Dieses Portrait zeigt den großen Karikaturisten F. W. Bernstein. Mit bürgerlichem Namen heißt er Fritz Weigle. Foto: Britta Frenz

Hanau

F. W. Bernstein im Interview

Hanau. Anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Grimm-Preis haben wir mit dem Karikaturisten F. W. Bernstein gesprochen.

Von Andrea Pauly

Wenn Sie sich und Ihre Berufung in maximal drei Sätzen beschreiben, wie könnte diese Kurz-Vita aussehen?„Ich habe mich den Zeiten angepasst. Wer das tut, wird gut.“

Wann und warum haben Sie sich für Ihr künst‧lerisches Pseudonym „F.W. Bernstein“ entschieden ?„Mit dem schwäbischen Namen Weigle kann man keinen Weltruhm erringen. Seit Anfang der 60er Jahre nannte ich mich Bernstein – auch aus Liebe zur jüdischen Kunst und Komik.“ Sie sind Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule. Vom heutigen Standpunkt aus, würden Sie sagen, dass Sie etwas bewirkt haben – dass die Neue Frankfurter Schule mit ihrem „Programm“ erfolgreich war?„Ich bin der eigentliche Frankfurter Schüler. Ich habe meine Referendarszeit in der Lehrerausbildung an der Freiherr-vom-Stein-Schule gemacht. An dieser Schule hat auch Theodor Wiesengrund 1921 Abitur gemacht (Anm.d.Red. Besser bekannt als der Soziologe und Philosoph Theodor W. Adorno). Jetzt bin ich Frankfurter Schulmeister. In der Komik-Szene hat die Neue Frankfurter Schule viel gebracht.“

Sehen Sie sich als extrovertierter oder eher in sich gekehrter Mensch, der hauptsächlich auf dem Papier seinen Humor entfalten kann?„Introvertiert.“

Sie haben die 68er-Zeit in Frankfurt hautnah erlebt. Konnten Sie sich mit den Zielen der Bewegungen indentifizieren? Wo lag Ihre persönliche „Grenze“ bei der Art der Einforderung von politischen und gesellschaftlichen Veränderungen?„Mein prägendes Frankfurter Erlebnis war ein Spruch bei einer Demonstration: 'Hier spricht Franz Beckenbauer. Wir grüßen die Spontis auch jenseits der Mauer'.“

Sie haben sich bewusst für den Lehrerberuf enschieden? Wie kam es, dass Sie Lehrer wurden und nicht freiberuflicher Grafiker/Zeichner/Karikaturist?„Ich kannte meine Produktionsweise. Auf dem freien Markt kommt bei mir nichts. Ich brauche konkrete Anlässe.“

Haben sich Ihr Humor und/oder Ihr Zeichenstil im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert?„Der Humor nicht, aber der Zeichenstil wurde immer besser.“

Sind oder waren Ihnen Autoren wie Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Karl Valentin literaturhistorische Vorbilder beziehungsweise gab es andere?„Ja, und außerdem Ludwig-Emil Grimm, Arno Schmidt, Eckhard Henscheid, Peter Rühmkorf und natürlich Robert Gernhardt.“

Was verbinden Sie mit der Stadt Hanau, die Sie nun mit dem Ludwig-EmilGrimm-Preis für Karikatur und einer Ausstellung in Schloss Philippsruhe ehren wird?„Glück und Dankbarkeit.“

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