Computerhirne statt Soldatenhelme: Auf dem Gelände der ehemaligen Großauheim-Kaserne soll laut Investor P3 Logistic Parks GmbH Deutschlands größtes Rechenzentrum entstehen. Archivfoto: bbn

Hanau

Daten Center Campus soll bundesweit größtes Rechenzentrum werden

Großauheim. Die Großauheimer Kaserne dümpelt im Dornröschenschlaf vor sich hin. Doch recht bald könnte der Prinz angeritten kommen und sie wachküssen. Der Prinz: Das ist im Falle des rund 250 Hektar großen Kasernengeländes die P3 Logistic Parks GmbH aus Frankfurt, und sie reitet auf dem Wind der Moderne daher.

Von Rainer Habermann

Sie will hier ein gigantisches Rechenzentrum errichten, nach dem Worten ihres Geschäftsführers Sönke Kewitz „das größte Deutschlands“.

Im Hinblick auf das größte Backbone des Internets in Frankfurt ein buchstäblich naheliegender Plan, den Kewitz zusammen mit dem Projektingenieur Semir Selcukoglu am Mittwochabend jetzt erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorstellte: in der gemeinsamen Sitzung des Struktur- und Umweltausschusses der Stadt Hanau und den Ortsbeiräten Wolfgang/Großauheim, Innenstadt und Steinheim.

Hoher Stromverbrauch erwartet

150 Arbeitsplätze sollen hier geschaffen werden, verbunden mit 300 Pkw-Stellplätzen: jeweils zur Hälfte für interne, sowie externe Bedienstete und Kunden. Gigantisch wird vor allem auch der Energiehunger des rund 190 Meter langen, rund 60 Meter breiten und knapp 20 Meter hohen, fünfgliedrigen Gebäudes für die Abertausende von Computern, die darin werkeln sollen: 180 Megawatt.

Damit schluckt das Rechenzentrum (theoretisch) alleine rund ein Drittel der Gesamtkapazität des letzten am Netz verbliebenen Blocks des Kraftwerks Staudinger – um ein Bild von den Größenordnungen zu bekommen, die hier geplant sind.

Notstromgeneratoren schützen vor einem Stromausfall

Noch klarer wird das Bild, wenn man den heutigen, jährlichen Gesamt-Strombedarf der Brüder-Grimm-Stadt heranzieht: er wird sich nahezu verdoppeln, ist der Daten Center Campus erst voll ausgebaut. Nach Aussage von Kewitz, auf Fragen der Ausschussmitglieder hin, soll der Strom lokal eingekauft werden, entsprechende Gespräche mit der Hanau Netz GmbH und den Stadtwerken hätten bereits stattgefunden.

Einem Stromausfall, tödlich für ein Rechenzentrum, soll mit Diesel-Notstromgeneratoren vorgebeugt werden, die in 24 Containern von jeweils 15 Metern Länge und rund 2,5 Metern Breite vor der Gebäudelängsseite geplant sind. Deren Abgasschornsteine werden, gebündelt in sechs Kaminen, eine Höhe von rund 31 Metern erreichen.

Wasserverbrauch für Kühlung steht noch nicht fest

Noch etwas verdient den Begriff gigantisch: der Kühlungsbedarf, denn nichts ist für einen Computer tödlicher als Überhitzung. Hier sehen die Pläne der P3 GmbH allerdings Erstaunliches vor, denn die Server sollen nicht etwa mit klassischen Klimageräten betrieben werden, die ebenfalls einen Heißhunger auf Strom haben, sondern mittels „direkter Luftkühlung“.

Dabei wird Außenluft angesaugt und den Datenhallen zugeführt. Ist die Außentemperatur zu hoch, was in den mittlerweile immer heißeren und trockeneren Sommermonaten der Fall sein dürfte, dann wird diese Außenluft nach dem physikalischen Prinzip der Verdampfungskühlung mit Wasser auf zulässige Temperaturen heruntergebracht. Das soll wesentlich energieeffizienter sein als herkömmliche Kühlung, „bei vergleichsweise geringem Wasserverbrauch“. Wie hoch der sein wird: Das steht allerdings noch nicht fest. Und das kühle Nass muss auf jeden Fall Trinkwasserqualität haben, wie Selcukoglu erläuterte.

Ersatzhabitate müssen geschaffen werden

Wie auch immer: Die Frankfurter Planungsfirma muss entsprechend dem Bebauungsplan für das ehemalige Kasernengelände die Gebäude komplett zurückbauen lassen und auch für die rund 3000 Quadratmeter an Sandmagerrasen Ersatz und Ausgleich schaffen. Im Rahmen des Natur- und Artenschutzgutachtens haben Bestandsaufnahmen stattgefunden, die Probleme sind hier ähnlich wie in vielen anderen Neubaugebieten auch.

Das Fazit: Ersatzhabitate beispielsweise für Zauneidechsen müssen geschaffen werden, etliche Bäume sind erhaltenswürdig und müssen stehen bleiben, künstliche Nistplätze für Vögel und Sommerquartierkästen für Fledermäuse geschaffen werden. Alles kein Problem, sagen Kewitz und Selcukoglu.

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