In den Räumlichkeiten des ehemaligen Tegut-Marktes in der Sternstraße plant die Stadt Hanau ein Fahrradparkhaus, das die Möglichkeit bietet, 141 Fahrräder sicher abzustellen. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Aus ehemaligem Tegut wird ein Fahrradparkhaus

Hanau. In der Sternstraße soll ein Fahrradparkhaus geschaffen werden. Der Starttermin ist für kommendes Frühjahr geplant.

Von Kerstin Biehl

Besitzer hochwertiger E-Bikes und hochpreisiger konventioneller Fahrräder, die ihren Drahtesel in der Öffentlichkeit abstellen, tun dies bisweilen mit mulmigem Bauchgefühl und in der Hoffnung, ihr Gefährt nach ihrer Rückkehr noch an Ort und Stelle vorzufinden.

Die Sorge vor Diebstahl, aber auch der fehlende Schutz vor Witterung und die begrenzten ausgewiesenen Fahrradstellplätze in der Innenstadt rufen nun die Stadt Hanau auf den Plan: Ein Fahrradparkhaus soll geschaffen werden. Ein sicherer Stellplatz, analog zum bereits erfolgreich praktizierten bewachten Fahrradparken in den Sommermonaten auf dem Marktplatz.

So soll das Fahrradparkhaus aussehen. Visualisierung: PM

Das geplante Fahrradparkhaus in der Sternstraße soll auf rund 600 Quadratmetern Abstellfläche Platz für 141 Fahrräder und 82 abschließbare Spinde bieten. Es ist dort vorgesehen, wo ehedem der Tegut-Laden im Erdgeschoss des Gebäudekomplexes Parkhaus Am Forum zu finden war. Dieser Laden im Erdgeschoss steht seit einiger Zeit leer.

Der Eigenbetrieb Hanauer Parkhaus GmbH (HPG) setzt bei der Finanzierung auf Förderung durch den Bund; ein entsprechender Antrag ist gestellt. Stadtrat Thomas Morlock ist „sehr optimistisch, dass das klappt“. HIS (Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service)-Betriebsleiter und HPG-Geschäftsführer Markus Henrich rechnet mit dem Start des Fahrrad-Parkhauses „mit Beginn der Radfahrsaison im Frühjahr 2020“.

Auch ein Tandem passt durch

Zum Service des Fahrrad-Parkhauses sollen Toiletten, Duschen und Umkleiden für die Nutzer gehören. Die HPG überlegt, eine Werkstatt für größere Reparaturen einzurichten, kleinere Selbst-Reparaturen sollen an zwei Stationen möglich sein. In den Spinden sollen Akkus von Elektrorädern aufgeladen werden können. „Der Zuspruch steht und fällt mit dem guten Serviceangebot“, ist Stadtrat Morlock überzeugt.

Die Nutzenden sollen von außen über zwei Portal-Drehkreuzanlagen an die Reihen mit Fahrradbügeln gelangen können. Diese Eingänge sind so vorgesehen, dass sie barrierefrei sind und eine Fahrrad-Durchreiche haben. Die Größe ist so gewählt, dass auch ein Fahrrad mit Anhänger oder ein Tandem durchpassen. Zudem können mühelos auch seitliche Gepäcktaschen am Hinterrad durchgeführt werden. „Wir legen auf die Belange von Einkaufenden, Radreisenden und Eltern mit Kindern Wert“, begründet Henrich diese Feinheiten. Die Nutzung des Parkhauses ist ticketpflichtig, die Tageskarten können am Kassenautomaten gelöst werden. Die Tarife stehen noch nicht fest.

Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur

„Mit dem Fahrradparkhaus erfüllen wir den Wunsch ‧vieler unter den Radfahrenden“, betont Stadtrat Mor-lock. Die hohe Nachfrage nach dem 2018 neu einge‧führten Bewachten Parken am Marktplatz während der ‧Sommermonate zeige, dass der Wunsch nach sicherem Radparken groß sei. „Das gilt natürlich erst recht für die Menschen mit teuren Elek‧trorädern“, fügt Henrich hinzu.

„Der Ausbau des Radverkehrs ist die passende Antwort auf viele Herausforderungen wie effektives Nutzen des zur Verfügung stehenden öffentlichen Verkehrsraums, Klimawandel, Gesundheitsschäden durch zu wenig Bewegung, schonende Inanspruchnahme von Flächen, Luftverschmutzung und Lärm‧belastung.“ So beschreibt Morlock ein wichtiges Ziel der ökologischen Verkehrs- und Mobilitätswende. Die Stadt investiere mit HIS und HPG in den nächsten Jahren „so viel Geld wie nie zuvor“ in den Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur.

Für das Optimieren des Wegenetzes und für Abstellanlagen sieht HIS in den nächsten sieben Jahren ab 2020 ins‧gesamt rund 8,6 Millionen ‧Euro vor. In den sieben Jah‧ren seit 2013 hat der Eigenbetrieb bereits zirka 2,7 Millionen Euro ausgegeben. Morlock schlussfolgert: „Hanau ist auf dem besten Weg zu einer fahrradfreundlichen Großstadt.“

Das ist noch geplant

Mehr Komfort zu bieten, das ist einer der Gründe für Investitionen in Radwege. Hohe sechsstellige Beträge hat HIS in den vergangenen sieben Jahren unter anderem für einen Teil des Mainradwegs in Klein-Auheim ausgegeben, für den Ausbau der Radwege an Westbahnhof, Steinheimer Tor und In den Tannen.

Geplante weitere Investitionen übertreffen sogar die Marke von einer Million Euro für den Lückenschluss an der ‧Eugen-Kaiser-Straße, die Radwege Westerburgstraße, Offenbacher Landstraße und Aschaffenburger Straße und den Netzanschluss in der Friedrich-Ebert-Anlage. Planungsgelder von 300 000 Euro sollen für die Schnellverbindung in Richtung Frankfurt fließen. Eine ebenso hohe Summe veranschlagt HIS für weitere Radabstellanlagen.

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