Im Aufwind: Die Zahl der Fahrräder mit elektrischer Unterstützung nimmt zu - und damit steigt auch die Zahl der Unfälle und Diebstähle. Die Polizei klärt auf. Foto: Pixabay

Hanau

E-Bikes: Zahl der Unfälle und Diebstähle steigt

Hanau. Der Fahrradhändler machte die Erfahrung nicht zum ersten Mal: In seinem Laden landete der potenzielle Käufer eines Pedelecs mit Karacho im Regal. Der Senior hatte offenbar auf dem Display des Elektrorades herumgetippt und dort den Turbo eingestellt.

Von Jutta Degen-Peters

Dass Menschen Fahrräder mit motorisierter Unterstützung, also Pedelecs oder E-Bikes, unterschätzen, passiert häufig, so die Polizei, die aus Anlass der gerade begonnenen Fahrradsaison zu einer Pressekonferenz einlud. Der Grund: Die Zahl der Unfälle nimmt zu. Von 2016 bis 2018 kletterte der Anteil der Pedelec-Fahrer an den Unfällen von sechs auf 13 an. Anlass für die Polizei, jetzt verstärkt für das Thema zu sensibilisieren.

Im Mittelpunkt stand neben der wachsenden Zahl verunglückter Radler auch das Thema Diebstahl, weil die vergleichsweise wertvollen E-Bikes auch immer häufiger Ziel von Dieben und organisierten Banden werden.

Doch die Sicherheit der Nutzer stand zunächst im Vordergrund. Nicht nur im Main-Kinzig-Kreis, sondern hessenweit, müssen sich die Verkehrsbehörden mit immer mehr Unfällen auseinandersetzen, in die Pedelecfahrer verwickelt sind. Erst Ende März berichtete unsere Zeitung über einen tödlichen Unfall auf dem Radweg entlang der B8 in Höhe Neuwirtshaus, bei dem ein 77-jähriger E-Bikefahrer starb. In Hessen sei ein Anstieg der Pedelec-Unfälle von 57 Prozent beobachtet worden, erklärte Gerhard Wiesner von der Polizeidirektion Südosthessen.

Vor Anschaffung informieren

Waren es 2017 noch 235, so wurden im vergangenen Jahr 370 Unfälle registriert. Die Altersgruppe 55 plus war an117 dieser Unfälle im Jahr 2018 beteiligt. „Wir müssen feststellen, dass es hauptsächlich Senioren sind, die sich ein E-Bike anschaffen“, konstatierte der beim Polizeipräsidium für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Rudi Neu. Zur Ursache gehören die Benutzung der falschen Fahrbahn, zu schnelles Tempo, Überholmanöver, Vorfahrt- und Abbiegefehler.

Die Beamten machten deutlich, dass viele Nutzer beim Kauf unzureichend informiert sind und mahnten an, unbedingt im Vorfeld abzuklären, wofür man das E-Bike brauche und welche Strecken man damit fahren wolle. Der einzige Typ mit Trethilfe, der als Fahrrad gelte, sei das Pedelec mit einer Geschwindigkeit von maximal 25 Stundenkilometern. Für alle anderen Varianten, sowohl das S-Pedelec als auch das E-Bike, das bis 45 Kilometer schnell fahren könne, braucht man eine Fahrerlaubnis, unbedingt einen Helm und eine spezielle Versicherung.

Die Polizei rät dazu, auf der Internetseite der Deutschen Seniorenliga die Pedelec-Checkliste zu nutzen und damit zum Fachhändler zu gehen. Verkehrswacht, ADAC und ADFC bieten darüber hinaus spezielle Kurse für E-Bikes auch für Senioren an.

Dass man vor Fahrtantritt nicht nur die Betriebserlaubnis studiert und sein auf Verkehrstüchtigkeit überprüftes E-Bike ausprobiert haben sollte, versteht sich von selbst. Gut sichtbare Kleidung und ein rücksichtsvolles Fahrverhalten sollten ebenso selbstverständlich sein.

Organisierte Banden

Wer ein Pedelec oder E-Bike hat und dafür meist 2000 Euro und mehr ausgegeben hat, den trifft ein Diebstahl besonders schmerzlich. Im Main-Kinzig-Kreis wurden letztes Jahr 362 Fahrräder bei einem Einbruch gestohlen oder geknackt. In weiteren 112 Fällen waren die Räder ohne Sicherung abgestellt. 21 der gestohlenen Räder waren Pedelecs, in Hanau verschwanden davon zwölf. In diesem Jahr sind laut Polizei schon jetzt zwölf Pedelec-Diebstähle im Kreis angezeigt worden, davon fünf in Hanau. Tendenz steigend.

Neben Beschaffungskriminalität gehe es hierbei auch um das Tun organisierter Banden. Spektakuläre Fälle wie der Diebstahl bei einem Schönecker Händler, der gerade sein Lager mit 250 E-Bikes nebst Akkus aufgefüllt hatte und am nächsten Morgen vor dem leergeräumten Lager stand, sind eher die Seltenheit.

Thomas Gaschitz von der Führungsgruppe Kriminalitätsbekämpfung riet dringend dazu, sich ein gutes Schloss anzuschaffen. Er wies auch auf die App „Fahrradpass“ hin, mit der man Fotos und Daten seines Fahrrades speichern und im Falle eines Diebstahl nach Anzeige an die Polizei senden kann. „Es ist nichts schmerzlicher für uns Polizisten, als einen vermeintlichen Dieb zu stellen, dem wir wegen fehlender Informationen den Diebstahl nicht nachweisen können“, so Gaschitz.

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