Frisch gezapft- ab und an muss der Brauer den Biersud wegen des Garfortschritts probieren. Gerald Kathan bietet ab der Brauerei Eröffnung am 23.November seine "Staanemer Braukunst" an. Bild: Holger Hackendahl

Hanau

Brauhandwerk lebt in Steinheim wieder auf

Steinheim. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und sich einen Traum verwirklicht. Vor 98 Jahren war im Hofbräuhaus letztmals Bier gebraut worden. Mit einem Brauerei-Eröffnungsfest im „Hexehäuschen“ und der Besichtigung seiner um die Ecke liegenden Brauereiräume, kann das Bier erstmals am 23. November verköstigt werden.

Von Holger Hackendahl

„Meine Biere sind handwerklich gebraut, ohne chemische Zusätze, unfiltriert und nicht ultrahocherhitzt. Der ursprüngliche Geschmack soll erhalten bleiben“, setzt Kathan auf die Ursprünglichkeit seiner Biere. Der 54-jährige Steinheimer braut streng nach deutschem Reinheitsgebot und setzt auf die Biersorten Pils, Hefeweizen und Helles. „Bei einer Geschäftsreise in Colorado/USA vor 15 Jahren kam ich in einem Pub mit Brauerei das erste Mal mit dem Bierbrauen in Kontakt. Das hat mich beeindruckt“, erinnert sich Kathan. „Ich habe dann zu Hause im Kleinen angefangen, Bier zu brauen.“

Der Traum wird zur Wirklichkeit

Im Laufe der Jahre entwickelte Hobbybrauer Kathan Bierrezepte und schrieb stets das Mischungsverhältnis aus den Grundbestandteilen Malz, Hopfen und Hefe grammgenau nieder. „Alle meine Zutaten kommen aus Deutschland. Der Hopfen etwa kommt aus der Hallertau, zudem verwende ich zum Bierbrauen ausschließlich deutsche Hefestämme“, erläutert Kathan.

Der Vater von zwei Söhnen war fast 20 Jahre im Management eines Konzerns für Flugzubehör tätig. „Das war ein echt stressiger Job. Als die Niederlassung in Kelsterbach schloss, habe ich mich gefragt 'Und was machste jetzt'?“ Doch da war ja sein Bierbrau-Talent. In einem Nebengebäude in der August-Fecher-Straße 4 fand er die idealen Räume für die Einrichtung seiner Brauerei.

Mehr als 50.000 Euro investierte Kathan in die Renovierungsarbeiten

Ein halbes Jahr – seit April – war er damit beschäftigt, die Räume baulich herzurichten. Ein neuer Industrieboden und Sanitärräume mussten her, Kühl- und Lagerräume gebaut werden, die Elektrik für die Brauanlagen installiert werden. Zudem musste sich Kathan um viele behördlichen Auflagen kümmern. Investitionen jenseits der 50 000 Euro hat er bisher getätigt. Finanzmittel flossen für die Ausstattung seines Sudhauses unter anderem in den Kauf von drei Maischebehältern mit Rührwerk und den Neubau eines Kühlhauses sowie drei Gärbehälter mit je 625 Litern Fassungsvermögen.

Den gekochten Brausud füllt der Bierbrauer mittels Schlauchleitung in die drei Gärbehälter, die mit einer Kühlummantelung aus Stahl konstant auf acht bis zwölf Grad heruntergekühlt werden. Dort findet die Vergärung des gekochten Biersuds unter Druck statt. „Das dauert fünf Tage in der Haupt- und weitere fünf Tage in der Nebenvergärung“, erläutert der Steinheimer. „Nach dem Umfüllen in die Fässer muss das Pils noch einige Wochen lagern, bis es auch so richtig schmeckt.“

Für das Brauereifest werden im untergärigen Brauvorgang pro Gärbehälter jeweils 500 Liter Pils gebraut. „In einer kleineren Brauanlage braue ich zudem noch Hefeweizen – obergärig bei 20 bis 24 Grad“, erzählt der Bierbrauer. Zu den Investitionen gehört auch die Anschaffung von Bierfässern (zehn und 30 Liter) sowie viele Hundert „Longneck“-Plopp-Flaschen zum Abfüllen seiner „Staanemer Braukunst“.

Die zahlreiche Unterstützung machte die "Staanemer Braukunst" möglich

Hefeweizen gebe es vorerst nur im Fass, das Pilsbier im Fass und auch in 0,33-Liter-Flaschen, erläutert Kathan, der mit einem Freund das Label mit der Ansicht von Schloss und Schlossturm und auch das Etikett für seine Bierspezialitäten entwickelt hat. Vorbestellungen für seine „Staanemer Braukunst“ gebe es bereits, verrät er. „Und Platz für weitere Gärbehälter habe ich hier im Brauhaus noch reichlich“, schmunzelt Kathan.

„Ohne meine Freunde, die mir bei Renovierung und Einrichtung für meine 'Staanemer Braukunst'-Brauerei sehr geholfen haben, hätte ich das alles nicht geschafft“, freut sich der Steinheimer Braumeister nun auf das Brauerei-Eröffnungsfest, das am Samstag, 23. November, ab 13 Uhr gefeiert wird.

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