Bernhard Hombach (vorne) lebt und liebt den Klettersport. Foto: Bender

Hanau

Bernhard Hombach ist die gute Seele der Hanauer Kletterhalle

Wer in Hanau klettern gehen will, kommt an Bernhard Hombach nicht vorbei. Nicht nur, weil der Großauheimer regelmäßig am Empfang des Kletterzentrums Hessen Homburg sitzt.

Von David Kirchgeßner

Denn der sportliche 61-Jährige im blauen Kurzharmhemd, Shorts und Sandalen ist als Hallenreferent die gute Seele des Kletterzentrums, das die Hanauer Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) in der städtischen Sporthalle betreibt.

In seinen Kletter- und Alpinkursen hat er schon unzählige Sportler ausgebildet. Die Hanauer kennen ihn auch vom Kletterturm beim Bürgerfest, den er lange mit betreut hat. Seit acht Jahren ist Hombach Hallenreferent und kümmert sich „eigentlich um alles“. Verantwortung für die Kletterhalle, Kletteranlage, Reparaturen, neue Routen schrauben mit Kollegen, Ordnung halten, schauen, dass die Dienste besetzt sind. Außerdem ist er Ausbilder für Sportklettern und Bergsteigen, Leiter der Alpingruppe der DAV-Sektion und staatlich geprüfter Materialprüfer.

Seit 6 Uhr morgens in der Halle

„Leute rufen schon mal sonntagmorgens um 8 Uhr an, ob die Halle offen ist.“ Dabei stehen die aktuellen Öffnungszeiten im Internet. Aber auch wenn die Klingel kaputt ist oder das Dach leckt, ist er der Ansprechpartner. „Ich fahre dann oft schnell mal hin. Dann werden aber halt auch mal 30 Minuten aus einer Kleinigkeit“, sagt Hombach. „Es gab schon Wochen, da war ich fünf Tage in der Halle: Dienstag, Donnerstag am Empfang, Routen schrauben und dann am Wochenende noch ein Kurs.“

Vor dem abendlichen Gesprächstermin mit unserer Zeitung hat er schon seit 6 Uhr morgens in der Halle gearbeitet. Eine routinemäßige Hallenrevision durch einen externen Kontrolleur stand an. Weil er schon mal da war, hat er noch ein paar neue Kletterrouten an die Wände montiert und mit kleinen Info-Schildern versehen.

Spät zum Klettern gekommen

Jährlich kommen so 400 bis 500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit zusammen, schätzt er. „Wenn meine Frau nicht mitziehen würde, wäre das gar nicht möglich. Ute macht fast alle Aktivitäten am Berg und in der Halle mit. Nur beim Eisklettern sagt sie: 'Das machst du schön alleine'“, sagt Hombach und lacht. Sein Sohn und seine Tochter hingegen haben wenig Bezug zum Klettern, obwohl sie bei ihm Kurse gemacht haben. „Vielleicht kommt das ja noch“, sagt Hombach und schmunzelt. Über sein zeitintensives Ehrenamt sagt Hombach: „Wenn es keinen Spaß machen würde, würde ich es auch nicht machen.“

Eigentlich arbeitet der gelernte Fernmeldetechniker aber in der Medizintechnik-sparte von Fresenius und kümmert sich um Reparaturen und Schulungen im Bereich der Notfallmedizin. Dazu ist er international in Krankenhäusern unterwegs.

Zum Klettern ist Hombach erst relativ spät über seine Frau gekommen. Bei einem gemeinsamen Urlaub mit den Schwiegereltern in Südtirol. Zusammen wollte die Familie einen Klettersteig gehen. Trotz Sicherung an Stahlseilen ein anspruchsvolles Unterfangen. „Wir sind dann irgendwann an ein Schneefeld gekommen. Da haben wir gesagt: 'Da trauen wir uns nicht weiter, kehren wir lieber um und fragen mal jemand, der sich auskennt.'“

Fundierte Ausbildung wichtig

Darauf folgte erst ein Grundlagenkurs, „dann noch ein Kurs und noch ein Kurs. Heute mach' ich die Kurse“, sagt Hombach und lacht. Mittlerweile ist er seit zwölf Jahren Mitglied im Alpenverein. Solange gibt es auch die Kletteranlage in der Hessen-Homburg-Halle.

Heute klettert Hombach sowohl in der Halle als auch in Mittelgebirgen und im Alpinbereich – „was die Zeit halt hergibt, man muss ja noch Geld verdienen“. Wobei es draußen in der Natur natürlich „die schönere Geschichte ist“. Denn dort sind die Gegebenheiten der Routen am Felsen und beim Wetter immer anders und somit spannender. „Man muss flexibler sein und wird noch mehr gefordert. Wenn man dann beispielsweise über den Baumwipfeln der fränkischen Schweiz unterwegs ist oder ein Gipfelkreuz erreicht, das ist klasse“, schwärmt der 61-Jährige.

Vorher ist jedoch viel Vorbereitung und eine fundierte Ausbildung wichtig. Daher bieten die Ausbilder der DAV-Sektion zahlreiche Kurse an. „Da kommen schnell mal zwei Wochen Urlaub im Jahr nur für Kurse bei jedem zusammen“, berichtet Hombach.

Surfbrett, Mountainbike und Handball

Am Klettern fasziniert Hombach die Kombination aus Sport, Geselligkeit, Selbstüberwindung, Teamarbeit und Vertrauensbildung sowie Verantwortung. Sein erster Gipfel, auf den er in einer anspruchsvollen Mehrseillängenroute geklettert ist, war der sogenannte Geburtstagsgrat, eine Felsformation in den Lechtaler Alpen, nahe der Hanauer Hütte. „Da war ich höllisch stolz. Das ist schon geil, wenn du das selber erreicht hast“, erinnert sich Hombach.

Seine Kletterheimat ist heute der Rosengarten in den Dolomiten. „Auf einen Achttausender habe ich mich nie verloren“, sagt Hombach. Dazu hätte er früher anfangen müssen „Man muss zu sich selbst fair sein.“ Trotzdem hat die Himalaya-Region ihren Reiz. „Vielleicht machen wir mal ein Lodge Trekking, um in den Bereich der Sechs- bis Siebentausender zu kommen.“

Auch auf dem Surfbrett, dem Mountainbike oder als Handballer bei der HSG Preagberg trifft man Hombach an. Zusammen mit seinem Sohn tritt er regelmäßig mit der Gitarre auf. Ein volles Programm. Doch er weiß: „Man muss schauen, dass man bei den Aktivitäten Zeit für sich selbst einräumt. Man darf sich selbst nicht ganz vergessen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema