die Quotenregelung gewesen. Doch irgendwann erkannte sie, dass auch in der SPD Männer immer die Strippenzieher seien. Heute sagt sie: „Die Quote ist eine Chance für uns Frauen, in der Politik was zu werden.“

„Doch ich glaube nicht, dass es dann langweilig wird.“

In der Kreispolitik hat sich die Hanauerin rasch einen Namen gemacht. Konflikten geht sie nicht aus dem Weg. „Ich bin halt manchmal eine Meckertante“, sagt Straub über sich. Seit 2001 gehört sie dem Kreistag an, bereits zwei Jahre später war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Vorsitzende des Ausschusses für Soziales und Familie sowie sozialpolitische Sprecherin der SPD.

Dass sich Hanau in drei Jahren aus dem Großkreis verabschiedet, findet sie konsequent. Schließlich wachse die Stadt weiter stark. „Allerdings sollten die Hauptamtlichen in der Sache etwas mehr miteinander reden.“ Wichtig sei, dass es in Sachen Kreisfreiheit eine ordentliche Trennung gebe – „eben wie im richtigen Leben“.

Derzeit ist sie in etlichen Gremien des Kreises vertreten, von denen sie sich dann trennen müsste. „Doch ich glaube nicht, dass es dann langweilig wird.“

SPD bei 23 Prozent

Neben dem Thema Kinderbetreuung und Bildung sieht Straub die Bereiche „Schaffung günstigen Wohnraums“ und ÖPNV als besonders dringlich an. „Hier muss die Infrastruktur durch attraktive Angebote und bessere Vertaktungen deutlich verbessert werden. Endlose Staus im Ballungsraum sind nicht mehr zeitgemäß.“

Den CDU-Mann Heiko Kasseckert bezeichnet sie als großen und erfahrenen Konkurrenten. „Trotzdem werde ich kämpfen und möchte als erste Frau den Wahlkreis direkt holen.“ Denn nur so könnte es am 28. Oktober für sie klappen. Schließlich ist Jutta Straub mit Platz 54 der SPD-Landesliste auf einem aussichtslosen Posten.

Die jüngsten Umfragewerte für die Hessen-SPD sind nicht gerade ermutigend. Sie liegt bei rund 23 Prozent. Über mögliche Koalitionen und Konstellationen wird eifrig diskutiert. Für Jutta Straub steht dabei eines fest: „Bündnisse mit allen, nur nicht mit der AfD.“

Erneute Kandidatur 2023 möglich

Die AfD habe sich zweifellos zum Auffangbecken von Frustwählern entwickelt. Da helfe nur eines. Aufklären, dass diese politische Kraft viele Errungenschaften der freiheitlichen demokratischen Grundordnung am liebsten wieder zurückschrauben würde. Dies gelte es, vor allem auch jungen Menschen zu verdeutlichen.

Und sollte sie den Wahlkreis 41 nicht direkt erobern, so denkt sie bereits jetzt an das Jahr 2023. Dann wolle sie sich auf jeden Fall erneut für eine Kandidatur bewerben.

Über mangelnde Unterstützung kann sich die Kandidatin nicht beklagen. Sie habe viele junge Helfer auf ihrer Seite. „Der Wahlkampf macht mir Spaß und ich habe viel gelernt, auch in unserem heutigen Gespräch.“

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