In diesem Haus am Harzweg in Großauheim fand das Verbrechen statt. Foto: Christian Dauber

Hanau

Bluttat in Großauheim: Staatsanwaltschaft geht von Mord aus

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Hanau. Ist das Gewaltverbrechen im Großauheimer Harzweg ein Mord? Wie Oberstaatsanwalt Dominik Mies am Dienstag auf Nachfrage unserer Zeitung sagte, haben die Ermittlungen Hinweise darauf ergeben, dass es zwischen Vater und Sohn am Montag einen tödlichen Streit ums Erbe gegeben habe.

Im Verlauf der Auseinandersetzung soll der 36-Jährige gegen 20.15 Uhr seinen 71-jährigen Vater getötet haben. Der Rentner hätte am Dienstag Geburtstag gehabt. Der polizeibekannte Sohn war nach dem Verbrechen am Tatort verhaftet worden.

Haftbefehl wegen dringenden Verdachts des Totschlags erlassen

Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl wegen dringenden Tatverdachts des Mordes. „Wir sehen das Mordmerkmal der Habgier als verwirklicht an“, sagte Mies. Das Amtsgericht sei jedoch anderer Auffassung und habe diesen Haftgrund nicht bestätigt. Ein Ermittlungsrichter habe stattdessen Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Totschlags erlassen, so der Oberstaatsanwalt. Klarheit sollen die laufenden Ermittlungen bringen. Bis zu deren Abschluss bleibe der Mann in Untersuchungshaft. Laut Mies schweigt der mutmaßliche Täter zu den Vorwürfen.

Massive Gewalteinwirkung

Den Ermittlern bot sich in der Wohnung des Mehrfamilienhauses offenbar ein Bild des Grauens: Wie Oberstaatsanwalt Mies erläuterte, wies der Leichnam mehrere Stich- und Schnittverletzungen in Hals, Brust und Rücken sowie eine Schlagverletzung am Kopf auf. Es habe eine massive Gewalteinwirkung mit erheblicher Brutalität gegeben, so Mies. Erkenntnisse über die genaue Todesursache sollte gestern eine Obduktion bringen. Bis Redaktionsschluss wurde das Ergebnis nicht bekannt.

Rentner verstarb am Tatort

Am Tag nach dem Verbrechen deutete am Harzweg – einer ruhigen Straße, die in der Regel nur von Anwohnern genutzt wird – nichts auf die schreckliche Bluttat vom Montagabend hin. An dem Mehrfamilienhaus mit der weiß-gelben Fassade, in dem sich das Kapitalverbrechen ereignet hat, waren teilweise die Rollläden heruntergelassen.

Nachbarn hatten die Polizei am Montagabend zunächst wegen einer Ruhestörung alarmiert, nachdem sie Lärm aus der Wohnung im Harzweg 12 gehört hatten. Die alarmierten Einsatzkräfte fanden das Opfer schwer verletzt in der Wohnung. Für den Rentner kam jedoch jede Hilfe zu spät, er verstarb am Tatort. Der tatverdächtige Sohn ließ sich laut Mitteilung widerstandslos festnehmen.

Mutmaßlicher Täter bereits wegen Gewaltdelikten polizeibekannt

Ob der 36-Jährige zum Tatzeitpunkt möglicherweise unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand, sei Gegenstand der Ermittlungen, so der Oberstaatsanwalt. Der mutmaßliche Täter ist laut Mies bereits in der Vergangenheit wegen Gewaltdelikten in Erscheinung getreten. Vater und Sohn hätten zuletzt zusammen in der Wohnung gelebt. Weitere Personen seien dort nicht gemeldet.

Mitteilung am Dienstagmorgen

Über das Familiendrama in Großauheim informierten Polizei und Staatsanwaltschaft erst am Dienstagmorgen in einer gemeinsamen Mitteilung. Ein Polizeisprecher hatte die Informationen unserer Zeitung über das Tötungsdelikt am späten Montagabend weder bestätigen noch dementieren wollen. Er räumte lediglich ein, es gehe um „mehr als ein Körperverletzungsdelikt“ (wir berichteten).

Wir haben den Artikel gegen eine aktualisierte Version ausgetauscht. Dies war die bisherige Version (Stand 12:21 Uhr)

Im Fall des am Montagabend in Großauheim getöteten Mannes hat die Staatsanwaltschaft Hanau Haftbefehl wegen Mordes beantragt. Zwischen Vater und Sohn soll es Streit ums Erbe gegeben haben. Der mutmaßliche 36-jährige Täter wird am Dienstagmittag dem Haftrichter vorgeführt.

Der Leichnam des 71 Jahre alten Vaters wies mehrere Schnitt- und Stichwunden an Hals, Brust und Rücken auf. Zudem sprach die Staatsanwaltschaft von stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf des Mannes. Besonders tragisch: Am Dienstag hätte das Opfer seinen 72. Geburtstag gefeiert.

Ob bei der Tat Alkohol oder Drogen im Spiel waren, ist derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen. Vater und Sohn hatten zuletzt gemeinsam in der Wohnung am Harzweg gewohnt.

Nachbarn hatten am Montagabend die Polizei verständigt, da aus der Wohnung des Opfers Lärm zu hören war. Als die Beamten wenig später eintrafen, fanden sie den Rentner mit schweren Verletzungen an Kopf und Oberkörper vor. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des 71-Jährigen feststellen. Der tatverdächtige Sohn leitete bei seiner Festnahme keine Gegenwehr.

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