Foto/Grafik: Bender/HA

Hanau

Drohender Sportsfield-Abriss: Das versteht niemand mehr

Hanau. HA-Chefredakteur Robert Göbel kommentiert den drohenden Abriss von 400 Wohnungen auf dem Sportsfield-Gelände bei gleichzeitigem Wohnungsmangel in der Region.

Von Robert Göbel

Unsere Politiker diskutieren über Mietendeckel, Zweckentfremdungsverbote und sogar mögliche Enteignungen, um in Ballungsräumen das Wohnen erschwinglich zu halten. Die Erfolge dieser Ansätze sind, wie viele Mieter in Frankfurt und in unserer Region bestätigen können, eher bescheiden.

Das überfrachtete Baurecht – einer der wirkungsvollsten Hebel, um dem Wohnungsmangel über die Förderung von Neubauten zu begegnen – scheint in den Debatten dagegen nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. In Hanau führt das bestehende Recht nun sogar zu dem grotesken Fall, dass 400 intakte, zudem mit mehreren Millionen Euro Steuergeldern sanierte Wohnungen auf Sportsfield Housing dem Abriss geweiht sind.

Stadt schlägt zurecht Alarm

Grotesk deshalb, weil letztlich nur die bestehende Baubürokratie die Abrissbirne in Gang setzt. Wie anders ist sonst der Umstand zu erklären, dass jahrzehntelang genutzte Wohnungen (auf dem Konversionsgelände Sportsfield-Housing) wegen verschärfter Immissionsschutzrichtlinien nun keine mehr sein dürfen, weil sie zu dicht am Dunlop-Werk stehen, während gleichzeitig mehrere hundert andere Wohnungen und Häuser, die seit Jahrzehnten genauso dicht am Dunlop-Werk stehen (im Freigerichtviertel) Bestandsschutz genießen und – Gott sei Dank – deshalb nicht abgerissen beziehungsweise umgewidmet werden müssen!

Einem normal Sterblichen ist das nicht zu erklären. Zurecht schlägt die Stadt deshalb auf Landes- und Bundesebene Alarm, um den – übrigens wieder vom Steuerzahler zu finanzierenden – Abriss von preisgünstigem, intaktem Wohnraum zu verhindern. Nach allen vorliegenden Reaktionen bislang ohne Erfolg.

Ministerien winken ab

Das Bundesbauministerium unter Horst Seehofer (CSU) hat ebenso wie der in Hessen für Wohnen zuständige Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) mehr oder weniger abgewunken. Das wirft die Frage auf, ob sich die Ministerien überhaupt ernsthaft mit dem Fall „Sportsfield“ beschäftigt haben angesichts ihrer Lippenbekenntnisse, Wohnungen in Ballungsräumen schaffen zu wollen.

Bleibt abzuwarten, ob das noch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) tun – beide haben sich zu dem Hilferuf der Stadt bislang gar nicht geäußert. Zumindest der früheren Maintaler Stadträtin sollte man unterstellen, dass sie die örtlichen Gegebenheiten kennt und eine Empfehlung „sehenden Auges“ gibt.

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