Aufklärung für die Autofahrer: Wer mit seinem Pkw in die Parkhäuser fährt, in denen das Erfassungssystem installiert ist, wird darauf hingewiesen, dass seine Kennzeichendaten temporär gespeichert werden – und nach Ausfahrt wieder gelöscht, versichert die Hanauer Parkgesellschaft. Foto: PM

Hanau

Bilanz: So läuft die Kennzeichenerfassung in Hanauer Parkhäusern

Hanau. Über das Autokennzeichen lässt sich relativ leicht der Halter samt Anschrift ermitteln – eine sensible Sache, also. In Parkhäusern der Hanauer Parkhausgesellschaft (HPG) werden seit einiger Zeit die Kennzeichen der einfahrenden Pkw erfasst, um, wie die HPG sagt, die Abläufe vor allem bei der Ausfahrt zu beschleunigen.

Von David Scheck

Den Anfang machte als Pilotprojekt im Januar 2018 das Parkhaus Kinopolis 1, es folgte im Dezember die Tiefgarage des Forums. Im Mai wurde das Erfassungssystem auf die Tiefgarage am Markt sowie das Parkhaus Kinopolis 2 erweitert. Und auch in der Nürnberger Straße sorgt mittlerweile die Kennzeichenerfassung für einen reibungsloseren Ablauf. Doch was passiert dabei eigentlich mit den Daten? Wir haben bei der HPG als Betreiberin der Parkhäuser nachgefragt.

Die HPG nennt den Pilotversuch selbst „erfolgreich“. Inwieweit haben sich die Ausfahrzeiten aus den Parkhäusern verbessert?Erfolgreicher Pilotversuch bezieht sich im Wesentlichen auf den Einbau im Parkhaus Kinopolis, aber auch auf den in der Tiefgarage im Forum Hanau. Während beim Parkhaus nach dem Vorstellungsende eines Films zuvor ein Stau an der Ausfahrt entstand, war die Herausforderung bei der Tiefgarage, den samstagstypischen und vorweihnachtlichen Mehrverkehr gut abwickeln zu können.

Beide Häuser beziehungsweise die dortigen Kundinnen und Kunden haben spürbar von dem System bereits nach kürzester Zeit profitiert. Messungen nicht nur in unseren Häusern zeigen, dass die Abfertigungszeit an der Ausfahrt deutlich reduziert wird, der Hersteller spricht von bis zu 60 Prozent im Vergleich zum reinen Tickethandling. Sichtbar ist der Erfolg darin, dass in den vorgenannten Häusern kaum noch Schlangen vor der Ausfahrt entstehen. Der Erfolg ermutigt uns, das System auch in anderen Häusern einzusetzen, wo ein ähnlicher Vorteil zu erzielen ist.

Was passiert genau, wenn ein Kunde mit seinem Pkw in eines der Parkhäuser mit Kennzeichenerfassung einfährt?Wie gewohnt bekommt der Kurzparker-Kunde an der Einfahrt ein Ticket. Mit dem Ticket bezahlt er an der Kasse wie bislang auch. Im Normalfall ist das Ticket für die Ausfahrt nicht mehr erforderlich und dient nur noch als Quittung. Lediglich wenn das Kennzeichen an der Ausfahrt nicht gelesen oder erkannt werden kann, dient das Ticket noch zum Öffnen der Schranke.

In den Parkhäusern, auf die das System ausgeweitet wurde, sind die Kameras in den Säulen und nicht mehr an der Decke hinter der Schranke eingebaut? Was ist der Hintergrund?Derzeit werden Kennzeichen zu mehr als 97 Prozent erkannt. Zusammen mit dem Hersteller haben wir festgestellt, dass mit der Bodenmontage die Erfolgsrate noch höher liegt. Das hängt unter anderem mit den Beleuchtungssituationen und dem Winkel zusammen. Unser Ziel ist, mit dem System möglichst nahe an die 100 Prozent heranzukommen.

In einem Bericht zum Pilotversuch im Januar 2018 heißt es, die Kennzeichendaten würden sofort nach Ausfahrt gelöscht. Wie stellt die HPG sicher, dass der Anbieter des Systems, die Firma Skidata, die Daten auch wirklich löscht?Der Anbieter bekommt keine Daten. Das System liest das Kennzeichen bei der Einfahrt und speichert es verschlüsselt auf unserem Server. Direkt nach Abschluss des Parkvorgangs, also nach Ausfahrt, wird der verschlüsselte Datensatz physisch gelöscht. Weder der Anbieter noch andere Dritte haben während des Parkvorgangs Zugriff auf die Kennzeichen. Danach ist er schlicht nicht mehr vorhanden. Da der Speicherplatz mit neuen Informationen überschrieben wird, ist auch nichts rekonstruierbar.

Thema Datenschutz: Sicher ist nicht jeder damit einverstanden, dass sein Kennzeichen erfasst wird. Wie viele Beschwerden sind seit Einführung der Kennzeichenerfassung eingegangen?Uns ist lediglich von einer Kundin bekannt, dass sie geäußert hat, in keinem Haus mit solcher Technik parken zu wollen. Das ist insofern nicht problematisch, als es vermutlich immer in Hanau auch Möglichkeiten geben wird, wo es sich ohne ein solches System parken lässt.

Dagegen steht der überwiegende Teil der Kunden, die das System als kundenfreundlich loben, weil zum Beispiel das Anhalten und Anfahren an der Ausfahrt in der Tiefgarage für sie ein Problem darstellt. Selbst Kundinnen und Kunden, die mit uns in Kontakt treten und die zu Beginn eher kritisch dazu stehen, akzeptieren das am Ende und sehen auch den Nutzen. Dazu trägt sicher bei, dass wir offen über das System informieren. So bieten wir interessierten Kunden an, sich beispielsweise persönlich ein Bild bei uns zu machen oder Fragen an unseren externen Datenschutzbeauftragten richten zu können.

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