Norbert Erlach (links) machte sich mit seinem Chef von der Firma Meiser Home of Living auf den Weg zu Chris de Burgh, um ihm einen Esstisch aus Hanau zu liefern. Dafür nahmen sie eine Strecke von 2000 Kilometern mit Auto und Fähre in Kauf. Foto: Privat

Hanau/Dublin

Chris de Burghs Esstisch kommt aus Hanau

Hanau/Dublin. Als sich am Telefon des Hanauer Möbelhauses Meiser Home of Living ein englischsprachiger Kunde mit dem Namen Chris de Burgh meldete, hielt man es zunächst für einen Telefonstreich.

Von Jasmin Jakob

„Wir dachten eine so bekannte Persönlichkeit – Chris de Burgh ist ja ein Weltstar – würde nie selbst anrufen, um etwas zu bestellen, der hat bestimmt seine Angestellten dafür“, sagt der Geschäftsführer Reinhold Meiser im Gespräch mit unserer Zeitung. „Zudem hatten wir schon mal negative Erfahrungen mit einer ungedeckten Überweisung bei einer Lieferung nach London, dass wir da vorsichtiger geworden sind.“

Hätte Chris de Burgh, der tatsächlich selbst am Telefon war, nicht einen guten Kunden des Möbelhauses erwähnt, bei dem er zu Gast war und dessen Esszimmertisch ihm so gut gefallen hat, dann hätte man ihn vermutlich mehr oder weniger freundlich abgewiesen.

Chris de Burgh war letztes Jahr – da er die Musik für das Musical „Robin Hood“ geschrieben hatte, das nächstes Jahr beim Fuldaer Musicalsommer aufgeführt wird – in Fulda. Dort feierte er auch seinen 70. Geburtstag bei seinem Bekannten, dem besagten Kunden des Möbelhauses. Dessen Esstisch aus massivem europäischen Nussbaum mit geölter Oberfläche eignet sich besonders gut, um viele Gäste zu empfangen. Denn die Tischplatte lässt sich ohne Stützfüße mit zwei integrierten Klappeinlagen auf die Länge von 3,6 Metern erweitern.

Medizinischer Notfall setzte der Reise des Geschäftsführers ein Ende

„Der Tisch gefiel Chris de Burgh so außerordentlich gut, dass er sogar die nicht unerheblichen Transportkosten von Hanau bis zu seiner neusarnierten Villa in Dublin in Kauf genommen hat, um ein eigenes Exemplar zu erwerben,“ erzählt Meiser. Bei so einem besonderen Kunden wollte der Geschäftsführer den Tisch höchstpersönlich ausliefern. Mit seinem Mitarbeiter, dem Schreiner und Monteur Norbert Erlach, machte er sich auf eine kleine Weltreise. 2000 Kilometer pro Strecke sowie drei Fahrten mit der Fähre waren nötig, um den Tisch zu Chris de Burgh zu bringen.

Den Tisch packten sie, in Einzelteile zerlegt, in einen Caddy Maxi und wechselten sich bis Cherbourg in der französischen Normandie am Steuer ab. Dort stiegen sie in die Fähre nach Dublin. Dann der Schock: Bei der Überfahrt bekam Meiser starke Bauchschmerzen und musste wegen einem medizinischen Notfall mit dem Rettungshubschrauber in ein englisches Krankenhaus gebracht werden. Für ihn war die Reise dort zu Ende. Mittlerweile gehe es ihm nach eigener Aussage wieder gut, und er ist wieder zurück in Deutschland.

Er habe es jedoch sehr bedauert, dass er Chris de Burgh den Tisch nicht persönlich bringen konnte. „Für mich waren die Karten dann neu gemischt“, sagt Erlach, der die Reise und vor allem die Rückreise fortan alleine antreten musste. Bei der Villa in Dublin angekommen, kontaktierte er den Musiker, der dann mit dem Auto zur Baustelle kam.

„De Burgh empfing mich dann ganz entspannt am Holztor und hat natürlich zuerst nach meinem Chef gefragt. Dann hab' ich ihm alles erzählt, und er war total schockiert und sagte 'O my God'. Er versprach, bei seinem nächsten Besuch in Fulda, in unserem Möbelhaus in Steinau vorbeizukommen.“ Erlach war gar nicht nervös, als er dem Weltstar gegenüberstand: „Das war sehr interessant, weil man kennt ihn ja, aber er ist ein Mensch wie jeder andere. Es war sehr angenehm, mit ihm zu reden, und er hat mich herzlich empfangen.“

"Er hat sich riesig über den Tisch gefreut"

Da Erlach nun alleine angekommen war, fragte de Burgh gleich, ob er Hilfe beim Aufbau des Tisches brauche. Der Weltstar bat die Handwerker, die auf seiner Baustelle arbeiteten, darum, Erlach beim Ausladen und der ‧Montage zur Hand zu gehen. „Er hat sich riesig über den Tisch gefreut“, sagt Erlach. „Ich war dann insgesamt eine Stunde da und wir haben uns nett unterhalten.“ Zum Abschied machten sie noch ein Erinnerungsfoto, und Chris de Burgh umarmte den Monteur.

Per E-Mail richtete de Burgh dann gleich seine Genesungswünsche an Meiser aus. Erlach machte sich anschließend auf die Rückreise. Mit der Fähre von Dublin nach Liverpool. Dann mit dem Auto quer durch ganz England. „Der vierspurige Linksverkehr war schon eine Herausforderung, da hab' ich mir gewünscht, dass mein Chef noch dabei ist, um nicht alleine durch England fahren zu müssen.“ Von England setzte Erlach mit der Fähre nach Calais über und fuhr durch Belgien zurück nach Hanau.

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