PHK R. Schwenke (rechts) und sein Assistent Ch. Kuhl bei der Sicherung möglicher Spuren. Foto: Habermann

Hanau

Dreister Bronze-Klau beschäftigt Polizei und Staatsanwaltschaft

Hanau. Diebe im Lkw, so viel scheint sicher, haben in der Nacht von Sonntag auf Montag zwölf je rund 55 Kilogramm schwere und rund 80 Zentimeter auf 1,2 Meter messende Bronzetafeln aus dem Ehrenfeld des Hanauer Hauptfriedhofs gestohlen.

Von Rainer Habermann

Auf den Tafeln eingestanzt sind die Namen von Soldaten und zivilen Opfern der Bombennacht vom 19. März 1945. Der dreiste Bronze-Klau hält derzeit Polizei und Staatsanwaltschaft in Atem. Als eine „Schande“ bezeichnete ihn gestern Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Doch der materielle Wert der zwölf gestohlenen Tafeln, obwohl recht hoch, ist nicht unbedingt ausschlaggebend. Es ist der ideelle Schaden, der schmerzt. Drei Tafeln hängen noch, die Diebe waren offenbar gestört worden oder der Laster zu klein, mit dem sie wohl auf den Friedhof gefahren waren.

Zeugen gesuchtUnsere Zeitung hatte in der gestrigen Ausgabe bereits über den nächtlichen Diebstahl berichtet, der sich erst am Montagmorgen durch aufgebrochene Schlösser an den nördlichen und südlichen Zugängen des Hauptfriedhofs bemerkbar machte. Ob in der Sonntagnacht, wohl zwischen 20 Uhr und dem darauf folgenden Morgen, jemand etwas gehört hatte, Anwohner oder Spaziergänger: das klären im Moment die laufenden Ermittlungen der Polizei. Mögliche Zeugen sollten sich auf jeden Fall bei der Polizei in Hanau unter der Telefonnummer 0 61 81/10 0 6 11 melden.

Die Frage, die sich in Hanau wohl jeder stellt, ist die: „Wer macht denn so was?“ Auch Erika Herbert, die wir gestern am Ehrenmal trafen, zeigt sich entsetzt und betroffen. „Hier auf diesen Tafeln, die jetzt nicht mehr da sind, standen die Namen meiner Tante, meiner Oma und weiterer Verwandter. Sie alle sind in der einen Bombennacht in Hanau, am 19. März 1945, im Keller ihres Wohnhauses in der Altstraße 18 umgekommen. Sie sind jämmerlich verbrannt. Aber noch jämmerlicher finde ich es, dass jemand jetzt diese Gedenktafeln mit ihren Namen einfach klaut. Das ist kein Vandalismus mehr, das ist einfach nur schändlich.“

Trauer und der WutDie Dame, Jahrgang 1950, ist schlicht erschüttert und den Tränen nahe. Andere Besucher des Hauptfriedhofs, die von einer Beisetzung kamen, fanden ebenfalls Worte der Trauer und der Wut. „Wie kann es nur so weit kommen?“, fragt einer.

Die Stadt Hanau reagiert ebenfalls mit Entsetzen. Joachim Haas-Feldmann, Pressesprecher der Stadt, vermutet einen Mercedes Sprinter oder Ähnliches als Tatfahrzeug. Er hofft aber auch auf „späte Einsicht“ der Täter, weil der Materialwert der gestohlenen Bronzetafeln nicht allzu hoch ist. „Wir hoffen auf Rückgabe, wie damals beim 'Teufelchen' am Brunnenstock gegenüber vom Schloss Philippsruhe. Das war im Jahr 2002, kurz nach dem Diebstahl ist die – allerdings wesentlich kleinere – Bronzefigur wieder aufgetaucht.“

Hoffen auf EinsichtDerart große Bronze-Diebstähle habe es in Hanau bisher noch nicht gegeben, sagt Haas-Feldmann. „Zwei Bronzetafeln am Güldenbronn-Denkmal im Schlossgarten sowie der Frosch-Klau an einem früheren Brunnen zwischen Goldschmiedehaus und Marienkirche: das war bisher alles.“

Der Verlust der Namen, das ist keiner. Jedenfalls kein bleibender. Den Toten des Zweiten Weltkriegs kann auch nach dem Diebstahl weiter gedacht werden. Wann die Tafeln am Ehrenfeld des Hauptfriedhofs ersetzt werden, ist noch unklar. Man hofft noch auf Einsicht bei den Dieben. „Die Namen der hier genannten Kriegsopfer lassen sich mit Hilfe des Stadtarchivs sowie der Bildstelle aufgrund entsprechender Fotos und Akten rekonstruieren. Es wäre also nicht viel neu zu gestalten“, sagt der Pressesprecher der Stadt.

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