Eine Frau, die schöner ist als sie? Das kann nicht sein, denkt Königin Eleonora. Foto: PM

Hanau

Brüder Grimm Festspiele: Sieben Zwerge mal ganz anders

Hanau. Am Samstag heißt es um 19.30 Uhr „Bühne frei“ für „Schneewittchen“. Wer allerdings ein Theaterstück erwartet, in dem sieben freundliche Zwerge einfach fleißig ihre Arbeit machen und ansonsten auf die hübsche Prinzessin aufpassen, der wird sich wundern.

Im Buch von Stephan Lack, der damit den diesjährigen Autorenwettbewerb der Festspiele gewann, erzählen die sieben ihre ganz eigene Schneewittchen-Geschichte.

Erzählerin ist in diesem Fall die Amme Schneewittchens gemeinsam mit den Zwergen, die übrigens so nicht genannt werden wollen, sondern lieber als „Bergmänner“ fungieren und von denen jeder eine ganz eigene Sicht der Ereignisse hat. Im Zuge ihrer Geschichte schlüpfen die sieben in verschiedene Rollen. Während sich Schneewittchen und die sieben Bergmänner gemeinsam gegen die böse Stiefmutter stemmen, lernen sie auch

Grafentochter Margaretha als Vorbild für Schneewittchen

Der Borkener Heimatforscher Eckhard Sander fand heraus, dass es für „Schneewittchen“ wohl tatsächlich ein Vorbild gab. In einer Dokumentation belegt er mögliche Parallelen zwischen dem Märchen und der Grafentochter Margaretha, Tochter des waldeckischen Grafen Philipp IV. von Wildungen. Margaretha galt als besonders hübsch, lebte in Belgien (von Waldeck aus gesehen über dem Siebengebirge, den „sieben Bergen“), wo sie im Alter von nur 21 Jahren vergiftet wurde.

Auf die Geschichte stieß Sander, der eigentlich Lehrer für Mathematik und Deutsch war, durch Zufall: Beim Stöbern nach Beweisen für Kinderarbeit in den Kupfergruben des Kellerwaldes im 16. Jahrhundert. Tatsächlich fand der Heimatforscher unter anderem im Marburger Staatsarchiv Beweise dafür, dass Kinder schon im jüngeren Alter unter Tage arbeiten mussten, dabei Filzkappen zum Schutz trugen und in kleinen „Ein-Zimmer-Häuschen“ lebten. Durch die schwere Arbeit im Berg vergreisten die Kinder frühzeitig und sahen mit spätestens 20 Jahren klein und verkrüppelt aus – eben wie Zwerge.

Schneewittchen feiert morgen als vierte Produktion Premiere bei den Festspielen

Regie führt Lajos Wenzel. Die Bühne wird gestaltet von Tobias Schunck, die Kostüme stammen von Ulla Röhrs, für die Maske ist Wiebke Quenzel verantwortlich. Das Stück ist für Familien geeignet. Premiere ist am Samstag, 8. Juni, um 19.30 Uhr im Amphitheater. kb

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