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Brüder-Grimm-Festspiele: Zwei Nordlichter verpassen „Brüderchen und Schwesterchen“ modernen Touch

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Von: Kerstin Biehl

Soufjan Ibrahim und Katja Straub schlüpfen in die Rolle von Brüderchen und Schwesterchen im gleichnamigen Stück der diesjährigen Brüder-Grimm-Festspiele.
Soufjan Ibrahim und Katja Straub schlüpfen in die Rolle von Brüderchen und Schwesterchen im gleichnamigen Stück der diesjährigen Brüder-Grimm-Festspiele. © Brüder-Grimm-Festspiele/Julian Freyberg

Der Komponist kommt direkt aus dem Probenraum in Hamburg – die Autorin, die aktuell als Darstellerin on Tour ist, erwischen wir in ihrem Hotel in Kassel. Zu dritt treffen wir uns vor unseren Computern im Videochat. Wir wollen über das Stück „Brüderchen und Schwesterchen“ der diesjährigen Brüder-Grimm-Festspiele sprechen.

Hanau – Zu diesem hat Franziska Kuropka die Songtexte geschrieben, Lukas Nimscheck zeichnet für Komposition und Arrangement verantwortlich. Die beiden sind ein eingespieltes Team – und verbringen ziemlich viel Zeit miteinander. Denn sie teilen sich eine Wohnung in Hamburg. Direkt auf der Reeperbahn wohnen Kuropka und Nimscheck in einer WG zusammen mit Nimschecks Ehemann. „Das funktioniert wunderbar. Wir sind ein eingespieltes Team. Sind sehr gut befreundet, leben seit zehn Jahren zusammen und genießen das“, sagt Nimscheck und Kuropka ergänzt: „Es ist wie eine ausgesuchte Familie.“

Aus der Freundschaft ist über die Jahre eine Arbeitsgemeinschaft entstanden. „Lukas hat das Talent, verborgene Begabungen aus einem heraus zu kitzeln“, sagt Kuropka. Er habe sie, die gelernte Schauspielerin, irgendwann gefragt, ob sie nicht Lust hätte, den Songtext zu einer seiner Kompositionen zu schreiben. „Das hat super geklappt, seitdem sind wir auch beruflich ein klasse Einheit.“

Die Brüder-Grimm-Festspiele haben der 33-Jährige und die 44-Jährige „immer schon von Weitem mit großem Interesse beobachtet“ und im vergangenen Jahr dann erstmals live gesehen und mit Intendant Frank-Lorenz Engel Kontakt aufgenommen. „Hanau ist eines der wenigen Häuser in Deutschland, in dem es Uraufführungen gibt. Da schaut man genauer hin.“

Franziska Kuropka steht seit fast 25 Jahren als Darstellerin auf der Bühne. Die gebürtige Thüringerin ist ein „Theaterkind“. „Aus mir konnte gar nichts anderes werden.“: die Mutter Souffleuse, der Vater Schauspieler. Aktuell ist sie mit dem Musical „Bibi und Tina“ auf Deutschlandtour. Zudem ist Kuropka als Autorin tätig. Und das mit großem Erfolg: Das kongeniale Duo Nimscheck/Kuropka wurde 2018 in der Kategorie „Beste Liedtexte“ mit dem Deutschen Musical Theater Preis für das Stück „Jana und Janis“ bedacht.

Nimscheck ist Musiker, seit er 20 ist. Der gebürtige Berliner ist Sänger der Kinderband „Deine Freunde“, Komponist, Autor, Regisseur und Moderator. Mit seiner Band ist er übrigens im September im Hanauer Amphitheater zu Gast. Bekannt ist er zudem als Juror des Fernsehformats „The Voice Kids“.

Die Hanauer Festspiele haben die beiden Hamburger „schon immer von Weitem beobachtet“. Den Fischer etwa, sagt Kuropka, habe sie „mit Inbrunst verschlungen.“

„Wir beide lieben Märchen“, ergänzt Nimscheck, „wir haben einen guten Zugang dazu. Und wussten genau, was für eine Art Märchen wir aus ‘Brüderchen und Schwesterchen’ machen wollen.“ Schreiend komisch sollte es sein, dazu der Anspruch, allen Zuschauern, egal ob Erwachsene oder Kinder, Freude zu bereiten. „Vergleichbar mit einem Pixar-Film“, so Kuropka.

Thematisiert werde in dem Stück der Zusammenhalt in der Familie, die Frage, was Familie überhaupt ausmacht und dass sie weitaus mehr sein kann, als reine Blutsverwandtschaft. „Auch die Frage, ob deine Familie noch zu dir hält, wenn du dich veränderst, wird behandelt, wie tolerant Familie sein muss, sein kann“, erzählen Nimscheck und Kuropka.

In dem Märchen schuften die beiden Protagonisten Klara (Katja Straub) und Klaus (Soufjan Ibrahim) tagein tagaus für ihre böse Stiefmutter Melania („Wir haben sie nach der Ehefrau Donald Trumps benannt“, verrät Kuropka.). Das Testament des verstorbenen Vaters verspricht dem Geschwisterpaar ein reiches Erbe. Doch Melania schmiedet, zusammen mit ihrer Tochter, mörderische Pläne und zwingt die Geschwister zur Flucht in den Wald. Dort verwandelt sich Klaus in ein Reh, als er aus einer vergifteten Quelle trinkt. Die beiden leben fortan verborgen in einer Hütte – bis sich eines Tages ein verwundeter Prinz in ihre Nähe verirrt und von Klara gerettet wird. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch auch diese Liebe will die böse Stiefmutter, die in der Geschichte übrigens einen Schönheitssalon besitzt, verhindern.

Erste Hörproben der Songs wie „Zu zweit“, dem Show-Opener oder „Der Wind hat sich gedreht“ versprechen schmissige Melodien mit witzigen Texten, die auf den Schalk, der sich laut dem Duo durch das gesamte Stück zieht, hinweisen.

„Wir kommen ja beide vom Unterhaltungstheater, mögen deshalb keine superschwere Kost sondern lieben die Leichtigkeit.“ Alles sei sehr positiv gehalten und selbst die Bösewichte in dem Stück hätten ihre liebenswerten, trotteligen oder schrulligen Seiten. Sie liebten spaßige, schnelle Stücke – und solche mit Happy End – aber soviel soll eigentlich noch gar nicht verraten werden.

Auf die Premiere Anfang Juni freuen sich Komponist und Autorin ungemein und werden live im Amphitheater dabei sein. „Hanau war immer ein kleiner Sehnsuchtsort für uns, wegen der Schönheit der Spielstätte und der Möglichkeit von Uraufführungen.“

Weitere Infos

„Brüderchen & Schwesterchen“ ist ein schräges Stück mit Musik über die Herausforderungen des Erwachsenwerdens – mit aberwitzigen Beauty-Behandlungen, überforderten Königen und einem unschlagbaren Zweiergespann, heißt es in der Vorankündigung. Die Uraufführung findet am Samstag, 4. Juni, um 16 Uhr im Hanauer Amphitheater statt. Weitere Aufführungstermine sowie Informationen zu Tickets findet man im Internet unter  festspiele-hanau.de.

Von Kerstin Biehl

Wir sind in erster Linie Unterhalter. Wir wollen spaßige und witzige Stücke machen.
Wir sind in erster Linie Unterhalter. Wir wollen spaßige und witzige Stücke machen. © -
Lukas Nimscheck Komposition/Arrangement
Lukas Nimscheck Komposition/Arrangement © -

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