Rauchsäulen markieren die Treffer nach den Bombenabwürfen auf den Süden der Stadt (links). Die Formation 458 beim Anflug auf den Fliegerhorst in Langendiebach. Archivfotos: Jens Arndt

Hanau

12. Dezember 1944: Vor 75 Jahren wurde Hanau schwer bombardiert

Hanau. Mit dem kürzlich begangenen Volkstrauertag, bei dem der Opfer von Kriegen und Gewalt gedacht wurde, richtete sich der Blick nicht nur auf die 75. Wiederkehr des Kriegsendes, die nächstes Jahr gefeiert wird. Auch die Zerstörung Hanaus, die am 12. Dezember einen ersten Höhepunkt erreichte, jährt sich heute zum 75. Mal.

Von Jutta Degen-Peters

Dieses düsterste Kapitel in der Stadtgeschichte soll mit einer umfangreichen Zahl an Veranstaltungen ins kollektive Gedächtnis gerufen werden.

Innenstadt blieb noch verschont

Schon der 11. und 12. Dezember 1944 hinterließen schwere Bombenschäden in Hanau, besonders an den Industrieanlagen und dem Bahn-Knotenpunkt. Mit der Aufarbeitung der Geschichte von Krieg und Zerstörung in und um Hanau beschäftigt sich seit vielen Jahrzehnten der Militärhistoriker Jens Arndt. Er lenkt die Aufmerksamkeit in diesen Tagen auf die Vorboten des Hauptangriffs vom 19. März 1945.

In den Dezembertagen 1944, am 7. und 8. sowie besonders am 11. und 12. (und auch am 13.) Dezember, war Hanau Ziel alliierter Luftangriffe. Damals war die Innenstadt weniger stark betroffen. Doch im Südosten Hanaus, und das belegen zahlreiche Aufnahmen, die Arndt aus US-Archiven zur Verfügung gestellt bekam, entstanden schwere Schäden.

Bahnhof und Industrie die Hauptziele

Der Hauptbahnhof als Bahnknotenpunkt mit den Gleisanlagen wurde von den Bomben getroffen, Dunlop. Heraeus und die Quarzlampengesellschaft wurden ebenfalls stark zerstört. Das städtische Gaswerk fiel ebenso den Bomben zum Opfer und stellte seine Produktion ein. Nach den Worten Arndts wurde der schwere Angriff vom 11. Dezember am 12. Dezember noch einmal wiederholt.

„Das Primärziel der US-Amerikaner, die auf Sicht und tagsüber flogen, war der Hauptbahnhof mit den riesigen Gleisanlagen“, rekapituliert er. Aus diesem Grunde blieb die Innenstadt dabei auch weitgehend verschont. „Man konzentrierte sich darauf, den Nerv zu treffen, also strategisch wichtige Ziele. Das war bei den englischen Angriffen anders, die nachts geflogen wurden.“

Straßenbahn wurde zerstört und fuhr nie wieder

Zu den Angriffen hat Arndt eine Fülle von Material aus den unterschiedlichsten Quellen und Archiven gesammelt. Daraus geht hervor, dass die Gebäude und die Menschen im Herzen der Stadt im Vergleich zum großen Angriff des 19. März 1945 zwar zunächst nicht so schwer betroffen waren. Doch hatte der Angriff vom 12. Dezember 1944 laut Arndt auch in der Innenstadt gravierende Auswirkungen: Die Straßenbahn durch Hanau wurde eingestellt, weil die Oberleitungen zerrissen waren und der Trümmerschutt die Trassen blockierte.

Damit war das Ende der Hanauer Straßenbahn besiegelt. Beim Luftangriff vom 6. Januar 1945 wurden dann das Depot, die meisten Fahrzeuge und das Verwaltungsgebäude zerstört. Die HSB betreibt seitdem nur noch ein Omnibusnetz.

45 Tote, darunter auch Zwangsarbeiter

Dem Buch „Die Nacht, als Hanau unterging“ von Richard Schaffer-Hartmann ist zu entnehmen, dass bei den Angriffen Mitte Dezember auch die katholische St. Josefs-Kirche, die evangelische Christuskirche und die dortigen Wohngebiete getroffen wurden. Bombenschäden, so heißt es dort, seien auch in der Innenstadt, im Westen, in Kesselstadt und in Großauheim entstanden. Vermutlich habe es dabei 45 Tote geben, darunter auch russische Zwangsarbeiter aus dem Lager „An der schönen Aussicht“.

Der „finale Schlag“ gegen die Stadt sollte laut Jens Arndt jedoch am 6. Januar erfolgen. Weil an diesem Tag dieSicht für die Bomberpiloten schlecht war, gab es zwar schwere Zerstörungen in der Altstadt. Zur fast völligen Zerstörung der überwiegend aus Fachwerk bestehenden Altbau-Substanz jedoch kam es dann am 19. März.

Dokumentationszentrum setzt auf Zeitzeugen

Wenn nächstes Jahr der 75. Jahrestag dieses denkwürdigen Datums begangen wird, dann kann dies noch unter Beteiligung von Zeitzeugen geschehen. Das Dokumentationszentrum zur Hanauer Militärgeschichte, das in die frühere Verwaltungsstelle in Hanau-Wolfgang einziehen soll, befasst sich intensiv mit der Art und Weise, wie man den Jahrestag würdigen will. Im Frühjahr soll das Zentrum eröffnen, dem Förderverein gehört auch Jens Arndt an.

Für ihn, der vergangenes Jahr für sein Engagement in Sachen Heimatgeschichte mit der Bürgerplakette ausgezeichnet wurde, sind solche Gedenktage wichtig. Man könne die Gegenwart nur verstehen, wenn man die Vergangenheit kenne, besonders die der Heimatregion, sagt er. „Ich sehe die Verantwortung der Wissenden, den weniger Wissenden und nachfolgenden Generationen die Geschichte immer wieder nahezubringen. Ohne Beschönigungen. Das muss eine stete Mahnung sein.“

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