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Die Bücher mit dem Fahrrad ausliefern - Kei Novum beim Buchladen am Freiheitsplatz

Rund 50 Bestellungen am Tag

Bücher kommen in der Krise per Rad -Onlinegeschäft kann nur bedingt abfedern

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Vorsichtig balanciert Anja Wylezol einen großen Stapel Päckchen zur gelben Postkiste. Die Buchhändlerin hat am Vormittag Bestellungen bearbeitet. Jetzt sollen die Bücher ausgeliefert werden – ein Großteil mit dem Fahrrad.

Beim Buchladen am Freiheitsplatz ist diese Form der Buchauslieferung nichts Neues. Allerdings kommt sie in Coronazeiten mehr denn je zum Einsatz. Das Arbeiten in der inhabergeführten Buchhandlung ist ein komplett anderes als sonst. Ohne Kunden – aber nichtsdestotrotz mit dem Bedienen von Kunden. 

Viele wussten nichts von dem Lieferservice

„Wir haben ja schon lange unsere Website, seit 1997, und bieten auch schon sehr lange einen Lieferservice an, was ganz viele unserer Kunden aber bisher nicht wussten. Da bekommen wir jetzt ein total positives Feedback“, erzählt Inhaber Dieter Dausien. Wenn ein Buch im Laden nicht vorrätig ist, könne es in der Regel innerhalb von einem Tag bestellt werden. Dann wird es ausgeliefert. Dafür kommt das Lastenfahrrad zum Einsatz. Derzeit übernehmen die Auslieferung oft die Kinder einer Mitarbeiterin. „Sie sind froh, wenn sie jetzt etwas zu tun haben, sie haben ja im Moment keine Schule. 

Zwischen Tümpelgarten und Kesselstadt sind die beiden täglich am Nachmittag unterwegs, bis dahin müssen wir alles gepackt haben“, so der Buchhändler. Großen Wert wird auf die kontaktlose Zustellung gelegt. Entweder wird das Buch in den Briefkasten geworfen, sofern es hinein passt, oder die Auslieferer legen es vor die Tür, klingeln und entfernen sich. Bezahlt wird ausschließlich per Rechnung. „Der Onlineverkauf läuft im Moment ungleich besser als normal. Er macht einen deutlichen Teil unseres Umsatzes aus dem Ladengeschäft wett. Leider lange nicht alles, aber ich schätze deutlich über die Hälfte, worüber ich sehr froh bin“, sagt Dausien. 

Reduzierung der Stunden

Dennoch musste er die Stunden seiner Mitarbeiter reduzieren und wird auch Kurzarbeit in Anspruch nehmen. „Wir werden auch die staatlichen Hilfen beantragen, das müssen wir“, sagt er. „Wenn wir den Onlineshop nicht hätten, wäre es eine komplett andere Situation. Dank der Online-Möglichkeit können wir die Leistung auf einem anderen Wege erbringen.“ Allerdings blickt der Buchhändler sorgenvoll in die Zukunft. „Die 9000 Euro für Kleinbetriebe für drei Monate, was soll nach den drei Monaten kommen, wird dann nochmal so ein Paket geschnürt und wie lange kann der Staat so etwas überhaupt finanzieren? Was da alleine schon an Kurzarbeitergeld rausgeht und wie viele Kleinbetriebe das Geld beantragen werden. 

Drei Monate können wir das durchhalten, aber was danach kommt, da will ich gar nicht drüber nachdenken.“ Für den Moment kann sich der Buchladen am Freiheitsplatz aber über zu wenige Bestellungen nicht beschweren. Sind es zu Normalzeiten drei bis fünf Buchsendungen am Tag, werden jetzt zirka 50 versendet. Der unabhängige Buchhandel mit Onlineshops komme kaum mit der Arbeit hinterher mit dem Versenden“, schildert er die Erfahrung, die auch Kollegen von ihm machen. Was ihm wichtig ist, ist auch weiterhin versandkostenfrei zu liefern.

Gleiche Preise wie bei Amazon

„Unsere Kunden sollen nicht mehr bezahlen als bei Amazon. Das macht ganz viel für die Kundenbindung und hoffentlich auch für die Zeit danach.“ Auch eine Abholung ist im Buchladen am Freiheitsplatz möglich. „Wir packen die Tüten, stellen sie bereit, der Kunde ruft kurz vorher an, wir stellen die Tüte mit Rechnung vor die Tür und der Kunde nimmt Tüte mit. Völlig kontaktlos.“ 

Der große Mitbewerber der kleinen Buchhandlungen, Amazon, hat Bücher derzeit hinten angestellt. Teils eine Woche müsse man derzeit dort auf sein Buch warten, weiß Dausien. Allerdings geschehe dies nicht etwa aus Rücksicht auf die Buchhändler, sondern weil Amazon Haushalts- und Hygieneartikel in den Vordergrund rückt, die massenhaft angefragt werden. Mittlerweile ist das türkisgrüne Lastenfahrrad vollgepackt. Die Liefertour durch die Innenstadt kann beginnen – so wie an jedem künftigen Nachmittag zu Coronazeiten.

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