Wird von seinen Mitschülern unterstützt: Maceo (rechts) hat am Hessen-Homburg-Schulzentrum fast die gleichen Fächer wie der Rest der Klasse. Eine große Hilfe ist ihm auch sein Tablet. Foto: PM

Hanau

Einblicke in den Schulalltag eines Zwölfjährigen mit Down-Syndrom

Hanau. Kinder mit besonderen Bedürfnissen in den Schulalltag einzubinden, stellt alle Beteiligten vor Herausforderungen. Eine Schule, die das gut meistert, ist das Schulzentrum Hessen-Homburg. Seit über einem Jahr besucht Maceo eine Hauptschulklasse am Schulzentrum Hessen-Homburg.

Von Robert Giese

Maceo ist ein besonderer Schüler, denn er hat das Down-Snydrom, bei ihm liegt das Chromosom 21 dreifach statt doppelt vor. Das bringt für Maceo einige Herausforderungen mit sich, er hat unter anderem Schwierigkeiten, mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren. Am Unterricht teilnehmen, mit seinen Mitschülern reden – Dinge, die für die meisten Kinder am Schulzentrum eine Selbstverständlichkeit sind, fallen Maceo teilweise sehr schwer.

Dass es dennoch klappt und Maceo sich in seiner Klasse, der H6a, gut aufgehoben fühlt, liegt an mehreren Faktoren: Einerseits ist da das Tablet mit einem Sprachprogramm – wenn sich Maceo sprachlich gerade nicht gut ausdrücken kann, tippt er auf die Symbole und das Tablet spricht für ihn. Andererseits kann er sich mit einigen Begriffen aus der Gebärdensprache behelfen, von der auch seine Mitschüler die wichtigsten Ausdrücke gelernt haben. Dadurch kann Maceo sich mitteilen, so oder so.

Seit sechs Jahre gibt es inklusiven Unterricht am Schulzentrum

In den Alltag in der Klasse ist der Zwölfjährige so weit wie möglich eingebunden. „Er hat mit wenigen Ausnahmen die gleichen Fächer wie der Rest der Klasse“, erläutert Tilo Harloff, der Maceo als Teilhabeassistent in der fünften Klasse begleitete, „die Aufgaben werden selbstverständlich für ihn angepasst.“ In den Klassenalltag ist Maceo dadurch integriert, hat aber immer die Möglichkeit, auch alleine an Aufgaben zu arbeiten: Im Klassenraum gibt es eine ruhige Ecke für Pausen, Maceo kann aber mit seinem Teilhabeassistenten auch in einen Extra-Raum gehen.

„Inklusiver Unterricht, wie er heute verstanden wird, wird bei uns am Schulzentrum Hessen-Homburg seit sechs Jahren durchgeführt“, erläutert Schulleiter Heinz Armbrüster, der Inklusion als einen „eigentlich schon immer alltäglichen Prozess“ ansieht, denn jeder habe seine Stärken und Schwächen. „Denken wir an den Sportunterricht: Schon immer mussten die Superfußballer einen Weg finden, die Unsportlichen in ihr Mannschaftsteam einzubinden, also zu inkludieren. Oder denken Sie an den Alltag und unterschiedlich handwerkliche Begabung. Der Prozess, dass der eine etwas besser kann und den anderen mitzieht, ist nicht unbekannt.“

Unterstützung durch entsprechende Techniken

Am Schulzentrum Hessen-Homburg findet Inklusion in den Hauptschulklassen statt. Die Schule wurde jüngst für ihr besonderes Engagement für Kinder mit Down-Syndrom ausgezeichnet. Hier kann von gemeinsamem Lernen gesprochen werden und zwar in gemeinsamem Unterricht überwiegend mit zwei Lehrern in der Klasse. Einerseits sei es wichtig, dass jeder verstehe, worüber der andere spricht und andererseits, so führt Armbrüster aus, seien auch Hauptschüler froh, wenn sie gelegentlich mal eine Zusatzhilfe von dem zweiten Lehrer erhielten. „Das nennt man Teamwork und so ist gewährleistet, dass möglichst alle Schüler gleichzeitig am gleichen Unterrichtsthema aktiv arbeiten.“

Die meiste Zeit über sind die Erwachsenen in Maceos Klasse zu viert: Neben dem Fachlehrer und dem Förderschullehrer gibt es auch zwei Teilhabeassistenten, die sich speziell um Maceo und die anderen Schüler mit Beeinträchtigung kümmern – personell ist die Klasse also meist gut aufgestellt, um den Bedürfnissen aller Schüler gerecht zu werden. Das technische Equipment ermöglicht es gerade Maceo ebenfalls, effizient zu arbeiten, denn es gibt einen PC-Arbeitsplatz im Klassenzimmer. Für diesen haben Maceos Eltern die notwendigen Programme gekauft, damit Maceo die Aufgaben möglichst gut erledigen kann.

„Er ist ein Quatschkopf“

Doch nicht nur deswegen hat sich Maceo an seiner neuen Schule von Beginn an wohl gefühlt: Neben den guten technischen und personellen Möglichkeiten, die es am Schulzentrum gibt, hat ihn auch die Klasse freundlich aufgenommen. „Sie haben mir gezeigt, was wichtig ist“, hat sich Maceo dank seiner Mitschüler schnell an der neuen Schule zurechtgefunden, und auch Harloff betont, dass sein Schützling in der Klassengemeinschaft gut aufgenommen worden sei.

Das liege auch an Maceos Talenten: „Er ist ein Quatschkopf“, verrät Harloff und muss lachen; Maceo erzähle sehr gerne Witze. Zudem verfügt der Zwölfjährige über eine blühende Fantasie und denkt sich oft Geschichten aus. In der Klasse ist es inzwischen Tradition, dass Maceo jeden Freitag mit Hilfe seines Tablets eine eigene Geschichte vorträgt – für viele seiner Mitschüler das Highlight der Woche.

Maceo hat große Pläne

Vom Miteinander mit seinen Mitschülern profitiert aber nicht nur Maceo, sondern auch dessen Klassenkameraden. „Durch ihn ist Inklusion kein rein theoretisches Thema, sondern wird im Alltag miteinander gelebt“, sagt Harloff – und berichtet von verschiedenen Projekten, bei denen sich die Schüler zum Beispiel damit beschäftigten, wie man Mitschüler mit Beeinträchtigungen im Unterricht am besten einbinden kann. Durch Schüler wie Maceo sind solche Übungen nicht nur Theorie, sondern können auch gleich in der Praxis angewendet werden.

Dieses große Engagement für die Inklusion hat dazu geführt, dass das Schulzentrum Hessen-Homburg vom Deutschen Down-Syndrom InfoCenter mit einer Urkunde ausgezeichnet wurde. Auch Maceos Mutter freut sich, „dass Maceo so wie er ist und unabhängig von seiner Chromosomenzahl“ am Schulzentrum willkommen ist. Maceo selbst, der gerne tanzt und der Musik mag, will derweil gerne noch lange an der Schule und in seiner Klasse bleiben. Schließlich hat er große Pläne: Mit seinen Mitschülern will er zum Beispiel lieber heute als morgen eine Band gründen.

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