Messerscharfe Tatwaffe: Mit der Klinge eines Cuttermessers soll ein 44-Jähriger im August 2018 seinen Kontrahenten auf dem Rochusplatz schwer verletzt haben. Symbolfoto: Pixabay

Hanau

Mit Cutterklinge zugestochen: brutaler Angriff oder Verteidigung?

Hanau. Amtsrichterin Laura Rüter will exakt wissen: „Wo genau haben Sie gestanden, wo haben Sie ihr Fahrrad abgestellt?“, fragt sie und zeigt auf die Polizeifotos, die am späten Abend des 12. August vergangenen Jahres angefertigt wurden. Die Bilder zeigen den Rochusplatz – mitten darauf eine große Blutlache.

Von Thorsten Becker

Was sich aus Sicht der Anklage dort abgespielt hat, fasst Oberstaatsanwalt Dominik Mies zusammen, der dem 44-jährigen Automechaniker aus Rumänien vorwirft, mit einer Cutterklinge auf einen Landsmann eingestochen und diesen schwer verletzt zu haben. Und zwar absichtlich, rund eine Stunde nach einem handfesten Streit.

„Dabei ist eine Arterie im rechten Oberarm komplett durchtrennt worden, der Stich war elf Zentimeter lang und vier Zentimeter tief“, so Mies. „Nur durch die sofortige Erste Hilfe ist nichts Schlimmeres passiert“, so der Ankläger, der darin eine gefährliche Körperverletzung sieht.

Der 44-Jährige, der von Rechtsanwalt Matthias Reuter verteidigt wird, streitet gar nicht ab, diesen Stich mit der Klinge geführt zu haben. Es tue ihm leid, seinen Kontrahenten derart verletzt zu haben. „Er hat bereits zuvor umfangreich ausgesagt und wird das auch hier wieder tun“, so Strafverteidiger Reuter. Und das tut sein Mandant auch. Nur hört sich seine Version ganz anders an.

Viel beschäftigter "Schrauber"

Als „Schrauber“ sei er in ‧Erlensee und Großauheim viel beschäftigt und gehe meist Abends in die Bar am Rochusplatz. So auch an diesem hochsommerlichen Augustabend. Doch unvermittelt kommt es zum Streit mit einem bereits deutlich alkoholisierten Landsmann.

„Er hat mir mit der Faust auf das Auge geschlagen“, sagt der Angeklagte. Doch zu einer Prügelei kommt es nicht, beide Männer werden von einander getrennt, der 44-Jährige trollt sich auf seinem Fahrrad – und trägt ein „Veilchen“ davon. Wenig später kommt er zurück auf den Rochusplatz und hofft, dass sein Kontrahent inzwischen verschwunden ist. Doch das ist er nicht. „Als er mich sah, ist er mit einem Teleskopschlagstock auf mich zugegangen.“

Nach einem Schlag auf den Kopf habe er in sein Portemonnaie gegriffen, in dem er stets eine Cutterklinge aufbewahre. Als sein Kontrahent erneut zuschlagen wollte, habe er die Klinge zur Abwehr gegen den rechten Arm des Angreifers geführt. Soweit diese Version des Angeklagten. Der Prozess wird am Dienstag, 23. Juli, um 9 Uhr fortgesetzt

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