Region Hanau

DNA-Check für Hunde: "Illegal und zu teuer"

Region Hanau.Wild in die Landschaft gesetzte Hundehaufen sind lästig. So mancher Zeitgenosse würde sich wünschen, die Verursacher endlich ein für alle Mal dingfest zu machen, zum Beispiel per DNA-Abgleich. Immer wieder gibt es Kommunen in Deutschland, die das Verfahren für sich prüfen lassen. Bisher mit wenig Erfolg. Wir haben nachgefragt, wie die Kommunen in der Region zu diesem Thema stehen.

Von Christine Semmler

„Jetzt reicht’s!“ So beginnt eine gemeinsame Pressemitteilung der Kommunen Erlensee, Langenselbold und Rodenbach. Man gehe nun endlich rigoros gegen wilde Hundehaufen vor. „Durch ein neues Verfahren ist es möglich, Hundekot durch DNA-Analyse einem bestimmten Hund zuzuordnen. Eine Speichelprobe soll zukünftig direkt bei der Hundeanmeldung erhoben werden; alle Hundehalter sind aufgefordert, Hunde ab sofort bei der steuerlichen Anmeldung persönlich vorzustellen.“Bei der Mitteilung, die Ende März 2011 verschickt wurde, handelt es sich um einen Aprilscherz. Aber es gibt immer wieder Kommunen, die das Thema ernsthaft diskutieren, aktuell die oberhessische Gemeinde Lohra. Die drei oben genannten Kommunen haben das nie ernsthaft erwägt.„In Anbetracht der geringen Erfolgsaussichten im Verhältnis zu den Kosten sind wir zu dem Ergebnis gelangt, diese Möglichkeit nicht zu nutzen“, sagt der Rodenbacher Ordnungsamtschef Gido Puhl. Die rechtlichen Voraussetzungen seien ungeklärt, da gesetzliche Grundlagen fehlten. Man setze auf die klassischen Spender mit kostenlosen Hundekot-Beuteln. Die Hinterlassenschaft des Vierbeiners muss eingesammelt und im nächsten Müllbehälter entsorgt werden. Verstöße würden mit Bußgeldern geahndet. „Dies kommt aber eher selten vor, da es in der Praxis sehr schwierig ist, den Verursacher zu ermitteln“, so Puhl. Seit Ende 2017 gebe es in Rodenbach auch eine Hundefreilaufwiese.In Erlensee hat man sich auf die HA-Anfrage hin ausführlich mit dem Thema befasst.

"Vielzahl von rechtlichen Widrigkeiten"

Es gebe eine „Vielzahl von rechtlichen Widrigkeiten“, erklärt Bürgermeister Stefan Erb, etwa was Datenschutz angeht. DNA-Analyse-Dateien dürften beispielsweise laut Polizeirecht nur bei schweren Kapitalverbrechen angelegt werden. Die gesetzlichen Bestimmungen ließen eine anlasslose Speicherung in einer DNA-Analyse-Datei nicht zu. Die Hunde verpflichtend untersuchen und analysieren zu lassen bedeute außerdem, allen Haltern im Voraus zu unterstellen, dass sie sich gesetzeswidrig verhalten wollen. „Und was würde mit Besucher-Hunden von auswärts geschehen?“, stellt er zur Debatte.

Kosten belaufen sich auf bis zu 400 Euro pro HundEinfache DNA-Tests, die rund 50 bis 100 Euro kosteten, seien „polizeirechtlich bedenklich“. Es sei eher zu vermuten, dass in Gerichtsverfahren eine höherwertige Analyse gefordert wird. Die seien mit 300 bis 400 Euro zu beziffern. Diese Kosten könnten „ohne dringenden Tatverdacht nicht allgemein auf alle Hundehalter abgewälzt werden“. Die Kosten müssten aus dem kommunalen Finanzaufkommen beglichen werden.“Eine Kommune in der Größe Erlensees müsste für eine Ersterfassung 400 000 bis 550 000 Euro aufbringen. Bußgelder von in der Regel zehn bis 30 Euro könnten diese immense Summe nicht rechtfertigen.

Widersprüche von geahndeten Hundebesitzern zu erwarten

Langenselbolds Bürgermeister Jörg Muth teilt diese Auffassung. „Das sorgt nur für unnötige Kosten.“ Die Ordnungspolizei solle für wichtigere Aufgaben eingesetzt werden, als Proben von Hundehaufen zu nehmen. Allein die Widersprüche, die von geahndeten Hundebesitzern zu erwarten seien, würden zu viele Arbeitskräfte binden.„Man müsste für alle Hunde eine DNA-Datenbank anlegen, um den Kot dann auch zuordnen zu können“, gibt Nicole Bilz, Sprecherin der Stadt Maintal, zu bedenken. „Das setzt voraus, dass alle Kommunen entsprechend handeln und die Datenbank landesweit zentral geführt wird.“ Maintal setzt darauf, „immer wieder in den Medien und sozialen Netzwerken auf das Problem mit dem Hundekot aufmerksam zu machen und die Hundehalter aufzufordern, den Kot ihres Hundes aufzunehmen und entsprechend zu entsorgen.“

Spender mit Tüten sollen Aufsammeln erleichternDer Hammersbacher Bürgermeister Michael Göllner findet klare Worte: „Solche Ideen haben mit gesundem Menschenverstand und Verhältnismäßigkeit der Mittel nichts zu tun“, erklärt er. „Wir haben als Kommunen viele wichtige Aufgaben zu erfüllen. Wir investieren in Betreuung und Infrastruktur. Aber Datenbanken für Hundekot zu pflegen, Proben zu nehmen und das dann zu verfolgen – dafür fehlt mir jedes Verständnis.“ Die Kommune diskutiere derzeit darüber Spender mit Tüten aufzustellen. „Ich gehe aber davon aus, dass ein Hundehalter selbst in der Lage sein sollte, solche Tüten für wenig Geld zu kaufen und mit sich zu führen.“Niederdorfelden setzt ebenfalls auf Tütenspender, das funktioniere „einigermaßen gut“, erklärt Bürgermeister Klaus Büttner. Ähnlich handhaben das die Städte Gelnhausen und Nidderau. „Im vergangenen Jahr erhielt jeder Hundehalter eine Informationsschrift zusammen mit dem Hundesteuerbescheid“, berichtet Sabine Maßmann vom Nidderauer Fachdienst Abfallwirtschaft. Die Stadt appelliere auch in Zukunft an die Vernunft der Hundehalter.

Zivile KontrollenIn Hanau, Ronneburg und Großkrotzenburg haben sich die Gemeindevertreter bisher noch gar nicht mit dem Thema DNA-Bank befasst. Hanaus Stadtpolizei versucht, dem Problem Hundekot mit Schwerpunkttagen beizukommen, an denen sie sich dem Thema intensiv widmet. Mitarbeiter sind dann zivil unterwegs, kontrollieren, ob Hundehalter den Beutel dabei haben oder Kot ordnungsgemäß entfernen. Ronneburg setzt auf „Aufklärung, Sensibilisierung und Ordnungsgelder“. In Großkrotzenburg sei das Problem bisher überschaubar, sagt Giovanni Turco, kommissarischer Leiter des Ordungsamtes. Das Konzept der Kotbeutel scheitere dennoch oft an der Bequemlichkeit der Hundebesitzer. „Wir werden das Thema im Auge behalten“, sagt Turco auf unsere Anfrage hin.

Halter müssen auf frischer Tat ertappt werdenÄhnliches hört man aus Schöneck: „Wir verfolgen die Entscheidungen anderer Kommunen zu diesem Thema und sind interessiert an den ersten Erfahrungen“, berichtet Fachbereichsleiter Matthias Laufer. Denn die unliebsamen Hinterlassenschaften seien immer wieder Gegenstand von Diskussionen. „Neben Öffentlichkeitsarbeit und das Aufstellen von Tütenspender für den Hundekot sind uns aber leider die Hände gebunden.“ Anzeigen gegen Verstöße seien bisher „sehr spärlich“ erfolgt.

In Bruchköbel sei „die Hundekotproblematik sehr präsent“, berichtet Stefan Waag aus dem Ordnungsamt. „Seit der Einführung der Ausgabestellen für Hundekotsammeltüten hat sich die Situation etwas entschärft, aber eine weitere Unsitte eingeschlichen. Die befüllten Hundekottüten werden nicht in die dafür bereitgestellten Sammelbehälter oder Mülleimer entsorgt, sondern in die Grünanlagen geworfen.“ Man sei über die Medien über die Möglichkeit einer DNA-Datenbank für Hunde aufmerksam geworden. „Die Anwendbarkeit für die Stadt Bruchköbel wurde aber bisher noch nicht thematisiert.“ Man schöpfe die bestehenden Möglichkeiten aus: Dazu gehörten auch Appelle an die Hundebesitzer und Kontrollen durch die Ordnungspolizei. „Bußgelder sind nach den geltenden Vorschriften jetzt schon möglich“, erklärt Waag. „Hierzu ist es allerdings erforderlich, den Hund gemeinsam mit dem Hundehalter 'auf frischer Tat' zu ertappen.“

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