Dietmar Herrmann ist ein wahrer Radio-Nostalgiker. Er repariert und möbelt alte Radios wieder auf. Foto: Holger Hackendahl

Steinheim

Dietmar Herrmann hat ein Faible für alte Röhrenempfänger

Steinheim. Dietmar Herrmann ist nicht nur ein leidenschaftlicher Akkordeonspieler – wie ihn viele kennen. Seit 2001 sammelt er alte Röhrenradios und bringt diese auf Radiobörsen und in Internet-Auktionshäusern erstandenen Schätze wieder zu alter Schönheit.

Von Holger Hackendahl

„Ich sammele aus Spaß an der Freude, die alten Radios wieder zum Leben zu erwecken“, sagt der 66-jährige passionierte Tüftler und Radio-Nostalgiker, der nicht mehr spielfähige, meist aus den 1930er Jahren stammende Radios innen wie außen – wie ein Möbelrestaurator – restauriert.

„In den 1930er Jahren ging es mit der Radioentwicklung so richtig voran, es gab in damals noch fernsehlosen Zeiten einen richtigen Entwicklungsschub“, weiß Herrmann. „Familien saßen vor dem Radio und lauschten gemeinsam dem Hörfunkprogramm. „Radios waren damals sogar Einrichtungsgegenstände, edle Möbelstücke mit tollem Design“. Es gab Radios etwa mit einem Holzgehäuse aus Mahagoni oder Nussbaum – mit glänzendem Schellacküberzug. Und die Lautsprecher waren mit hochwertig gewebtem Stoff bezogen, erzählt er.

Radioschätze aus der Vor-Transistoren-Zeit

Seine Radioschätze aus der Vor-Transistoren-Zeit sind hauptsächlich Röhren-Radios, deren Innenleben aus solider Technik besteht und die mit Elektronenröhren bestückt sind. Aber auch einige neuere Transistorradios gehören zu seiner Sammlung. Als junger Mann hat Herrmann eine Lehre als Mess- und Regelungsmechaniker absolviert und später studiert. So hat er sich das nötige Wissen für sein Hobby angeeignet. „Eigentlich wollte ich Rundfunk- und Fernsehmechaniker werden, aber ich habe keine Lehrstelle gefunden. Es gab damals in der DDR nur ganz wenige Handwerksbetriebe, wo diese Ausbildung möglich war“, erzählt der gebürtige Oberlausitzer, der bereits als Kind gern mit dem Elektrobaukasten tüftelte und schon als Jugendlicher versuchte, weggeworfene Radios zu reparieren.

Heutzutage besorgt sich Herrmann bei Sammlern, Händlern und im Internet Schaltungsunterlagen und Original-Ersatzteile für seine im In- und Ausland erstandenen Radios, die er dann in monatelanger Arbeit mit filigranem Werkzeug und Messgeräten wieder voll funktionstüchtig macht. Oft bringt er die Radios möglichst getreu wieder in ihren Originalzustand.

„In den Kriegsjahren hatten sie ja oft keine Bauteile mehr, da wurden dann irgendwelche Teile eingebaut, Hauptsache, das Radio empfängt wieder.“ Ob die alten Radio-Schätze nach aufwändiger Reparatur dann wieder Radiowellen empfangen, testet er mit einem Messsender.

Neues Übertragungsverfahren

Kurzwelle, Mittelwelle und Langwelle – allesamt Frequenzen, auf denen früher Radioprogramme analog ausgestrahlt wurden, sind seit einigen Jahren abgestellt. Nun werden die Signale mit dem neuem Übertragungsverfahren DAB (Digital Audio Broadcasting) digital übertragen, bedauert Herrmann, dass seine Schätze seither zum Schweigen verurteilt sind. Dafür hören er und seine Ehefrau nun Internetradiosender aus der ganzen Welt, die digital weltweit über das Internet empfangen werden können.

Für eines seiner Schmuckstücke, ein Loewe-Batterieradio mit zwei Empfangsspulen, hergestellt in Berlin-Steglitz, brauchte der Radiohörer noch einen Lautsprecher oder Kopfhörer. „Zu Anfangszeiten waren die Lautsprecher im Radio noch kein Bestandteil, sie mussten extra angeschlossen werden.“

Zu seiner Sammlung gehört etwa das Radio „Telefunken-Katzenkopf“, ein Rundfunkgerät mit Röhren aus den 1930er Jahren. Es hat seinen Namen von einer Skala, die wie ein Katzenkopf ausschaut. Das Trabant-Kofferradio der DDR stammt aus den 1960er Jahren ebenso wie der Taschenempfänger Kosmos, Made in USSR. Das blau-weiße Handgelenk-Radio mit den Maßen sechs mal sieben Zentimeter war in den 60ern in der DDR „hipp“.

Ein begehrtes Sammlerstück

Das „Nora W3L“ Radiomodell mit einem Lautsprecher im Sonnenblumen-Design, ist ebenfalls ein begehrtes Sammlerstück. „Der Lautsprecher ist mit einem speziell gewebten Lautsprecherstoff bespannt“, erläutert Herrmann. Im schwedischen Radiomodell „Stern undamp; Stern“ ist der Lautsprecher im zuklappbaren Deckel enthalten. Das aus England stammende Radio der Firma EKCO „Willow Tree“ fällt dagegen durch eine spezielle Rundskala auf und das Siemens-Modell 62W mit einer Skala aus den 30ern sieht mit seinem speziellen Design aus wie ein „Herr im Frack“.

„Mir macht es sehr viel Spaß, diese alten Radios wieder zum Laufen zu bringen. Ich habe Freude an der Technik, damals war es noch was Solides und nicht wie heutzutage diese Wegwerf-Radios“, sagt Dietmar Herrmann.

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