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Bestandsaufnahme der IHK zur Lage der Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis

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Von: Kerstin Biehl

In Sachen Strom sieht IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde Verbesserungsbedarf: „Man wird sich auf Verteilungskämpfe einstellen müssen“, so seine Prognose.
In Sachen Strom sieht IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde Verbesserungsbedarf: „Man wird sich auf Verteilungskämpfe einstellen müssen“, so seine Prognose. © DPA

Eine Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Lage im Kreis hat die Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern am gestrigen Montag im Rahmen einer Pressekonferenz gemacht. Dabei gingen IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde und der neue IHK-Präsident Oliver Naumann – es war sein erster Termin in seiner neuen Funktion – auf die Bereiche Regionalentwicklung, Strukturwandel/Digitalisierung sowie Rechenzentren/Energieversorgung ein.

Regionalentwicklung

Der Main-Kinzig-Kreis hat als einziger der Frankfurt umgebenden Landkreise eine ausgeprägte Doppelstruktur: Einerseits ist er Teil des Ballungsraums, andererseits ländlich geprägt. Naumann: „Unsere Region wird immer noch durch die Entwicklungen im Zentrum der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main beeinflusst. Die Regionalentwicklung muss sich darauf einstellen.“ Konkret bedeutet das, den Ausbau der Verkehrsverbindungen zwischen Frankfurt und dem Kreis mit Nordmainischer S-Bahn, Niddertalbahn, Riederwaldtunnel und Radschnellwege.

Positiv: In den vergangenen Jahren gibt es im Kreis immer mehr Arbeitsplätze, damit einhergehend Eigenständigkeit und Wohlstand (138 943 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze/Stand: 30. Juni 2021, neuer Höchststand). Diese schon mehrere Jahre andauernde Entwicklung führt dazu, dass die Pendlerströme zunehmend innerhalb der Region verkehren. Während Hanau und Gelnhausen schon lange einen Einpendlerüberschuss verzeichnen, kamen 2017 Erlensee und 2020 Schlüchtern dazu. Naumann: „Die noch 2011 prognostizierte demographische Katastrophe ist auch im ländlichen Raum nicht eingetreten. Vielmehr gewinnt der Kreis an wirtschaftlicher Bedeutung. Die Aufgabe der IHK ist es, diesen Wandel zu stützen und zu begleiten, ohne das Wesen des MKK gravierend zu verändern.“ Sowohl im Landesentwicklungsplan als auch im Regionalentwicklungskonzept Südhessen wird die Achse Frankfurt–Hanau–Gelnhausen–Fulda als Entwicklungsachse definiert, die zur Stärkung und Entwicklung der Region beitragen soll. Die Ansiedlung von Wohnsiedlungen und Gewerbegebieten soll bevorzugt entlang dieser Achse stattfinden und so das Zentrum des Ballungsraums Frankfurt-Rhein-Main entlasten. Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur soll entlang dieser Entwicklungsachsen konzentriert werden.

Strukturwandel und Digitalisierung

„Regionalentwicklung bedeutet immer auch Strukturwandel“, so Quidde. „Der Strukturwandel beeinflusst natürlich auch die Industrie, die sehr erfolgreich dasteht. Unser Kreis ist ein sehr industrie- und exportstarker Landkreis.“ So gibt es vor allem starke Zulieferer, einen besonders hohen Anteil machen dabei die Automobilzulieferer aus, die sich zum Beispiel auf E-Mobilitat einstellen. „Doch auch in der Materialtechnik stellt der Kreis viele „Hidden Champions“, sagt Naumann.

Der größte Treiber des Strukturwandels ist die Digitalisierung. Das trifft auch den innerstädtischen Einzelhandel. „Die Dynamik des Internethandels hat die anderen Formen des Einzelhandels schon mehrere Jahre vor Pandemiebeginn überholt, doch die Attraktivität der Innenstadt zu erhalten, ist wichtig und schwierig, hier müssen alle Akteure (Stadt, Einzelhandel, IHK, Immobilienbesitzer) zusammen arbeiten.

„Die IHK kann die Digitalisierung nicht aufhalten, sondern arbeitet daran mit, die Wirtschaft darauf einzustellen – und die Kommunalpolitik zu motivieren, diesen Wandel sinnvoll zu unterstützen“, so der IHK-Präsident. Als Beispiele nennt er die Aktion Heimatshoppen mit 22 Kommunen für die Belebung der Innenstädte sowie Unternehmerabende, die Netzwerke für alle Gewerbetreibenden in den Kommunen schaffen sollen.

Naumann: „Digitalisierung ist unausweichlich. Deswegen sind wir dem Landkreis sehr dankbar, dass seine Breitband MKK GmbH gerade jene Gebiete Haus für Haus ans Glasfaserkabel anschließt, für die sich kein privater Anbieter findet.“

Rechenzentren und Energieversorgung

Digitalisierung geht nicht ohne die Unternehmen, die sie für sich vorantreiben, nicht ohne Glasfaserkabel und nicht ohne Rechenzentren, die sich immer öfter auch im Kreis ansiedeln.

„Auch hier kommt es immer darauf an, Pro und Contra abzuwägen“, so Naumann. Deshalb muss die Stromnetzkapazität schnell ausgebaut werden. Naumann: „Die IHK-Vollversammlung hat mit einem Positionspapier eine Leitlinie formuliert, wo Rechenzentrums-Ansiedlungen sinnvoll sind und wo eher nicht, und bietet MKK-Kommunen eine Zusammenarbeit an.“

Quidde weist darauf hin, dass erstmals seit Jahrzehnten die Stromnetzkapazität wieder einen Engpassfaktor für die wirtschaftliche Expansion darstellt – verschärft durch den Ukrainekrieg. Staudinger wird bekanntlich 2023 stillgelegt, damit fehlen der Region ab der Stilllegung des Steinkohle-Blocks 550 Megawatt. Quidde: „Man wird sich auf Verteilungskämpfe einstellen müssen.“ „Die IHK unterstützt in diesem Bereich durch eigenes Know-how über Energieverbrauch und Erzeugung die Information der Mitgliedsunternehmen“, so Oliver Naumann.

Von Kerstin Biehl

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