Im Mai kommt Bülent Ceylan nach Hanau und wird in seinem neuen Programm „Lassmalache“ auch die ein oder andere kritische Sichtweise einbauen. Foto: PM/Gaudenz Danuser

Hanau

Comedian Bülent Ceylan zeigt im Interview seine ernsthafte Seite

Hanau. Lange Haare und Heavy Metal – wer kennt nicht den Comedian deutsch-türkischer Herkunft, der ganze Hallen mit seinen Programmen füllt. Seit nunmehr 20 Jahren beschäftigt sich der Mannheimer Bülent Ceylan mit den Marotten der Bewohner seiner Heimatstadt Mannheim und der Deutschtürken.

Von Patricia Reich

Dabei schlüpft Ceylan in die Rollen von Anneliese, Harald, Mompfreed und Hasan und nimmt die Vorurteile im Umgang mit verschiedenen Kulturen aufs Korn. Der vielfach ausgezeichnete Comedian weiß vielleicht am besten, dass Lachen die beste Medizin ist, und hat sich in seinem neuen Programm „Lassmalache“ ganz dem Thema gewidmet. Im Interview erzählt er uns, welche Witze er als Vater von zwei Kindern nun doch lieber lässt und warum er sich in seinem neuen Programm als Künstler gefunden hat.

Sie haben noch drei ältere Geschwister. Wurden Sie von ihnen ein Stück weit auch in Bezug auf Ihre Comedy-Karriere geprägt, im Sinne von Abhärtung und Schlagfertigkeit?

„Naja, ich war das Nesthäkchen und wurde verwöhnt, aber ich lernte auch, mich durchzusetzen. Das war wichtig! Die Comedyader hab ich eher von meinem Vater geerbt.“

Haben Sie vor jeder Show feste Rituale?

„Ja, ich mache meine Rückenübungen, Autogrammstunden und kurz vor der Show ein Gebet. Ich glaube an Gott, aber gehöre keiner Religion an!“

Und wie ist es an den Tagen, an ‧denen Sie so richtig mit dem falschen Fuß aufgestanden sind und trotzdem eine witzige Show liefern müssen? Haben Sie in solchen Situationen einen Trick, der Sie „in Stimmung“ bringt?

„Ich habe meinem Publikum alles zu verdanken. Ich gebe immer Gas – das ist wichtig! Und ich habe dann auch immer Spaß. Ich schalte ab und lass den Stress höchstens beim Mompfreed raus.“

Gerne bauen Sie auch mal musikalische Parts in die Shows ein, welche zum Teil auf CD veröffentlicht wurden. Kundenrezensionen feiern Sie als guten Sänger und Songtexter. Würden Sie sich selber auch, neben Komiker und Schauspieler, als Sänger bezeichnen?

„Naja, bei ’Voice of Germany‘ würde ich mich nicht bewerben. Bei ’DSDS‘ schon.“ (lacht)

Sind Auftritte zum Beispiel auf dem Wacken Open Air persönliche Highlights für Sie als Metal-Fan?

„Absolut! Ich war der erste Komiker 2011 auf der Hauptbühne in Wacken! 80 000 Zuschauer – das war ein Ritterschlag! Und dann habe ich auch noch Ozzy Osbourne Backstage getroffen!“

Über Ihr neues Programm „Lassmalache“ haben Sie in einem Interview gesagt, es sei mehr Bülent denn je und Sie hätten sich nun als Künstler gefunden. Können Sie das genauer ausführen?

„Ich bin etwas politischer und gesellschaftskritischer geworden. Habe hier und da mal eine Message, aber bin trotzdem noch der Entertainer, den die Zuschauer kennen.“

Wie Sie selbst sagen, schneiden Sie in „Lassmalache“ auch politische Themen an und nehmen unter anderem Politiker wie Erdogan aufs Korn. Sind die Anfeindungen und die kritischen Stimmen Ihnen gegenüber seitdem mehr geworden?

„Ich hab ja Ali als meinen Tourbetreuer und der ist Libanese! Der beschützt mich.“

Maxi Gstettenbauer sagte einmal in einem Interview mit unserer Zeitung, dass Comedy vor allem harte Arbeit sei, die vom Publikum kaum wahrgenommen werden würde. Sind Sie auch der Ansicht, dass der Beruf des Comedians vom Arbeitspensum her unterschätzt wird?

„Auf jeden Fall! Aber auf der Bühne muss alles locker rüberkommen, sodass der Zuschauer das Gefühl hat: Der babbelt ja nur Blödsinn, das kann ich auch! Aber so einfach ist es nicht!“

Machen Sie sich als Vater Gedanken darüber, was Ihre Kinder sagen und denken werden, wenn diese irgendwann Aufnahmen von Ihren Shows sehen? Und gibt es Gags, die Sie heute als Vater doch lieber lassen?

„Oh ja! Über sexuelle Themen mach ich mir jetzt als Vater mehr Gedanken! Gewisse Sachen möchte ich nicht mehr machen oder sagen.“

Gibt es Dinge, die Sie so gar nicht mögen von Seiten der Fans – ob im Alltag oder während Ihrer Shows?

„Ich liebe meine Fans und ohne sie wäre ich nicht da, wo ich bin. Ich bin sehr offen und wenn mir etwas zu intim ist, dann sag ich es auch in höflicher Art und Weise.“

Und eine letzte Frage zum Abschluss: Können Sie als Mannheimer dem hessischen Dialekt etwas abgewinnen?

„Nein! . . . Spaß, ich liebe alle Dialekte! Das macht einen authentisch und Hessisch ist die Schwester vom Kurpfälzischen.“

Bülent Ceylan ist am Samstag, 11. Mai 2019, mit seinem Programm „Lassmalache“ zu Gast in der August-Schärttner-Halle, Martin-Luther-King-Straße 27. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr. Tickets zum Preis von 38,90 Euro gibt es unter anderem im Hanau Laden, Am Freiheitsplatz  3, Ticket-Hotline: 0 61 81/25 85 55.

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