In seinem Element: Joachim Weihl ist Buchhändler aus Leidenschaft. Für einen Ruhestand habe er derzeit keine konkreten Pläne. Er sagt aber auch: "Für die Zukunft sehe ich schwarz." Foto: David Scheck

Hanau

Bücher bei Dausien in der Salzstraße wird 70

Hanau. Für Bücherfreunde aus Hanau und dem Umland ist er eine Institution und wahrscheinlich regelmäßiger Anlaufpunkt auf der Suche nach neuem Lesestoff: Der Buchladen Bücher bei Dausien in der Salzstraße 18 feiert in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag.

Von David Scheck

„Wir können es selbst kaum glauben“, schreibt Inhaber Joachim Weihl im Grußwort der zum runden Geburtstag herausgegebenen Broschüre. Und tatsächlich ist der Buchladen ein Geburtstagskind mit Seltenheitswert. In Zeiten von Onlinehandel, E-Books und Hörbüchern geraten Geschäfte, die gedruckte Bücher verkaufen, in ein Nischendasein. Das ist bei Bücher bei Dausien nicht anders. Weihl und sein Team versuchen dennoch, mit besonderen Attraktionen interessant zu bleiben.

„Die unabhängigen sind am meisten gefährdet“: Die Kurzzusammenfassung des Geschäftsführers bringt die Lage der „kleinen Buchläden um die Ecke“ auf den Punkt. Wer sich in Innenstädten auf größeren Flächen noch halten kann, sind in der Regel die Buchhandelsketten. Der Buchladen in der Salzstraße ist einer von den „Kleinen“, doch er kann sich halten – noch. „Den teilweise dramatischen Veränderungen in der Gesellschaft, im Buchhandel und der Verlagslandschaft versuchen wir in vielen kleinen Schritten gerecht zu werden“, umschreibt es Weihl in der Broschüre. Was dahintersteckt, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

"Ideale Nischen" finden

„Wir veranstalten Themenabende wie zum Beispiel mit Ingo Holland.“ Der Koch aus Klingenberg gilt als Gewürze-Experte. Seitdem gibt es im Hanauer Buchladen Hollands Gewürze zu den ohnehin angebotenen Kochbüchern zu erwerben – was den angenehmen, aber für ein Buchgeschäft ungewöhnlichen Geruch erklärt, der in der Luft liegt.

Bei Veranstaltungen wie mit dem Gewürze-Koch gehe es darum, „ideale Nischen“ zu finden, sagt Weihl. Der Schwerpunkt liege aber natürlich weiterhin auf der Literatur. Sein Laden habe nach wie vor eine relativ große Stammkundschaft, so Weihl. Dennoch: „Die Zahl der Kunden ist rückläufig.“ Ein Satz, den wahrscheinlich so gut wie jeder Buch-Einzelhändler in Deutschland sagen könnte.

Auf rund 300 Quadratmetern gibt es auf drei Ebenen ein breites Angebot vor allem in den Sparten Belletristik, Kinderbücher und Reisen. Seit fast 30 Jahren leitet Weihl das Geschäft, das er von den Gründern und Namensgebern, dem Ehepaar Werner und Margret Dausien, übernommen hat. Und wie lange macht er das noch? „Das ist abhängig von der Gesundheit“, sagt der 67-Jährige. Konkrete Pläne für einen Rückzug in den Ruhestand habe er nicht.

Neuerscheinungen stapeln sich zunächst

Vielleicht auch deshalb nicht, weil er sich für sein Team (insgesamt drei Vollzeitkräfte, fünf Teilzeitkräfte sowie Aushilfen) verantwortlich fühlt. Denn er macht auch unmissverständlich klar: „Für die Zukunft sehe ich schwarz.“ Im Buchhandel sei noch nie das große Geld verdient worden. Und wenn viele aus der treuen Kundschaft, die laut Weihl vor allem aus älteren Lesern besteht, wegbrechen, wird wohl auch Bücher bei Dausien in der Salzstraße das Schicksal so vieler anderer Buchläden ereilen. Doch das ist die – wenn auch alles andere als rosige – Zukunft. Im Hier und Jetzt kämpfen Weihl und seine Mannschaft mit einem „aktiven Überlebenswillen“ täglich um Kundenfrequenz und die Existenz ihres Lesetempels.

Dazu gehört unter anderem auch lesen – und zwar jede Menge: Wenn Neuerscheinungen ins Haus flattern, stapeln sie sich erst einmal. „Es kommen zu viele Bücher, um alle zu lesen“, gesteht Weihl, der, wie er sagt, schon mal zehn bis 13 Leseexemplare mit in den Urlaub nimmt. Doch auch seine Lesegewohnheiten haben sich wie bei vielen Lesern geändert: Mehr als 300 Seiten sollten die Machwerke nicht haben. Angst vor falscher Beratung brauchen die Kunden übrigens nicht zu haben, denn Weihl stellt klar: „Wenn mir ein Buch nicht gefallen hat, kann ich es auch nicht empfehlen.“

Das könnte Sie auch interessieren