Der Bombenentschärfer René Bennert hst die 250 Kilo schwere Fliegerbombe an der ruchköler Landstraße unschädlich gemacht. Er war viele Jahre als Entschärfer in Afghanistan im EInsatz. Fotos: Reinhard Paul

Hanau

Bombenfund: Bei Entschärfer René Bennert ist Hanau sicher

Hanau. Fast unscheinbar steht das rote Pavillonzelt am hinteren Rand eines brach‧liegenden Grundstücks ander Bruchköbeler Landstraße. Halb scheint es in der Erde zu versinken. Im Zelt liegen nicht etwa Schlafsack und ‧Isomatte.

Von Kerstin Biehl

Vielmehr schützt die stoffene Behausung eine 250 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe, die anderthalb Meter tief in der Erde liegt. Zwei Stunden vor Beginn ihrer Entschärfung findet nur 30 Meter entfernt eine Pressekonferenz statt.

Eine Elster hüpft um das Zelt. Gut, dass es verschlossen ist und der neugierige Vogel somit keine Gelegenheit hat, an etwaigen glitzernden Bombenteilen herumzupicken.

Eine Geisterkulisse

Die Journalisten sind mit Interviews und Fotoaufnahmen beschäftigt. Lediglich einige Polizisten, Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der Hanauer Feuerwehrchef und der Bombenentschärfer stehen an der sonst so geschäftigen Bruchköbeler Landstraße. Keine Autos, keine Passanten, keine Kunden in den umliegenden Geschäften, keine Anwohner in den Häusern. Die Szenerie gleicht einer Geisterkulisse.

Die zwei Polizeibeamten, die das Überwachen der Bombe heute Morgen übernommen haben, geben sich gelassen: „Wir fühlen uns hier sicher. Die Bombe ist ja gut geschützt. Wenn nachher die Entschärfung beginnt, ziehen wir uns natürlich auch hinter die Absperrung zurück.“

Der OB, der bereits bombenerprobt ist, meint, man könne, würde man es sarkastisch ausdrücken wollen, beinahe schon von einer gewissen Routine sprechen – damit spielt er auf den Bombenfund im vergangenen November auf dem Pioneer-Areal an, als dort eine 500 Kilogramm Bombe entschärft wurde.

Zünder unscharf machen

Damals wie heute ist es die Aufgabe von René Bennert den Zünder der Bombe unscharf zu machen. Der Experte vom Kampfmittelräumdienst schätzt, dass er rund eineinhalb Stunden für die Entschärfung benötigt. Dass es am Ende viel schneller gehen wird, ist da noch nicht abzusehen.

Ein Unwetter, das für den Nachmittag angekündigt ist, macht allen Beteiligten Sorgen. „Wir hoffen sehr, vor Beginn des Regens fertig zu werden. Es wäre gut, wenn die Entschärfung von diesem Wettereinfluss unberührt bleibt. Deshalb müssen wir Gas geben und hoffen, dass nichts Unvorhergesehenes passiert“, sagt der OB.Diese Art von Beschleunigung bezieht er freilich nicht auf Bombenentschärfer Bennert. Der muss von Berufs wegen die Ruhe bewahren. Und die hat er.

Fast schon gelassen beantwortet er die Fragen der Journalisten. „Sie müssen einen Ruhepuls von 30 haben“, scherzt der OB in Bennerts Richtung. Der Bombenexperte lässt sich von Scherzen nicht beirren, informiert sachlich und kompetent: „Die Bombe wurde bei gezielten Sucharbeiten gefunden. Sie ist mit einem mechanischen Bodenaufschlagsender versehen“, sagt der bärtige, grau melierte Mann und hält seine Hände verschränkt, während er besonnen antwortet. Wie hat er diese Ruhe erlangt? Meditation? Autogenes Training? Nein, nichts davon!

Keine besondere Vorbereitung

Es gibt keine besondere Vorbereitung. „Ich bin einfach so, wie ich bin. Ich war lange Zeit als Bombenentschärfer in Afghanistan. Da musste ich unter ganz anderen Umständen arbeiten. Vielleicht kommt meine jetzige Ruhe daher“, sagt er.

In zwei Stunden wird er die Bombe mit einem Fernentschärfungsgerät, einer sogenannten Raketenklemme, erfolgreich entschärft haben. Über Funk wird er diese auslösen, dann nachschauen gehen, ob es geklappt hat.„Wir verdanken es Menschen wie Herrn Bennert, dass unsere Bürger auch bei Bombenfunden nicht besorgt sein müssen“, sagt Kaminsky. Recht hat er. Bei einem Mann wie Bennert ist Hanaus Sicherheit in guten Händen.

Der OB lobt die Art und Weise und vor allem die Geschwindigkeit, mit der sämtliche Beteiligte, von Feuerwehr über Polizei bis zu den Rettungsdiensten in Sachen Evakuierung agiert haben. „Wir sind allen zu großem Dank und Respekt verpflichtet.“ Immerhin mussten seit 7 Uhr am morgen 5000 Menschen evakuiert werden. 75 Krankentransporte waren zu bewältigen, neun Autos für Liegendtransporte waren im Einsatz, dazu vier Mannschaftstransporter für Gehbehinderte. Dabei stellten die Rettungsdienste 103 Mann, die Feuerwehr 100, also fast alle verfügbaren Ehrenamtler und Hauptberufler.

Tagesgeschäft muss gestemmt werden

„Mein Dank geht an die Arbeitgeber, die unsere Ehrenamtler heute freigestellt haben“, sagt Feuerwehrchef Peter Hack. Neben dem Bombeneinsatz müsse schließlich auch das aktuelle Tagesgeschäft gestemmt werden. Während der Evakuierung habe es keine gravierenden Probleme gegeben.

Obwohl alles so reibungslos läuft, nimmt man sich vor, im Falle eines weiteren Evakuierungsfalls noch besser zu werden. „Wir wollen den Anteil der Überraschten über eine verbesserte Kommunikation absenken. Das ist unser Ziel für die Zukunft.“ Hintergrund dieser Aussage war die erhebliche Zeitverzögerung mit der die App Katwarn über die Evakuierung informiert hatte. Das Warn- und Informationssystem informiert bei Katastrophen und in Gefahrensituationen über Mobiltelefon und Internet die betroffene Bevölkerung.

Das Areal des Bombenfundorts, eine ehemalige Tankstelle, auf der Wohnraum entstehen soll, ist übrigens noch nicht komplett abgesucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort ein weiteres Kampfmittel liegt, sei allerdings sehr gering, sagt Bennet.

Für die Entschärfung hat er letzten Endes lediglich 15 Minuten benötigt. „Manchmal“, sagt er, „hat man halt einfach Glück.“

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