Ex-CDU-Geschäftsführerin Anne Höhne-Weigl. Archivfoto: Privat

Hanau

Causa Förster: Ex-CDU-Geschäftsführerin gibt Ehrenbrief zurück

Hanau. Die Kritik an der Verleihung des Landesehrenbriefes an den Republikaner-Politiker Bert-Rüdiger Förster ebbt nicht ab.

Von David Scheck

Am Montag meldete sich die ehemalige Geschäftsführerin der Kreis-CDU Anne Höhne-Weigl bei unserer Zeitung, um schriftlich mitzuteilen, dass sie ihren Landesehrenbrief an die Hessische Staatskanzlei zurückschicken werde. Höhne-Weigl hatte die Auszeichnung im August 2013 für ihr ehrenamtliches Engagement erhalten. Auch der Kreisverband der Grünen sowie die Grünen-Fraktion im Kreistag reagieren mit Unverständnis auf die Entscheidung von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Zuvor hatten sich bereits die Hanauer Grünen empört gezeigt angesichts der Ehrung des REP-Stadtverordneten.

"Schlag ins Gesicht"

„Ich bin sehr verärgert und enttäuscht“, machte Höhne-Weigl am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Ihre Verärgerung und Enttäuschung richtet sich gegen Hanaus Rathauschef. Sie könne es nicht glauben, dass sich Kaminsky dafür hergegeben habe, so die langjährige CDU-Politikerin am Telefon.

Bereits zuvor hatte sie die Redaktion schriftlich über ihren Schritt informiert: „Nach der Auszeichnung mit dem Landesehrenbrief an das REP-Mitglied Förster kann ich meinen eigenen Landesehrenbrief nicht mehr behalten. Wer sich für Werte in unserer Gesellschaft, das Allgemeinwohl, für Demokratie und Freiheit einsetzt (und das meistens über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte), kann es nicht hinnehmen, im gleichen Atemzug mit einem Mann genannt zu werden, der am rechten äußersten Rand zu Hause ist und der seine Gesinnung meistens lautstark vertritt.“ Die Auszeichnung an Förster sei „ein Schlag ins Gesicht für alle ehrenamtlich engagierten Menschen in unserem Land“.

Für Höhne-Weigl werfe die Auszeichnung Fragen auf: „Wer hat den Antrag zur Auszeichnung an ein REP-Mitglied gestellt und warum ist es in der Staatskanzlei in Wiesbaden nicht aufgefallen, wer mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet werden soll?“ Es hätte Kaminsky „sehr gut zu Gesicht gestanden, die Übergabe der Auszeichnung abzulehnen“, so die ehemalige CDU-Kreisgeschäftsführerin. „Ich habe meinen Landesehrenbrief für viele Jahre ehrenamtliches politisches Engagement erhalten, und ich war stolz auf diese Auszeichnung. Leider kann ich nun darauf nicht mehr stolz sein und gebe meinen Landesehrenbrief wieder zurück.“ Per Post, wie sie am Telefon noch anfügt – verbunden mit der Hoffnung, dass noch weitere Geehrte ihrem Beispiel folgen.

Kritik von den Grünen

Auch die Kreis-Grünen lassen kein gutes Haar an der Entscheidung von Oberbürgermeister Kaminsky. Sie erinnern daran, dass Förster im Kreistag mit dem Abgeordneten der NPD als „kommunale Allianz“ zusammenarbeite. Zudem sei der Steinheimer jemand, „der 'Fake News' verbreitet und mit rassistischen Wahlplakaten auf sich aufmerksam gemacht hat“. Daher sei die Ehrenbriefverleihung ein „Vorgang, bei dem man nur den Kopf schütteln kann“, äußern sich Viola Haßdenteufel und Günther Koch, Sprecher des Grünen-Kreisverbandes. Ihr Fazit: „Herr Kaminsky, da haben Sie sich vergriffen!“

Kritik kommt auch von der Kreistagsfraktion der Grünen: Der Hanauer OB habe eine Linie eingeschlagen, „die auch den Landesehrenbrief herabwürdigt, eine Auszeichnung, die Personen zuteilwerden soll, die sich besonders um die Demokratie in der Gesellschaft bemüht haben“, äußern sich Reiner Bousonville, Fraktionsvorsitzender sowie Jakob Mähler, Sprecher der Grünen Jugend und Geschäftsführer der Kreistagsfraktion.

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