Der komplette neue CDU-Vorstand mit seinem Vorsitzenden Joachim Stamm (Fünfter von links), dem die Mitglieder eine „Kuscheldecke“ überreicht hatten. Foto: Rainer Habermann

Hanau

CDU-Mitglieder bestätigen Vorstand des Stadtverbandes

Hanau. Joachim Stamm ist und bleibt der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Hanau. Bei der Jahresmitgliederversammlung der Christdemokraten am Dienstagabend in der Großauheimer Alten Schule erhielt der 61-jährige Augenoptiker, der nun in sein neuntes Jahr als Chef des Stadtverbands geht, 46 von 50 gültigen Stimmen.

Von Rainer Habermann

Das entspricht einer Quote von 92 Prozent. Ein eindrucksvoller Vertrauensbeweis, den die Mitglieder auch überwiegend dem gesamten Vorstand entgegenbrachten: mit den Stellvertretern Isabelle Hemsley, Monika Klosson und Franz Ott, Schatzmeister Dr. Peter Schäfer, Schriftführer Helge Messner, der Mitgliederbeauftragten Barbara Horch sowie acht Beisitzern.

Überwiegend, denn massive Kritik namentlich an der Fraktionsvorsitzenden Hemsley, aber auch an der politischen Ausrichtung der Hanauer CDU insgesamt, hagelte es vor den Wahlgängen ausgerechnet von einer Grande Dame der Christdemokraten: der früheren Hanauer Oberbürgermeisterin Margret Härtel.

Härtel vermisst Antworten auf aktuelle Fragen

So mancher im Saal der Alten Schule hielt den Atem an, als Härtel im Rahmen der Aussprache zu den Vorstandsberichten energisch ans Rednerpult schritt und eigentlich zunächst nur eine Frage stellte: „Sind wir für die Herausforderungen der Kommunalwahl und damit auch für die OB-Wahl im Frühjahr 2021 personell, strukturell und thematisch gut gerüstet, um wieder eine erfolgreiche CDU zu werden?“

Die 75-Jährige vermisse CDU-Antworten auf aktuelle Fragen der Stadtpolitik, wie etwa die Schließung des Museumscafés im Schloss Philippsruhe, die Diskussion um die Ausweisung der Langstraße als absolute Fußgängerzone, damit einer „Lähmung des Autoverkehrs in der gesamten Innenstadt und somit des Einzelhandels“, oder auch eine mangelnde Reaktion und Würdigung auf den Tod des früheren Intendanten und „eigentlichen Machers“ der Brüder-Grimm-Festspiele, Dieter Stegmann.

Fehlendes Gesicht für Konkurrent Kaminsky

Auf diese aktuellen Sachverhalte vermisse Härtel Reaktionen der CDU und sieht darin „Versäumnisse des vergangenen Jahres“, die sie unausgesprochen der CDU-Fraktionsvorsitzenden anlastete. Deren berufliche Neuorientierung und Beinverletzung kommentierte Härtel allerdings verständnisvoll.

Das grundlegende Problem der Hanauer CDU sieht die frühere Oberbürgermeisterin jedoch in einem „fehlenden Gesicht“, das dem SPD-Kontrahenten Claus Kaminsky bei den kommenden OB-Wahlen Paroli bieten könne. Und da sie von „vielen Menschen gefragt werde: 'Wo ist die CDU Hanau bei drängenden Fragen?'“, mahnte Härtel: „Wir können doch nicht wie das Kaninchen vor der Schlange abwarten, was der amtierende OB macht!“

„Wenn ihr wollt, stehe ich Gewehr bei Fuß.“

Es gelte jetzt, den Bürgern zu vermitteln, „dass wir Hanauer Lokalpatrioten sind. Wir sind patriotische Denker und nicht kleinkarierte nationalistische Quereler“, womit sie explizit die Rechtspopulisten der AfD meinte, von denen sich auch Stamm bereits in seiner Vorstandsrede klar distanziert hatte. Ebenso wie weitere Redner auf der Versammlung, unter ihnen die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert. „Kein Kuschelkurs, kein Händchenhalten, wir müssen die Muskeln stark machen und kämpfen, kämpfen, kämpfen“, rief die Oberbürgermeisterin a. D. der Versammlung zu.

Sie ergänzte auch noch: „Wenn ihr wollt, stehe ich Gewehr bei Fuß.“ Und meinte damit „nicht nur uns hier im Saal, sondern alle unsere Freunde da draußen“. Härtel will darunter nicht etwa eine Kandidatur als OB ihrerseits verstanden wissen, wie sie auf Rückfrage unserer Zeitung einen Tag nach der Versammlung betonte.

„Wir wollen zwei starke Partner auf Augenhöhe sein.“

Doch auch Hemsley hatte sich zuvor in einer sehr kämpferischen Rede bereits in Stellung gebracht. Ihrer Reaktion auf die Äußerungen Härtels – ein Handy knallte laut und deutlich auf den Tisch – hätte es eigentlich nicht bedurft, denn auch sie geißelte insbesondere die Infrastrukturpolitik, Mobilitätsplanung und Wirtschafts- sowie Sozialpolitik des regierenden „Kleeblatts“ in der Stadtverordnetenversammlung mit scharfen Worten.

Es sei durchaus denkbar, das Interesse an einer Erhaltung von Grünflächen mit einer wachstumsorientierten Siedlungspolitik in Einklang zu bringen: durch „Bauen in die Höhe“, meinte Hemsley beispielsweise. Zur Frage der Kreisfreiheit Hanaus sagte Hemsley: „Wir wollen zwei starke Partner auf Augenhöhe sein, als starkes Oberzentrum im Osten der Stadt Frankfurt.“

Wahlgänge in geheimer Abstimmung

Die Fraktionschefin blickt ebenfalls auf das Jahr 2021 voraus. Hemsley rief: „Dann müssen wir unsere Visionen endlich wieder in eigener Verantwortung realisieren. Oder in einer Co-Verantwortung“, und meinte damit die Kommunal- und OB-Wahlen.

Dem erweiterten Vorstand der Hanauer CDU gehören auch viele jüngere Menschen, teilweise Mitglieder der Jungen Union (JU), an. Als Beisitzer fungieren Srita Heide, Merve Iskender, Andreas Plitzko, Pascal Reddig, Steffen Reitz, Gabriele Stenger, Patryk Windhövel und Sören Winter. Alle Wahlgänge fanden in geheimer Abstimmung statt, der amtierende Vorstand wurde für die zurückliegende Wahlperiode einstimmig entlastet.

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