Das Gebiet von Heraeus Quarzglas bis zum Gelände der ehemaligen Rütgers-Werke unterhalb der B43a soll zu einem Gewerbepark werden. Archivfoto: B. Neumann

Hanau

Auf diesem riesigen Areal soll ein Gewerbegebiet entstehen

Hanau. Seit dem Abzug der US-Amerikaner im Jahr 2008 sind in Hanau etliche neue Wohngebiete entstanden. Kaserne um Kaserne wurde umgewandelt, das letzte große Projekt dieser Art läuft gerade auf der Pioneer-Kaserne in Wolfgang. Jetzt nimmt die Stadt Hanau auch das Gewerbe in den Blick und plant ein riesiges Areal.

Von Christian Dauber

Eine Machbarkeitsstudie soll aufzeigen, wie die rund 30 Hektar große Fläche künftig genutzt werden kann. Das Planungsgebiet erstreckt sich von Heraeus Quarzglas über das Bahnhofsumfeld, den Sitz der städtischen Betriebe an der Daimlerstraße bis hin zum ehemaligen Rütgers-Holzwerk neben der Bundesstraße 43a. „Ein Filetstück“, erklärt Martin Bieberle im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Stadtentwickler ist gleichermaßen Geschäftsführer der städtischen Bauprojekt Hanau GmbH, die bei dem Projekt federführend ist.

Entstehung eines Gewerbeparks

Kern der Planungen ist wie berichtet die Schaffung eines Gewerbeparks. Seit Monaten führt die Stadt dazu mit Heraeus Gespräche. „Wir hoffen, bald einen gemeinsamen Beschluss fassen zu können“, sagt Bieberle. Das Hanauer Traditionsunternehmen wird perspektivisch das Quarzglas-Areal räumen, da die Aktivitäten des Geschäftsbereichs in Kleinostheim zusammengezogen werden sollen. Gegenüber unserer Zeitung hatte Sprecherin Katharina Koch bereits vor einiger Zeit erklärt, dies sei für das Jahr 2020 geplant. 200 Arbeitsplätze würden dann von Hanau nach Kleinostheim verlagert. „Über die weitere Verwendung des Areals in Hanau gibt es mit der Stadt Hanau gemeinsame Überlegungen“, bestätigte Koch damals.

Ursprünglich war eine mögliche Ansiedlung des Paul-Ehrlich-Instituts auf dem Gelände der städtischen Betriebe an der Daimlerstraße Bestandteil der Planungen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sucht derzeit nach einem neuen Standort für das renommierte Bundesinstitut. Doch Hanau ist aus dem Rennen, im Laufe des Verfahrens bekam die Brüder-Grimm-Stadt eine Absage (wir berichteten). Dennoch ist ein möglicher Umzug von HSB und Bauhof auf das Gelände der Underwood-Kaserne Teil der Machbarkeitsstudie. Dort könnte auch der neue Wertstoffhof errichtet werden, der bisher für die Daimlerstraße vorgesehen war. Bis klar ist, ob die städtischen Betriebe umziehen, ist das Projekt allerdings zurückgestellt.

Ansiedeln verschiedener Firmen möglich

Welche Firmen sich konkret auf dem riesigen Areal ansiedeln könnten, darüber will Bieberle zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskünfte erteilen. Ein Industriepark wie ihn Evonik in Wolfgang betreibt, sei allerdings eine Idee. Am Rand des Planungsgebiets – in Richtung der Rütgers-Holzwerke, die im Sommer 2017 geschlossen wurden – seien „robustere“ Nutzungen vorstellbar, in Richtung Innenstadt und Hauptbahnhof eher Büros und Dienstleistungen. „Die Nutzung dort muss mit der Wohnbebauung zusammenpassen“, so Bieberle. Um den Gewerbepark entwickeln zu können, muss die Stadt das Areal erst einmal komplett besitzen. Dutzende Grundstückskäufe sind notwendig. Derzeit liefen Vorgespräche mit Eigentümern, erläuterte der Stadtentwickler.Direkt am Hauptbahnhof gibt es wiederum mehrere Aspekte, die laut Bieberle nicht mehr isoliert, sondern in einer Gesamtplanung berücksichtigt werden sollen. Zum einen soll das Umfeld des Bahnhofs aufgewertet werden. Dazu hatten die Stadtverordneten bereits im März 2017 einen Rahmenplan beschlossen. Teil dieser Überlegungen waren der Bau eines Hotels samt Parkhaus auf der Westseite, der Bau eines weiteren Parkhauses, der Abriss eines leer stehenden Gebäudes auf der Ostseite, wo eine Ladenzeile entstehen soll, sowie ein neuer Busbahnhof, der sich an den Haltestellen des Freiheitsplatzes orientieren soll.

An diesen Plänen halte die Stadt fest, erklärt Bieberle. Auch der Dieburger Investor Kolb + Partner sei weiterhin im Boot. Dieser will ein Hotel der Kette BundB-Hotels mit rund 80 Zimmern am Hauptbahnhof errichten. Erst vor Kurzem habe wieder ein Treffen mit dem Investor stattgefunden.Ebenso Teil des Gesamtpakets sind die Planungen, das Gebäude gegenüber der Agentur für Arbeit umzubauen. Das wiederum ist Bestandteil einer Absichtserklärung, die Stadt Hanau und Arbeitsagentur unterzeichnet haben. Diese dokumentiert wie berichtet die gemeinsame Absicht, bei der Betreuung von Langzeitarbeitslosen zu kooperieren, sollte Hanau seinen Plan zur Kreisfreiheit 2021 umsetzen können.Laut Bieberle ist die Wunschvorstellung der Stadt, Ende 2019 in die konkrete Bauleitplanung für das Gesamtprojekt einsteigen zu können. Bis alles umgesetzt sei, könnten zehn Jahre vergehen. Mit der Umgestaltung des Bahnhofsumfelds rechne er jedoch viel früher.

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