Margret Dausien nahm die Ehrung aus den Händen des FDP-Kreisvorsitzenden Daniel Protzmann entgegen. Foto: Rainer Habermann

Hanau

Buchhändlerin Margret Dausien mit Theodor-Heuss-Medaille geehrt

Hanau. Kaum ein anderer Name steht in Hanau so sehr für den Begriff „Buch“ wie dieser: Dausien. Margret Dausien: so viel Zeit muss sein.

Von Rainer Habermann

Denn wenn auch ihr Sohn Ulrich Dausien in der Brüder-Grimm-Stadt eher ein Synonym für hochwertige Outdoor-Bekleidung („Jack Wolfskin“) ist, bleibt mit ihrem doch untrennbar der Buchladen in der Salzstraße 18 verbunden; selbst, wenn dieser 1991 an Joachim Weihl verkauft wurde.

Kannte Theodor Heuss noch persönlich

Margret Dausien verkörperte jahrzehntelang „das Gesicht des Buches“ in Hanau. Jetzt erfuhr die rüstige Seniorin (Jahrgang 1931), die sich noch keineswegs zur Ruhe gesetzt hat, sondern den von ihrem 2001 verstorbenen Mann Werner Dausien einst begründeten Verlag unterstützt, eine hohe Ehrung. Am Samstag wurde der Witwe im Schloss Philippsruhe die Theodor-Heuss-Medaille der gleichnamigen Stiftung verliehen.

Eine Auszeichnung, die sie sehr ergreift, wie sie bei unserem Besuch vorgestern erzählt. Zumal sie mit Heuss den ersten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, der ein führender FDP-Politiker war, noch persönlich kennen- und schätzen gelernt hat.

Wurde vor 50 Jahren Parteimitglied

Und unter den bisherigen Medaillenträgern in bester Gesellschaft ist. Denn Mitglied der Freien Demokraten: Das ist die im sachsen-anhaltinischen Halle geborene Margret Dausien seit exakt einem halben Jahrhundert. 1969 trat sie in diese Partei ein, der schon ihr Mann als Unternehmer angehörte.

Damals nannte sie sich „im Osten“ LPD (Liberal-Demokratische Partei Deutschlands) und ging 1990, nach der Wiedervereinigung, in der FDP auf. „Mein Mann, der Werner, ist 1946 in die LPD eingetreten. Damals übrigens zusammen mit seinem guten Bekannten ebenfalls aus Halle: dem später mit seinem vom Jubel der Menschen im Garten der deutschen Botschaft in Prag unterbrochenen Satz: 'Wir sind heute hierher gekommen, um Ihre Ausreise . . .' legendär gewordenen Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

„Mein Mann hat in Halle studiert und konnte 1949 nach Frankfurt gehen. Noch als Student, also kein 'Republik-Flüchtling'“, erinnert sich die heute 88-Jährige. „Deshalb konnten wir auch immer mal wieder zurück in die DDR fahren, ohne irgendwelche Repressalien befürchten zu müssen“.

Beeindruckt von Kurt Schumacher

In diesen Jahren fand auch die Begegnung Dausiens mit einem Mann statt, der nachhaltig Eindruck auf die junge Buchhändlerin gemacht hat: Kurt Schumacher, SPD-Politiker und bis zu seinem Tode 1952 Oppositionsführer im Deutschen Bundestag, damals noch in Bonn. „Seine unheimlich starken Reden und seine Aufrufe zur Freiheit haben uns alle bis ins Mark erschüttert“, erinnert sich Margret Dausien weiter.

Dass sie zur FDP gehen würde, der ihr Mann Werner ja schon länger verbunden war, scheiterte zunächst an einer der damaligen Führungspersönlichkeiten dieser Partei, Vorsitzender in den 50er Jahren: Erich Mende. „Der ist rumgelaufen mit einem Ritterkreuz um den Hals. Das fand ich degoutant“, zieht die Seniorin heute noch die Lippen kraus.

1949 gründete ihr Mann die Buchhandlung in der Salzstraße

„FDP-Mitglied geworden bin ich dann nach der Bundestagswahl 1969, als Willy Brandt Bundeskanzler wurde. Er hatte aber nicht die Mehrheit, er hat die FDP gebraucht, um dann mit Walter Scheel seine Ostpolitik zu gestalten. Da wusste ich: jetzt bewegt sich hier etwas, anders als mit diesem Adenauer. Und das wurde Zeit! Damals war ich 38 Jahre alt.“

1949 gründete Werner Dausien die Buchhandlung in der Hanauer Salzstraße, doch da hatte die Familie bereits eine andere verloren: die Universitätsbuchhandlung in Halle, etabliert 1927 vom damaligen Schwiegervater. Und die wird zu einer Geschichte der „blühenden Landschaften“, oder wie man den Beitritt der DDR zum Grundgesetz der BRD 1990 noch so nennt.

1991 Rückkauf der ehemaligen Leipziger Buchhandlung

1991, als die Leipziger Universität gerade ihre juristische Fakultät völlig neu aufgebaut hatte, gelang es den Dausiens, diese zu DDR-Zeiten „muffige“ VEB-Buchhandlung wieder zurück zu kaufen und in einen zeitgemäßen, von angehenden Juristen, aber auch von „ganz normalen“ Lesern anerkannten und gut frequentierten Buchladen zurück zu verwandeln. Mit viel Arbeit der Dausiens und dem Engagement, dem Herzblut vieler Hallescher Mitarbeiter, die die Zeichen der Zeit erkannt hatten.

Werner Dausien hatte bereits zu dieser Zeit den Deutschland-Vertrieb des Prager Artia-Verlags unter seiner Regie, und Margret unterstützte ihn nach Kräften, obwohl ihr Herz schon immer für die Buchläden schlug, wie sie beim Besuch gestern schildert. „Zu den ganz großen Dingen in meinem Leben gehören von Anfang an Bücher und die Kunst“, lächelt die Seniorin, die Gründerin einer Hanauer Sektion des Zonta-Clubs ist: ein Klub berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen.

Eine Ikone des Buches

„Ich habe mit meinem Mann – bis zu seinem Tod – Verlage und Buchhandlungen geführt. Ich führe den Verlag auch weiter, seit 1997 sind wir im Internet, lange vor Amazon“, lächelt Margret Dausien. „Und 'so ganz nebenbei' habe ich zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, großgezogen“, sagt sie zur Hanauer Gründung dieser internationalen Service-Vereinigung ähnlich den Lions- oder Rotary-Clubs.

Ein weitere Organisation, ein Verein, geht auf ihr Konto: die Freunde und Förderer Historisches Museum Schloss Philippsruhe. Der liegt ihr sehr am Herzen, zumal Kunst ihr zweites Lebensbein darstellt, neben dem Buch. „Und die FDP ein drittes!“, lacht die agile Buchhändlerin im Ruhestand, aber aktive Verlegerin. „Die FDP war und ist der 'dritte Mann' seit 50 Jahren in unserer Ehe; seit 2001 leider nur noch im Geiste“.

Eindrucksvolle Auszeichnung: Margret Dausien erhält die Theodor-Heuss-Medaille in GoldHanau – Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie hat der FDP-Stadtverband Hanau am Samstag im Schloss Philippsruhe sein Mitglied seit 50 Jahren, Margret Dausien, mit der Theodor-Heuss-Medaille in Gold ausgezeichnet.Die 1931 in Frankfurt am Main geborene Buchhändlerin und „kritischer Geist der Partei“, wie sie der frühere Hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn in seiner Laudatio würdigte, nahm die hoch angesehene Medaille, die an den ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss (FDP) erinnert, aus den Händen des Main-Kinzig-Kreisvorsitzenden Daniel Protzmann entgegen.1969 trat Margret Dausien den Freidemokraten bei, nach der Bundestagswahl, in deren Folge Willy Brandt (SPD) zum Kanzler gewählt wurde; mit Unterstützung der FDP in Form des späteren Außenministers Walter Scheel in der ersten sozialliberalen Koalition. Der HA hat bereits in der Samstagsausgabe ein ausführliches Porträt veröffentlicht. rh

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