Johanna Lotz (stehend) vollzog schon vor 30 Jahren den Rollentausch: Sie verdiente das Geld, ihr Mann betreute die Kinder. Foto: Jutta Degen-Peters

Hanau

Bewegte Hanauer Frauen erinnern an 30 Jahre Frauenbüro

Hanau. Die Zeiten, da die Frauen – auch in Hanau – aufbegehrten, waren laut, bunt und für viele Männer unbequem. Demos in der Innenstadt gegen den Paragrafen 218, Proteste in Vereinen, Kirche und politischen Parteien, in denen Frauen ihre Rechte einforderten.

Von Jutta Degen-Peters

An diese Zeiten erinnerten im Kulturforum Kämpferinnen der frühen Stunde wie die Journalistin Ilse Werder, die Sozialdemokratin und ehemalige AsF-Vorsitzende Heidi Bär und ihre Genossin Sylvia Daneke. Sie berichteten auf dem Podium von der Zeit, als die Frauenbewegung in Hanau an Fahrt aufnahm und vor 30 Jahren schließlich die Einrichtung eines Hanauer Frauenbüros erreichte.

Der Einladung, sich gemeinsam zu erinnern, waren einige wenige Männer und eine große Zahl Frauen gefolgt, unter ihnen viele, die in den 80er Jahren mitgestritten und mitgekämpft hatten, wie die ehemalige CDU-Kreistagsabgeordnete Ingrid Pillmann, die Frauenbeauftragte des Kreises, Ute Pfaff-Hamann oder die unter anderem für das Hanauer Frauenhaus kämpfende Elisabeth Weigel.

Ein aufmunterndes Grußwort

Für sie alle wie für Hanaus Frauenbeauftragte Monika Kühn-Bousonville, die den Abend moderierte, war es eine besondere Ehre, dass die Sozialpolitikern Barbara Stolterfoth – 1984 als allererste kommunale Frauenbeauftragte eingesetzt – ein aufmunterndes Grußwort übermittelte. „Wir sind einst angetreten, um irgendwann einmal überflüssig zu werden“, wurde sie zitiert. Und auch sie erinnerte daran, dass der Kampf um die Frauenbüros überall derselbe war: ein Kampf ums Gehörtwerden, um Beteiligung und Mitsprache. Allen Errungenschaften zum Trotz sei noch immer viel zu tun, und Frauenbüros seien nach wie vor unverzichtbar, so Stolterfoths Fazit.

Dass Hanau seiner Zeit voraus war, beschrieb Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der bekannte, dass er von der streitbaren Hanauer Frauenbeauftragten Imke Meyer viel gelernt habe. Noch bevor 1994 das Hessische Gleichstellungsgesetz den Kommunen die Einsetzung interner Frauenbeauftragter vorschrieb, wurde Ende 1987 das Frauenbüro des Main-Kinzig-Kreises mit drei Frauenbeauftragten für den Kreis und für die Stadt Hanau ins Leben gerufen. Im August 1990 nahm mit Rosemarie Lück die erste rein Hanauer Frauenbeauftragte ihre Arbeit auf.

Dem vorangegangen war das Ringen von Frauen in der Region – für die einen irritierend und mit hohem Lästigkeitsfaktor, für die anderen belebend und solidarisch. Dass es damals möglich war, sich über Parteigrenzen hinweg und quer durch unterschiedliche Interessensgruppen zu solidarisieren für das eine Ziel, Frauen zu stärken, bezeichnete Ilse Werder als besonderes Merkmal der damaligen Zeit. Der Verein Frauen helfen Frauen, Wegbereiter des Frauenhauses, wurde gegründet, das Archiv Frauenleben sorgte dafür, dass Geschichte aus einem weiblichen Blickwinkel erzählt wurde.

"Die ganze Umgebung tobte"

Sylvia Daneke, „die ganze Umgebung tobte“, erinnerte daran, wie die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) sich allerorten zu Ortsverbänden zusammenschloss und sich Landfrauen neuen Themen widmeten, Heidi Bär betonte, wie wichtig es damals gewesen sei, sich Parteistrukturen zunutze zu machen, um den Kampf für die Gleichberechtigung voranzutreiben. „Wir musste vor allem gut vorbereitet sein, damit uns die Männer nicht in die Parade fuhren.“

„Viele Frauen kamen aus der Friedensbewegung, es galt, festgefahrene Strukturen zu lösen, die Zeit war einfach reif“, resümierte Kühn-Bousonville. Doch wie hart es damals war, sich gegen verständnislose und teils aggressiv auftretende männliche (Politiker-)Kollegen durchzusetzen, das erlebten die Frauen durch alle Bereiche hinweg.

Nicht immer hätten die Männer offenen Widerstand gegen Fraueninitiativen geäußert. Aber bei Abstimmungen ließen sie die Frauen im Regen stehen. Ingrid Pillmann berichtete von den Kräfteverhältnissen im Kreistag, in den sie 1973 als eine von drei Frauen einzog. „Bei der SPD sah es nicht viel besser aus“, sagte sie. Da war der einzige Frauenparteitag der SPD im Jahr 1988, an den Heidi Bär erinnerte, ein echtes Highlight.

Besonderes Lob gezollt

Ilse Werder wurde ein besonderes Lob dafür gezollt, dass sie Selbstbestimmung nicht nur als alleinerziehende Mutter und vielseitig engagierte Sozialdemokratin lebte. Sie habe auch jahrzehntelang für Öffentlichkeit gesorgt, wenn Frauen ihre Rechte einforderten. Werder war es ein Anliegen zu betonen, dass es nicht ausreiche, sich zu besinnen, was die Frauenbewegung alles erreicht habe und wie aktiv sie gewesen sei: „Wir müssen wieder aktiv werden!“, erklärte sie unter großem Beifall. Denn nach wie vor gebe es Gewalt gegen Frauen, seien Frauenhäuser so wichtig wie vor 30 Jahren.

Heidi Bär pflichtete Werder bei und regte eine Umfrage unter jungen Frauen an: Wie sehen ihre Lebensentwürfe heute aus? Wo sehen sie ihre Rolle und wie planen sie ihre Karriere? Sylvia Daneke sprach davon, dass man moderne Formen der Ansprache wählen müsse, um junge Frauen zu erreichen, etwa ein Poetry Slam.

Abschließend ermutigte Monika Kühn-Bousonville Frauen jeden Alters, das Frauenplenum zu besuchen. Das widme sich wichtigen Themen wie der Frage, wo in Hanau Angsträume bestehen oder wie man sich gegen K.o.-Tropfen schützen kann – eine Frage, mit der die Frauenbeauftragte auch in den Schulen zu sensibilisieren versucht.

Auf die 25. Frauenwoche vom 6. bis 21. März folgt am 22. April die Podiumsdiskussion „Gleicberechtigung Frauensache? MÄNNERSACHE!“

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