Weil die Besuchsmöglichkeiten eingeschränkt sind, ermöglichen Altenheime, wie hier die Martin-Luther-Stiftung, Kontakte zur Angehörigen via Tablet und Videotelefonie.
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Weil die Besuchsmöglichkeiten eingeschränkt sind, ermöglichen Altenheime, wie hier die Martin-Luther-Stiftung, Kontakte zur Angehörigen via Tablet und Videotelefonie.

Schnelltests für Bewohner und Mitarbeiter

Corona-Einschränkungen in Altersheimen: „Das ist sehr belastend“

  • vonHolger Hackendahl
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  • Christian Spindler
    Christian Spindler
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Seit Beginn der Corona-Pandemie stehen die Seniorenheime im besonderen Fokus. Beim ersten Lockdown wurden die Kontakte der Bewohner zu ihren Familien praktisch komplett gekappt. Auch jetzt gelten erhebliche Besuchseinschränkungen.

Hanau - „Die Einschränkungen sind für unsere Bewohner und auch für ihre Angehörigen sehr belastend“, sagt Manfred Maas. Geschäftsführer der Mainterrasse GmbH, die in Steinheim ein Alten- und Pflegezentrum mit vier Häusern betreibt. Rund 100 Senioren werden dort betreut.

Vor allem während der ersten Corona-Welle gab es viele Meldungen von Covid-19-Ausbrüchen in Seniorenheimen. Über die Hälfte der an Covid-19 gestorbenen Menschen habe in Pflegeheimen gelebt, meldete die Deutsche Stiftung Patientenschutz, die eine „effiziente Teststrategie“ anmahnt.

Einrichtungen verfügen über ausreichend Schutzausrüstung

Was hat sich seit Frühjahr geändert? Wie ist die aktuelle Situation mit Schnelltests in Altenheimen? So umfassend wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zunächst angekündigt, ist die Teststrategie offenbar noch nicht. Immerhin stehen in den Einrichtungen aber mittlerweile ausreichend Schutzausrüstungen zur Verfügung.

Im Frühjahr gab es da einen akuten Mangel. „Wir haben rechtzeitig vorgesorgt und die Lager aufgestockt“, sagt Britta Hoffmann-Mumme, Sprecherin der Vereinten Martin Luther + Althanauer Hospital Stiftung Hanau (VMLS). Die Stiftung betreibt an vier Standorten im Main-Kinzig-Kreis und zwei im Kreis Fulda elf Einrichtungen, sechs davon allein in Hanau, darunter die Martin-Luther-Anlage oder das Haus am Brunnen in Großauheim. Rund 480 Menschen werden in VMLS-Pflegeheimen in Hanau betreut.

Besuchsverbot und Quarantäne bei positiven Corona-Tests

Bei allen pflegerischen Tätigkeiten direkt am Bewohner, etwa der Körperpflege oder der Essensausgabe, tragen die Mitarbeiter FFP2-Masken. Zuletzt wurden gleichwohl auch Corona-Fälle aus Seniorenheimen in Hanau bekannt. Aktuell etwa im Altenhilfezentrum Bernhard Eberhard, wo 16 Bewohner und vier Mitarbeiter positiv getestet wurden.

Wenn Covid-19-Fälle auftreten, wird „der betreffende Wohnbereich unter Quarantäne gestellt und es gibt ein 14-tägiges Besuchsverbot“, erläutert Manfred Maas. Darüber entscheidet das Gesundheitsamt. Für das Altenpflegezentrum Bernhard Eberhard wurde ein komplettes Besuchsverbot bis 7. Dezember erlassen.

In solchen Fällen werden die Stunden der sozialen Betreuung mit Vorlesen oder Bewegungsspielen hochgefahren, sagt Britta Hoffmann-Mumme. Zudem gebe es virtuelle Angebote, sodass eine Kontaktaufnahme mit Angehörigen etwa via Skype erfolgen könne – „für viele Senioren ein echtes Erlebnis“.

Pflegeeinrichtungen bieten Online-Angebote an

Auch die Alten- und Pflegezentren des Kreises (APZ) haben im Rahmen ihres seit März laufenden Projekts „Gemeinschaft trotz(t) Distanz“ eine Reihe von Angeboten geschaffen, um einer Isolation in Pandemie-Zeiten vorzubeugen, dazu gehört ebenfalls Video-Telefonie. Die APZ Main-Kinzig betreiben zwölf Einrichtungen, dazu zählen in Hanau das Wohnstift an der Lortzingstraße mit 255 Plätzen und das Stadtteilzentrum Kinzig (89 Plätze).

Spontanbesuche bei Eltern oder Großeltern, die in Pflegeheimen leben, sind derzeit nicht möglich. Je nach Einrichtung und aktueller Lage können spezifische Regelungen gelten, heißt es von der Pressestelle des Main-Kinzig-Kreises.

Schnelltests noch nicht in ausreichender Menge vorhanden

Die vielfach genannten Schnelltests, die die Situation der Risikogruppen in Alten- und Pflegeheimen verbessern sollen, sind noch nicht so verbreitet, wie das vor wenigen Wochen vom Gesundheitsminister suggeriert wurde. Erst recht nicht für Besucher. Laut Britta Hoffmann-Mumme mussten die VMLS-Einrichtungen, wie alle anderen auch, Testkonzepte bei den Gesundheitsbehörden einreichen. Bis auf eines seien alle genehmigt.

Die VMLS habe sich für die Beschaffung der Tests einer Sammelbestellung der Diakonie Hessen angeschlossen. Für ein VMLS-Heim in Gelnhausen wurden die Schnelltests bereits geliefert, für die Einrichtungen der Stiftung in Hanau sollen sie in Kürze eintreffen.

Pro Bewohner bis zu 20 Corona-Tests im Monat

Bei den Alten- und Pflegezentren des Kreises sind derzeit 5000 Schnelltests vorhanden, die auf die zwölf Altenheime verteilt wurden. „Um den Aufwand und den Effekt im Einklang zu halten, werden die Schnelltests zurzeit situationsabhängig, etwa bei besonders gefährdeten Personen oder Problemen bei der Abstandswahrung, eingesetzt“, erklärt der Kreis auf Anfrage. Es wird also nicht durchgehend getestet.

Alten- und Pflegeheime bekommen pro Bewohner bis zu 20 Tests im Monat, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Die Schnelltests können für Personal, Bewohner und Besucher eingesetzt werden. Die Senioren und Mitarbeiter hätten dabei Priorität, so die VMLS-Sprecherin. Im nächsten Schritt könnten gegebenenfalls auch Besucher getestet werden.

Die Mainterrasse bietet laut Maas in besonderen Fällen Antigen-Schnelltest für Besucher an – auf freiwilliger Basis. In rund 15 Minuten stehen bei den Schnelltests die Ergebnisse zur Verfügung.

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