Die Drogen sollen einige Tage in einer Schlafzimmerschublade gelagert gewesen sein. Foto: Pixabay

Hanau

Bodypacker-Prozess: Kokain war doch in der Schlafzimmerschublade

Hanau. Das Kokain war „recht hochwertig“, das der Bodypacker aus Spanien in Steinheim erhalten haben und nach Wien transportieren sollte (wir berichteten).

Von Jasmin Jakob

Bis er bei einer routinemäßigen Grenzkontrolle in Passau erwischt wurde, trug er fast ein halbes Kilo in seinem Magen und in einer Socke, die er im Koffer versteckt hatte, bei sich.

In der Vernehmung durch einen Polizeibeamten beschuldigt er Lenin F., ihm die Drogen gegeben und zusammen mit seiner „Freundin“ Ruth verpackt zu haben. Daraufhin verfolgen die Ermittler die Spuren zurück – bis nach Steinheim in Ruths Wohnung. Dort treffen sie auf die beiden nun Angeklagten und eine Dame namens „Lady“, die – ebenfalls aus Madrid angereist war und ein halbes Kilo „Koks“ nach Wien transportieren sollte.

Ist der Bodypacker ein glaubwürdiger Zeuge?

Der Passauer Polizeibeamte sitzt am zweiten Verhandlungstag vor der 1. Großen Strafkammer des Hanauer Landgerichts und berichtet über den Bodypacker. Letzterer ist nämlich für die deutsche Justiz nicht mehr greifbar, da gegen ihn in dieser ‧Sache vor dem Passauer Landgericht ein Urteil mit Bewährungsstrafe ausgesprochen wurde. „Er sagte, dass er Lenin F. vor wenigen Wochen in Madrid kennengelernt habe.

Dort habe er ihn für den Drogenhandel angeworben, ihm das Kokain in Deutschland überreicht und es erst alleine und dann mit seiner Freundin verpackt“, sagt der Drogenfahnder. „Gemeinsam hätten sie ihn dann in den Bus nach Wien gesetzt.“ Gleichzeitig äußert er Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Bodypackers und weist auf ein psychologisches Gutachten hin, das diesen als „grenzdebil“ einstuft.

Die Angeklagte habe widerwillig zugestimmt, die Drogen aufzubewahren

Ruth hatte bereits zum Prozessauftakt geleugnet, am Drogenhandel beteiligt gewesen zu sein. „Ich habe mit meinem Freund nie über kriminelle Geschäfte gesprochen.“ Erst als der Kontakt nach Passau abgebrochen sei, sei sie ins Grübeln geraten. Was sie zum Prozessauftakt bestritten hat, muss sie am zweiten Verhandlungstag relativieren. F. sei durch das Verschwinden des Bodypackers unter Verdacht geraten, das Kokain gestohlen zu haben.

Die eigentlichen Drahtzieher, die unter dem Decknamen „Pacco“ und „Lady“ Drogen von Madrid nach Deutschland verkaufen würden, hätten ihn unter Druck gesetzt: „Er fürchtete um das Leben seiner Kinder“, schildert Ruth und gesteht: „Lenin hat mich dann gefragt, ob er Drogen für einige Tage in der Schublade unseres gemeinsamen Schlafzimmers aufbewahren darf. Das habe ich entschieden abgelehnt.“ Doch dann sei sie wegen der Kinder eingeknickt.

F. hat bereits gestanden, die Drogen in Steinheim von einem Kunden von „Pacco“ entgegengenommen und verpackt zu haben. Dieser habe die Qualität bemängelt – der „Stoff“ habe nach Österreich verkauft werden sollen. Da kamen F. durch seinen Kontakt nach Deutschland und sein Cousin als Bodypacker ins Spiel.

Heftiger Einspruch der Verteidiger bei Zeugenaussagen

Auch die Ermittler, die „Ladys“ Aussagen aufgenommen hatten, wurden an ihrer Stelle als Zeugen befragt: „F. habe telefonisch Kontakt zu ihr aufgenommen und sie nach Deutschland gebeten“. Am Küchentisch sollen F. und Ruth sie gefragt haben, ob sie sich die Drogen in ihren Körper einführen könne, um sie nach Wien zu transportieren. Da sie ihre Periode gehabt habe, sei dies jedoch nicht möglich gewesen und die beiden hätten ihren Rückflug gebucht.

Da erheben die Verteidiger der Angeklagten heftigen Einspruch: „Welchen Sinn macht das, so einen riesigen Aufwand wegen nichts zu betreiben?“ F.s Verteidiger, dem die Aussagen aus den Akten bekannt waren, hat eine Erklärung seines Mandanten dazu vorbereitet: „Lady“ stellt alles falsch dar und verschweigt die Rolle ihres Mannes und Lebensgefährten.

Die Verhandlung wird am morgigen Donnerstag fortgesetzt.

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