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Klinikum-Geschäftsführer Volkmar Bölke, Pflegedienstleiterin Ester Klug vom Klinikum Hanau, Astrid Weis (Nachbarin) und Susanne Hofmann (Nachbarin und Klinikmitarbeiterin) bei der Übergabe der Schutzvorrichtungen (von links nach rechts).

SARS-COV-2-PANDEMIE

Nachbarschaftliche Privatinitiative stellt 200 Visiere für Hanauer Kliniken her

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Ob einkaufen oder das Nähen von Schutzmasken – viele Freiwillige engagieren sich ehrenamtlich, um in der Krise anderen zu helfen. Schutzmasken-Bastler oder Klopapier-Hamsterer – die Corona-Pandemie scheint das Gute, aber auch das Schlechte im Menschen hervorzubringen.

Doch das Gute scheint zu überwiegen. 200 Schutzvisiere aus Plastik, angefertigt für die beiden Hanauer Krankenhäuser, haben Anwohner aus der Julius-Leber-Straße und dem umliegenden Viertel hergestellt. Produziert hat diese die Gemeinschaft „Wir sind die Nachbarn“, eine Gruppe von rund 40 Anwohnern.

Die ersten 100 von Hand hergestellten Schutzvisiere wurden dieser Tage an Ulla Klasse und ihre Kolleginnen vom St.-Vinzenz-Krankenhaus übergeben. „Damit fühle ich mich auf jeden Fall noch mal sicherer“, freut sich Ulla Klasse, die dort auf der Intensivstation arbeitet, als sie die Spende entgegennimmt.

Visiere aus Folie, Gummiband und Schaumstoff

„Die Visiere bestehen aus einfachen Materialien wie Laminierfolie, Gummiband, Tackernadeln und einem Schaumstoffpolster. „Sie wurden von der Nachbarschaftsgemeinschaft unkompliziert und kostengünstig hergestellt“, sagt Vivien Franke.

Begonnen hatte die private Bastelinitiative mit einem Internetvideo, das Astrid Weis, eine der Nachbarinnen aus dem Wohnviertel unweit des Sandeldamms an der Kinzig, entdeckte. In diesem Video wirbt ein Görlitzer Klinikarzt für die Schutzvisiere. „Wir können doch eh nicht raus. Vielleicht haben einige von uns Lust zum Basteln“, dachte sie und stellte das Video in die „Whatsapp-Gruppe“ der Gemeinschaft. Auch die anderen aus der nachbarschaftlichen Runde waren von ihrer Idee begeistert. Schnell wurde Geld gesammelt, das Material bestellt und das Basteln begann.

200 Visiere gehen an die Hanauer Krankenhäuser

Eine Woche später konnten die Nachbarn die stolze Anzahl von 200 Plastikvisieren an die beiden Hanauer Krankenhäuser übergeben. Jeweils 100 Stück gingen neben dem St.-Vinzenz-Krankenhaus auch an das Klinikum Hanau. Esther Klug (Pflege- und Stationsmanagement) und Volkmar Bölke (Geschäftsleiter) vom Klinikum Hanau freuten sich sehr über das nachbarschaftliche Engagement und die Visiere.

Grund zur Freude: Ulla Klasse vom St.-Vinzenz-Krankenhaus und Ulrike Lenk (rechts) bei der Übergabe der gebastelten Visiere.

„Zurzeit können wir jede Hilfe gebrauchen“, sagt Volkmar Bölke. Die Visiere scheinen auch andernorts großen Anklang zu finden. Auf dem Weg zur Übergabe trafen die Nachbarinnen etwa den Mitarbeiter eines Pflegedienstes. Mit ihm kamen sie – natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln – ins Gespräch. Als die beiden von ihrer Mission erzählten, machte er große Augen: „Das ist ja eine tolle Aktion! Könnte ich wohl auch eines dieser Visiere haben?“

Corona-Pandemie: Pfleger und Krankenschwester für jedes Hilfsmittel dankbar

Die Initiatorinnen kamen seiner Bitte nach und erfuhren, dass auch die Kollegegen des Mannes Interesse daran haben dürften. „Wir sind nicht so viele“, beteuerte er. Schützende Hilfsmittel werden gebraucht, selbst wenn sie noch so einfach erscheinen mögen. Natürlich können die Visiere nur zusätzlich zu anderen Maßnahmen schützen. Aber selbst für diese einfache Unterstützung sind Altenpfleger und Krankenschwestern dankbar.

Denn ihre Arbeit ist unverzichtbar, auch wenn sie in engen Körperkontakt mit vielen Menschen treten müssen. Sie können nicht zu Hause bleiben, um sich zu schützen. „Schauen Sie sich die einfache Bastelanleitung an“, fordert Vivien Franke potenzielle Nachahmer auf. „Vielleicht haben Sie auch Lust wie 'Wir sind die Nachbarn' ein paar Visiere zu basteln. Für 20 Stück braucht man eine halbe Stunde. Damit könnte man das ganze Team eines Hauspflegedienstes schützen, verweist Vivien Franke auf die Bastelanleitung von Astrid Weis. „100 weitere Plastikvisiere werden im Laufe dieser Woche hergestellt, das Material hierfür ist bereits eingetroffen.“

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