Großer Zuspruch für die Kundgebung: Auf rund 500 schätzten die DGB-Verantwortlichen die Zahl der Teilnehmer auf dem Marktplatz. Foto: Rainer Habermann

Hanau

DGB-Maikundgebung auf dem Marktplatz mit 500 Teilnehmern

Hanau. „Das war eine der bestbesuchten Maikundgebungen aller Zeiten in Hanau“, kommentierte der Main-Kinzig-Kreisvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Klaus Ditzel, die Resonanz auf die Versammlung zum „Tag der Arbeit“ auf dem Hanauer Marktplatz. Sie stand unter dem Motto: „Europa – Jetzt aber richtig!“

Von Rainer Habermann

Am Hauptbahnhof war der Demonstrationszug morgens gestartet; dies weil man befürchtet hatte, dass die NPD den 1. Mai in der Brüder-Grimm-Stadt wieder für ihre Zwecke instrumentalisieren wolle. Kein Neonazi ließ sich jedoch blicken. Auch die Kundgebung selbst, die dann in ein großes Friedensfest mündete, das erstmals nicht vor dem Olof-Palme-Haus wie all die Jahre zuvor, sondern ebenfalls auf dem Marktplatz ausgerichtet wurde, verlief ohne Störungen.

Die Polizei, die sowohl den Demonstrationszug als auch die Kundgebung begleitete, zählte anfangs knapp 150 Teilnehmer. Ihre Zahl stieg allerdings gewaltig durch Beschäftigte des Goodyear-Dunlop-Werks, die sich dem Zug anschlossen und auf dem zentralen Kundgebungsplatz mitfeierten. Mit einem Stopp vor dem Werkstor der Dunlop zeigte sich der DGB und die weiteren Demonstrationsteilnehmer wie Pax Christi, der VVN/Bund der Antifaschisten, die Didf (Föderation demokratischer Arbeitervereine), die Partei Die Linke und weitere Organisationen, solidarisch mit den 610 Kollegen, die dort von einem geplanten Stellenabbau betroffen sind.

Sandro Witt ist Hauptredner

Es dürften am Ende rund 500 Menschen gewesen sein, die insgesamt den Marktplatz bevölkerten, wie Ditzel konstatierte.

Hauptredner bei der Kundgebung war der stellvertretende Bezirksvorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Sandro Witt. Der 1981 in Pirna geborene Thüringer hielt nach eigenen Worten seine „Jungfernrede“ als DGB-Funktionär in Hanau und machte als erstes deutlich, welche Farbe dem 1. Mai zuzuordnen sei: „Rot ist der Mai, nicht blau oder braun.“ Blau deshalb, weil sich auch die AfD anmaße, den „Tag der Arbeit“ für sich zu reklamieren.

Rente ab 63 gefordert

Und deren thüringischer Landesvorsitzender Björn Höcke „das Schlechteste von FDP und NPD in einer Partei vereine“. Auch den Chef der Freien Demokraten, Christian Lindner, ließ Witt nicht ungeschoren und strafte dessen „Profi“-Aussage zur Klimaforschung und der „Fridays for Future“-Schülerbewegung ab. „Profis haben 40 Jahre und mehr rumgesessen und nichts getan gegen den Klimawandel. Die Schüler sollen Lindner ruhig mal den Marsch blasen“, meinte der DGB-Vize.

Ansonsten kritisierte Witt die schwarz-grüne hessische Landesregierung, die zu wenig in Sachen Tariftreue tue. „Billigheimer und Betrüger“ würden wiederum von den Behörden zu wenig hinsichtlich der Einhaltung des Mindestlohns kontrolliert. Man sollte „Dritt-Porschefahrer schärfer besteuern und nicht die Bezieher kleiner Einkommen“. Und wiederum die Neoliberalen kritisierte Witt für ihre Überlegungen, eine Verrentung erst ab 70 Jahren zuzulassen. „Im Gegenteil: eine Rente ab 63 Jahren fordern wir“, rief er unter großem Beifall der Zuhörer.

Für friedliches Europa

Vor Witt hatte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) in einer Grußrede an die Kundgebung ein „deutliches Signal an die NPD“ gesandt. „Ihr habt in Hanau nichts zu suchen“, stellte Kaminsky klar. Er verglich den 19. März 1945 – die Hanauer Bombennacht des Zweiten Weltkriegs – mit dem 30. Januar 1933 (Ernennung Hitlers zum Reichskanzler) und kritisierte eine gewisse „Geschichtsvergessenheit“ gerade vor den Europawahlen. „Ein friedliches Europa ist am Ende des Tages die beste Lösung für alle Menschen“, sagte der OB. Und brachte auch seine Solidarität mit den Dunlop-Beschäftigten zum Ausdruck, „und zwar allen, nicht nur den Hanauern.“

Neben Rednern von Didf, der Gruppe „Lampedusa in Hanau“, den Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft sowie Bergbau, Chemie und Energie und weiteren Gruppen begleitete Liedermacher Robert Pfaff mit Arbeiterliedern die Kundgebung. Anschließend spielten Bands wie „Microfone Mafia“ und „Ohne Fronten Crew“ beim Friedensfest.

Das könnte Sie auch interessieren