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800 Beteiligte bei erneuten Warnstreiks der IG Metall

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„Miteinander für morgen“ – die Mitarbeiter mehrerer Firmen kamen vor der Vacuumschmelze zusammen und kämpfen für mehr Lohn und Arbeitszeitverkürzung im Bedarfsfall auf 28 Stunden in der Woche. Foto: Kalle
„Miteinander für morgen“ – die Mitarbeiter mehrerer Firmen kamen vor der Vacuumschmelze zusammen und kämpfen für mehr Lohn und Arbeitszeitverkürzung im Bedarfsfall auf 28 Stunden in der Woche. Foto: Kalle

Hanau. Die IG Metall hat ihre Warnstreiks ausgeweitet. In Hanau kamen am Donnerstag über 800 Arbeiter vor den Toren der Vacuumschmelze (VAC) zusammen und gingen für ihre Überzeugung gemeinsam auf die Straße.

Von Elfi Hofmann

Sechs Prozent mehr Lohn, das Recht, die Wochenarbeitszeit befristet auf 28 Stunden reduzieren zu können – die IG Metall steht weiterhin hinter ihren Forderungen an die Arbeitgeber.

„Friederike“ hätte den Streikenden am Donnerstag fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Sturmtief hatte auch Hanau fest im Griff, weshalb die IG Metall in Absprache mit der Polizei den ursprünglich geplanten Weg von der VAC zum Goldschmiedehaus verkürzte. Die Route führte letztendlich einmal um die Ehrensäule herum und wieder zurück zur VAC, wo nach drei Stunden die Abschlusskundgebung stattfand.

Feuerrote UtensilienDoch was ein echter Streikender ist, den wirft auch ein Sturm nicht einfach so aus der Bahn. Außerdem verteilte die Gewerkschaft gegen den Wind und Regen Mützen und Schals – natürlich in Feuerrot – und Regencapes. So ausgerüstet mussten die Arbeiter der Vaccuumschmelze, von Norma aus Maintal, Honeywell, ABB und Thermo Fisher allerdings erst einmal knapp 90 Minuten ausharren, bevor der Marsch losgehen konnte.

Dank musikalischer Unterstützung vom Band – der verstorbene Gunter Gabriel forderte „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ – eine kurzweilige Angelegenheit.

Flexibilität zurückholen„Heute nehmen wir es nicht nur mit den Arbeitgebern auf, sondern auch mit dem lieben Gott!“ Robert Weißenbrunner, Gewerkschaftsführer der IG Metall Hanau/Fulda, weiß genau, wie er die Arbeiter heiß für einen weiteren Warnstreik macht. Einen Stück vom Kuchen – also den Gewinnen der Firmen – wollen sie abhaben, wenn sie sechs Prozent mehr Lohn fordern. Doch bei den bisherigen Verhandlungen haben die Unternehmen lediglich zwei Prozent und eine Einmalzahlung von 200 Euro angeboten. Für die IG Metall viel zu wenig.

Was Weißenbrunner und die anderen allerdings besonders stört: Die Arbeitgeber wollen nichts von der Forderung wissen, die Arbeitszeit im Bedarfsfall auf 28 Stunden in der Woche zu senken. „Es ist endlich an der Zeit, dass wir etwas von unserer Flexibilität zurückholen“, so Weißenbrunner. Schließlich hätten sich die Arbeitnehmer jahrelang angepasst, hätten sich auf immer neue Schichten und Wochenendarbeit eingestellt.

Tarifverhandlungen ergebnislos vertagtAuch für den Betriebsratsvorsitzenden der VAC, Friedrich Lenhard, ist es nicht akzeptabel, dass die Mitarbeiter von den Gewinnen des Unternehmens wenig bis gar nichts abbekommen. Der Geschäftsführer habe ihm die Gewinnzahlen des vergangenen Jahres mitgeteilt. „28 Stunden in der Woche wären damit mehr als gerechtfertigt.“

Wenn sich bei den Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie nichts tut, will die Gewerkschaft die Arbeitsniederlegungen ausdehnen und im Extremfall auch 24-Stunden-Streiks ansetzen,

Und danach sieht es aus, denn die in Saarbrücken stattgefundenen Tarifverhandlungen für das Tarifgebiet Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz wurden ergebnislos vertagt.

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