Leibhaftig: Mit "Weltenwandler" kommen erstmals Jacob und Wilhelm Grimm selbst auf die Festspiel-Bühne. Im ersten Stück des Festspielreigens geht es um einen kurzen Abschnitt in ihrem Leben, um viel Fantasie und zahlreiche Märchenfiguren, in deren Welt die Brüder eintauchen.

Hanau

Brüder-Grimm-Festspiele im Endspurt: Hanau im Premierenfieber

Hanau. Mit tosendem Applaus begann am Donnerstag die Pressekonferenz zum Auftakt der in wenigen Tagen beginnenden Brüder-Grimm-Festspiele: Die Besucher im Roten Saal, mehrheitlich Mitglieder des Ensembles, feierten die Festspiele, ihre Kollegen und die positiven Nachrichten, die dann Schlag auf Schlag erfolgten.

Von Jutta Degen-Peters

Schon über 39 000 im Vorverkauf veräußerte Tickets, ein Novum beim Bühnenbild, mehr Geld von den Sponsoren und eine zusätzliche Vorstellung in Gebärdensprache. Vom 10. Mai an sind das Musical „Weltenwandler“, der Klassiker „Maria Stuart“, „Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Schneewittchen“ zu sehen.

Angesichts des Kartenvorverkaufs, den Oberbürgermeister Claus Kaminsky mit mittlerweile 1500 Tickets mehr als im Vorjahr als „neues Allzeit-Hoch“ pries, war die Stimmung gut. Der OB sprach von einem „grandiosen Vertrauensvorschuss“ und davon, dass das Fieber bis zur Premiere steigt. Im Reigen von Festspielen, dem neu eröffneten Mitmachmuseum „GrimmsMärchenReich“ und dem HANAUER Märchenfest (Samstag und Sonntag, 4. und 5. Mai) trügen die Brüder-Grimm-Festspiele als „das Aushängeschild“ der Stadt dazu bei, die Brüder Grimm mit all ihren Facetten auch in der 35. Spielzeit zur Geltung zu bringen.

Kaminsky richtete neben dem Dank an Sponsoren und Ensemble ein ausdrückliches Lob an die „märchenhaften ehrenamtlichen Helfer“, deren Einsatz dem künstlerischen Etat zu Gute komme.

Der Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, Dr. Helmut Müller, sieht die Wertschätzung der Bürger in den Ticket-Verkaufszahlen widergespiegelt. „Ich habe den Eindruck, dass Grimm auch als Idee gelebt wird“, begründete er, weshalb der Kulturfonds seine Förderung um 15 000 auf 95 000 Euro aufgestockt hat. Der Zuschuss der Stadt Hanau bleibt mit 375 000 Euro auf Vorjahres-Niveau, die Ticketpreise sind ebenfalls gleich geblieben.

Neue Schiebekulissen

Als Erklärer, Moderator und Regisseur gab anschließend Intendant Frank-Lorenz Engel zunächst Tobias Schunck Gelegenheit, das neuartige Bühnenbild zu erläutern. Mit einer großen Bühnenschräge, für die er sich vorab bei den Tänzern entschuldigte und einer Fünf-Meter-Drehscheibe, die in die größere Zehn-Meter-Drehscheibe eingebettet ist, realisierte Schunck zwei Herzensanliegen. „Dieses Jahr bin sogar ich wirklich zufrieden“, kommentierte er das Ergebnis des Bemühens, die Wandlungsfähigkeit der für alle vier Stücke genutzten Bühne stetig zu verbessern. Jeder Inszenierung könne dadurch noch mehr Raum gegeben werden. Neu sind auch die auf Schienen gebetteten Schiebekulissen, mit denen sich große farbige Welten gestalten lassen.

„Weltenwandler“: Das Musical verknüpft einen kurzen Lebensabschnitt von Jacob und Wilhelm Grimm mit der Welt, die sie in ihren gesammelten Geschichten erzählen. Schwarz-weiß wird die Grimm-Realität gezeigt, bunt und schillernd die vielen Szenen, in denen die Grimms in die Märchen eintauchen und darin Ur-Hexe, Schneewittchen oder Dornröschen begegnen. Regisseur Jan Radermacher spricht von einer wilden Abenteuerreise.

„Maria Stuart“: Selten habe ein Regisseur das Privileg, mit zwei Königinnen zu arbeiten, so Intendant und Regisseur Engel. Maria Stuart (Katja Straub) und Elisabeth (Madeleine Niesche) liefern sich hier einen erbitterten Kampf um Leben und Tod, um Ehre und Menschlichkeit.

„Die Bremer Stadtmusikanten“: Große Instrumentenattrappen auf der Bühne stehen für das Musikstück, bei dem sich der Esel als Rock'n'Roller mit dem Hund als Liebhaber der Volksmusik, der Katze als Operndiva und dem rappenden Hahn arrangieren muss.

„Schneewittchen“: Regisseur Lajos Wenzel spricht von einem Riesenspaß, „so bunt, so lustig, mit so starken Figuren“. Die Zwerge führten alle eine Art Doppelleben und übernähmen weitere Rollen.

„Die Leiden des jungen Werther“: Wiederaufnahme aus der Reihe junge Talente in der Wallonischen Kirchenruine.

Rahmenprogramm: Der Verein zur Förderung von Kunst und Kultur verleiht wieder den Darstellerpreis. HANAUER ANZEIGER und Grimm-Festspiele rufen erneut zum Abstimmen über den Publikumspreis auf. Am 16. Juni gibt es ab 14 Uhr in der Orangerie einen Kostümverkauf, Professor Heinz Rölleke bietet erneut Einblicke hinter die Dornenhecke.

festspiele.hanau.de

Freitag, 10. Mai: Musical „Weltenwandler“, Samstag, 18. Mai: „Maria Stuart“, Samstag,1. Juni: „Die Bremer Stadtmusikanten“ und Samstag, 8. Juni: „Schneewittchen im Amphitheater. „Die Leiden des jungen Werther“, Innenhof der Wallonischen Ruine, Freitag, 19. Juli. Karten auch im Hanau-Laden, Am Freiheitsplatz 3.

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