Hanaus Partnerstadt in Japan, Tottori, beschenkt die Begründerin und ehemalige Leiterin des Hanauer Puppenmuseums, Gertrud Rosemann, anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit der Ehrenbürgerwürde. Die 99-Jährige, hier mit dem Geschenk eines Holzschnitzers aus Japan, hat sich um diese Freundschaft sehr verdient gemacht.
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Hanaus Partnerstadt in Japan, Tottori, beschenkt die Begründerin und ehemalige Leiterin des Hanauer Puppenmuseums, Gertrud Rosemann, anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit der Ehrenbürgerwürde. Die 99-Jährige, hier mit dem Geschenk eines Holzschnitzers aus Japan, hat sich um diese Freundschaft sehr verdient gemacht.

Ehre für 99-Jährige

Ein Drachenkopf als Geschenk: Gertrud Rosemann erhält Ehrenbürgerwürde der Hanauer Partnerstadt Tottori

  • Jutta Degen-Peters
    VonJutta Degen-Peters
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Die Giraffe ist ein anmutiges und kraftvolles Tier, der Löwe steht für Großmut und Stärke. Kirinjishi, ein japanisches Fabelwesen, vereint in sich beides. Denn das japanische Wort ist eine Zusammensetzung aus Kirin, Giraffe, und Jishi, Löwe. Beim Kirinjishi-Tanz, der schon in Hanau auf dem Marktplatz aufgeführt wurde, wurde von Tänzern aus Tottori das an einen Drachen erinnernde Tier mit großem goldenen Kopf und dem langen roten Stoffkörper gezeigt.

Hanau – Jetzt wurde Gertrud Rosemann, Begründerin und jahrzehntelange Leiterin des Hanauer Puppenmuseums, vom japanischen Holzschnitzer Kanji Nakayama mit einer kleineren Ausfertigung des Drachenkopfs beschenkt.

Das Geschenk würdigt nicht nur den wenige Tage zurückliegenden 99. Geburtstag der engagierten Seniorin. Es steht auch und vor allem für die Freundschaft zwischen der Brüder-Grimm-Stadt Hanau und ihrer japanischen Partnerstadt Tottori.

Wenn in diesem November in Japan das 20-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert wird, dann ist dies maßgeblich Gertrud Rosemann zu verdanken. Die Wahl-Hanauerin hatte 1988 mit einer Japan-Ausstellung den Grundstein im damals gerade fünf Jahre bestehenden Puppenmuseum gelegt und sich über die Jahrzehnte hinweg nicht nur durch die Sammlung von Puppen intensiv um die Freundschaft mit den japanischen Museumsschaffenden, Künstlern und Bürgern bemüht.

Viele Ausstellungen und Veröffentlichungen der Kulturpreisträgerin belegen, wie sehr sie sich dafür engagierte. Stationen dieser Beziehung sind unter anderem die Eröffnung des japanischen Spielzeugmuseums Warabekan in Tottori im Jahr 1995 oder bei Rosemanns letzter Japanreise 2015 ihr Vortrag beim Globalen Innovationsforum der WHO für die alternde Bevölkerung in Kobe. Am heutigen Samstag wird Gertrud Rosemann dafür eine ganz besondere Ehre zuteil: Sie wird zur Ehrenbürgerin der Stadt Tottori ernannt.

„Leider kann ich die Urkunde nicht persönlich entgegennehmen“, sagt Rosemann, die per E-Mail aus Japan mit dieser Nachricht überrascht wurde. Wegen Corona sind Reisen derzeit nicht möglich. 16-mal besuchte die vielfach von Deutschland und Japan Ausgezeichnete (der nur selten vom Kaiser verliehene Orden vom Heiligen Schatz ziert eine Wand in Rosemanns Arbeitszimmer) in den vergangenen Jahren schon das Land in Fernost, hielt dort Vorträge, berichtete aus der Heimat. „Und mindestens ebenso oft haben wir in Hanau Mitglieder von Delegationen willkommen geheißen, die sich über deutsche Sitten und Gebräuche, über die Brüder Grimm oder die Art der hiesigen Spielkultur kundig machten“, erklärt sie. Dabei seien intensive Beziehungen und manche Freundschaft entstanden. Rosemann pflegt viele Briefkontakte nach Japan und wird über alles, was die Verbindung zwischen Hanau und Tottori betrifft, auf dem Laufenden gehalten.

Der Freundschaftsverein Tottori-Hanau wird ganz sicher dafür sorgen, dass Rosemann genauestens über die Jubiläumsfeier am heutigen Samstag informiert wird. Im Warabekan-Museum findet aus diesem Anlass eine Baumpflanzung und ein Konzert mit Stücken von Paul Hindemith statt. Da die zu Ehrende nicht teilnehmen kann, wird bei dieser Zeremonie die Vorsitzende des Partnervereins Hanau-Tottori, Yukiko Hayashi, die Ehrenbürgerurkunde entgegennehmen. Rosemann wird die Urkunde dann per Post zugeschickt bekommen.

Die umtriebige Seniorin ist unterdessen schon wieder mit einem Japan-Projekt beschäftigt: Sie schreibt die Geschichte des Kirinjishi-Tanzes von Inaba (alter Name für Tottori) auf, und leistet damit einen weiteren Beitrag zum Verständnis der japanischen Kultur.

Von Jutta Degen-peters

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