Dieter Nuhr hat das Publikum in Hanau begeistert. Foto: Pauly

Hanau

Dieter Nuhr teilt aus - und erntet viele Lacher

Hanau. Dieter Nuhr teilt kräftig aus: Bei seinem Auftritt in der August-Schärttner-Halle in Hanau vor rund 2300 Gästen bekommen alle ihr Fett weg. Sein neues Programm „Nur Nuhr“ kommt bestens an und erntet viele Lacher.

Von Andrea Pauly

Grundsätzlich leichtes Spiel haben Comedians und Kabarettisten beim Warm-Up mit den Zuschauern in der August-Schärttner-Halle. Ob Bülent Ceylan, Kaya Yanar und nun Dieter Nuhr, der hier ebenso zum wiederholten Male zu Gast war: Alle „ergötzen“ sich an der Architektur und dem „Geruch nach Schweiß“ dieser großzügigen Sporthalle und ernten dafür ihre ersten Lacher des Abends.Rund 2300 Gäste überzeugte der gerade als bester Komiker Deutschlands ausgezeichnete Nuhr auch in diesem Jahr, als er ganz puristisch – ein Mann, ein Mikro, keine Videoeinpieler oder Bühndeko – sein Programm „Nur Nuhr“ präsentierte.

"Stechuhr“ bekommt neue BedeutungDass Dieter Nuhr in alle Richtungen austeilen kann und jede politische Gesinnung ihr Fett weg bekommen kann, zeigte er gleich mit dem ersten Szenario. Wie es wäre, wenn die Idee der Grünen umgesetzt würde und behinderte Menschen Sex auf Rezept bekommen?Das führe wohl zu „staatlich zertifizierten Sexualdienstleiterinnen und -dienstleistern“, die verbeamtet werden, pünktlich um 17 Uhr Feierabend machen und „den Griffel fallen lassen“. Das Wort „Stechuhr“ bekomme so eine ganz neue Bedeutung, amüsierte er sich und sein Publikum."Machtgeile Giftzwerge“Der Moderator von „Nuhr im Ersten“ und „Nuhr ab 18“ sowie Autor mehrerer Bestseller plauderte sich auf die ihm typische ruhige – fast beiläufige – Art durch die Religionen, die Weltpolititik der „machtgeilen Giftzwerge“, sprachliche Correctness, Weihnachtsbäume, Intersexualität und die Unterschiede zwischen Mensch und Tier. So schaffte Nuhr spielend die Kurve vom Flüchtling zum Raucherquadrat auf dem Bahnhof oder von der Bundeswehr zur Gender-Wissenschaft – bis hin zum Proktologenzitat „Dein Darm ist ein eigenes Universum“.Nur manchmal schien der 56-Jährige tatsächlich etwas in Rage zu kommen, nämlich dann, wenn er gegen tumbe Wutbürger loslegte, die in einem der reichsten Länder der Erde geboren wurden, alles haben und trotzdem jammern, sie hätten Angst vor Überfremdung und Terror: „Gerade in Mecklenburg-Vorpommern – da entzieht sich der Ausländer der Diskriminierung doch durch Abwesenheit. Das macht die da echt wuschig.“"AfD geht mir tierisch auf den Sack“Dabei regen ihn rechte und linke Fanatiker genauso auf wie die Islamisten. „Es ist mir auch übrigens egal, ob Rechts- oder Linksradikale. Jemand, der eine Granate auf ein Flüchtlingsheim wirft, der ist genauso schlimm wie ein Linksradikaler, der Steine auf einen Polizisten wirft, der am Abend seine zwei Töchter ins Bett bringen möchte“, und „die AfD geht mir tierisch auf den Sack“, bekundete er mit Nachdruck. Die seien doch auch nicht besser als die Islamisten. „Beide Gruppen sind intolerant, immer beleidigt und judenfeindlich.“In Saudi-Arabien, wo laut Zeitungsannoncen unter den Henkern Fachkräftemangel herrsche, da könnten die AfDler doch gut unterkommen, schlug er vor und erntete lautstarken Beifall. Er habe auch grundsätzlich nichts gegen Burkas, sie müssten nur von den richtigen Leuten getragen werden und vor allem schalldicht sein und zum Beispiel für Frauke Petry und Alexander Gauland von der AfD geschneidert werden.Keine Anspielungen auf Ziegenficken gefundenWas ihn dann veranlasste ins Publikum zu fragen, ob heute Abend Nazis hier seien. „Bitte gehen Sie nach Hause, machen sie etwas Sinnvolles und schläfern Sie sich ein“, schoss der Künstler hinterher. Anfang des Jahres habe er sich Gedanken um seinen Job gemacht, verriet Nuhr dann: „Ich hatte Angst, dass Satire verboten werden könnte.“Er sei schließlich sein Programm durchgegangen, habe aber keine Anspielungen auf Staatspräsidenten und Ziegenficken gefunden. Neben dem Abhaken der Böhmermann-Affäre erklärte der Comedian auch den amerikanischen Wahlkampf. Im Grunde gehe es nur um Abtreibung und Waffenbesitz. Die Republikaner wollten das Leben vor der Geburt schützen und danach schien es egal zu sein, wenn jeder mit einer Waffe rumballern kann.Verirrungen des MehrwertsteuerrechtsBushidos-Diss-Attacke gegen ihn war Nuhr auch noch einen kleinen eigenen Rap-Song wert. „Wissen Sie, für Rapper ist ficken ein Hilfsverb. Es ersetzt alle anderen Verben“, grinste er süffisant. Neben der Politik und anderen Medienvertretern war das Zwischenmenschliche wieder Teil von „Nur Nuhr“. So hätten sich Frauen immer sensible Männer gewünscht und würden jetzt aber zetern, wenn der Liebste nur noch Rekorde im Backen von Zimtsternen aufstellt.Außerdem schlug er noch einen Bogen zu den Verirrungen des Mehrwertsteuerrechts, das Kaffee als Bohne mit sieben Prozent ausweist, als Getränk mit 19 Prozent und als Getränk mit einem Anteil von mehr als 75 Prozent aufgeschäumter Milch wieder mit sieben Prozent.Breaking NewsWir leben zwar in einer verrückten Welt und die ständig auf allen Kanälen aufploppenden Breaking News würden uns alle völlig irre machen und den Eindruck vermitteln, diese sei noch nie so bedrohlich gewesen. „Dabei war die Welt noch nie so sicher wie im Moment und uns geht es besser als je zuvor“, schloss Nuhr sein Fazit. Denn der gefährlichste Ort der Welt ist heute das Bett. Das zumindest beweisen weltweite Sterbe-Statistiken.

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