Spontaner Besuch von LEG und der Stadt

Ärger um Pioneer Park: Verantwortliche tauchen unerwartet bei Wohnungsabnahme auf

  • Yvonne Backhaus-Arnold
    vonYvonne Backhaus-Arnold
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  • David Scheck
    David Scheck
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Kritische Berichte über den Pioneer Park in Hanau sorgen für Unmut. Die Verantwortlichen wollen Gesicht zeigen. Sie sehen weiter ein „Vorzeigeprojekt“.

  • Kritische Berichte über Pioneer Park in Hanau sorgen für Streit
  • Stadt Hanau will Gesicht zeigen – Verantwortliche tauchen bei Wohnungsabnahme auf
  • Kritisiert wurden Mängel in den Wohnungen auf Pioneer 

Hanau - Nach der Berichterstattung über die Kritik zahlreicher Käufer zumTriangle Housing imPioneer Park in Wolfgang gab es am Mittwoch den ganz großen Bahnhof vor Haus 303. Dabei war unsere Zeitung hier um 12 Uhr eigentlich nur mit Anette Pewny und ihrem Lebensgefährten verabredet. Die potenziellen Käufer, deren Wohnungsabnahme wir begleiten wollten, waren zwar vor Ort. Neben ihnen aber mehr als 15 Gäste, darunter unter anderem Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Dr. Marc Weinstock, der Geschäftsführende Gesellschafter der DSK-BIG, die zur Vermarktung des Pioneer Parks gemeinsam mit der Stadt Hanau die LEG Hessen-Hanau GmbH gegründet hat, Markus Martin, bei der Sparkasse Hanau verantwortlich für den Verkauf der Eigentumswohnungen in Wolfgang, Andy Hebeisen, der Geschäftsführer der gleichnamigen Küchen-Einrichtungs-GmbH, Projektleiter und Mitarbeiter aus der Unternehmenskommunikation. 

Ihr Ziel: Nach der Kritik und den Vorwürfen der vergangenen Tage Gesicht zeigen, Fragen beantworten und einen Blick in die Wohnungen ermöglichen. Nachdem Weinstock den Ablauf des Termins skizziert hat, ergreift Kaminsky das Wort. Zutiefst bedauerlich empfinde er die Verunsicherung, die scheinbar auf Seiten der Käufer herrsche. Man werde ab sofort auf maximale Transparenz setzen, gegebenenfalls Infoveranstaltungen für die Käufer und die Öffentlichkeit organisieren. 

Hanau: Großer Bahnhof bei der Besichtigung der Wohnungen

Kaminsky nennt die Entwicklung der Eigentumswohnungen („Unsere Zielsetzung ist bezahlbares Eigentum“) ein „Vorzeigeprojekt“ und räumt ein, hier das eine oder andere Thema aus dem Blick verloren zu haben. Er wisse, dass der Kauf einer Wohnung hier für viele eine „Lebensentscheidung“ sei, während es für Projektentwickler und Handwerker ein Stück Routine sei. 

Hanau: Pioneer Park Triangle Housing Wohnungsabnahme


Als die Gruppe sich schon auf den Weg zur Wohnungsbesichtigung machen will, verlangt Anette Pewny das Wort. „Warum sind wir über diesen Auflauf hier nicht informiert worden?“, fragt sie. Außerdem habe sie schon vor einem Jahr auf Mängel aufmerksam gemacht. „Sie als Sparkasse haben uns diese Wohnung verkauft, uns wurden Dinge vertraglich zugesichert“, erklärt sie unter Tränen in Richtung Martin und Kaminsky. 

Hanau: Sechs von 32 Wohnungen von Baumangel bei der Waschmaschinen-Nische betroffen

Besichtigung: Vertreter von der Entwicklungsgesellschaft LEG Hessen-Hanau, Stadt und Sparkasse bei der Begehung in einer der Eigentumswohnungen, in der von den Käufern beanstandete Mängel bereits behoben wurden.

Den Männern im Anzug ist der emotionale Ausbruch mehr als unangenehm, zudem passt er nicht in den sonst gut organisierten PR-Termin. Die LEG Hessen-Hanau GmbH, die den Pioneer Park auf dem ehemaligen Kasernen-Gelände entwickelt und auch die 372 früheren US-Wohnungen in 17 Blocks im Triangle Housing sanieren lässt, hatte der Kritik der Käufer deutlich widersprochen. Dass der Eindruck erweckt werde, die LEG übergebe mangelhafte Wohnungen, „entbehrt jeglicher Grundlage“, so Weinstock in einer Mitteilung an unsere Zeitung. 

Eines der Ärgernisse zeigt er vor Ort: die Nische für die Waschmaschine. Sechs von 32 Wohnungen in zwei Gebäuden seien betroffen von diesem Baumangel, denn die Nische ist mit nur 51 bis 53 Zentimetern schmaler ausgefallen als die Geräte üblicherweise breit sind, nämlich 60 Zentimeter. Weinstock verweist darauf, dass in den Plänen zwar ein Waschmaschinen-Symbol eingezeichnet sei, dieses aber nur bedeute, dass hier der Anschluss für das Gerät ist. Es gebe flexible Schläuche und die Maschine könne ein Stück außerhalb der Nische positioniert werden. Ein Mangel, sagt der Geschäftsführer, sei das nicht. 

Hanaus OB Claus Kaminsky plauderte mit dem Käufer einer Wohnung

Pewny und ihr Lebensgefährte hatten die Abnahme der Wohnung auch aufgrund dieses Mangels abgelehnt. Der Weg der Besuchergruppe führt durch den Keller, der – anders als in der Baubeschreibung ausgewiesen – schadstoffsaniert und extra verputzt sei. Die Projektleiterin spricht von zweifacher Beschichtung und von „nur“ 30 bis 40 Prozent Luftfeuchtigkeit. „Das ist ein ordentlicher Keller, tipp-topp in Ordnung“, sagt sie. Als Nächstes folgt die Wohnung, in der die beanstandeten Mängel noch nicht beseitigt wurden. Überall kleben kleine Zettel mit Zahlen. Ein Fleck hier, ein Fleck da. Vieles sind Kleinigkeiten. Malermängel zum Beispiel. „Sie bekommen keine Wohnung mängelfrei übergeben“, erklärt Weinstock. Dann öffnet er die Balkontür. Es ist nichts zu hören. Er öffnet sie noch mal, „fürs Foto“, wie er sagt. Ein Schleifen der Tür, welche die Käuferin bei der ersten Abnahme bemängelt hatte, ist nicht zu hören. 

„Hören Sie das Schleifen?“ Dr. Marc Weinstock veranschaulicht, dass Mängel oft eine subjektive Sache sind.

Auf dem Weg durchs Treppenhaus öffnet ein Käufer die Tür, den Umzugskarton vor sich. Claus Kaminsky lässt es sich nicht nehmen, kurz zu plauschen. „Es ist gut“, sagt der Käufer, der aus Großauheim nach Wolfgang gezogen ist, „dass die Probleme jetzt auf den Tisch kommen. Arbeiten Sie nach vorn“, rät er dem OB. Den Weg über einen Anwalt würde er anderen Käufern abraten, sagt der Mann – dafür erhält er zustimmendes Nicken vom OB. 

Sparkasse Hanau räumt Kommunikationsprobleme in Bezug auf die Wohnungen ein

Markus Martin, Geschäftsführer der S-Finanzcenter Hanau GmbH, eine Tochtergesellschaft der Sparkasse Hanau, die Immobilienvertrieb sowie Versicherungs- und Bauspargeschäft betreibt, unter anderem die Eigentumswohnungen im Triangle Housing, schlägt gänzlich andere Töne an. Die Kommunikation mit den Käufern sei nicht gut gewesen, räumt er ein. 

Zum Thema Kommunikation bestätigt Weinstock, dass die Bauleitung „massiv dünnhäutig“ geworden sei – betont aber auch, dass es von Seiten einiger Käufer teils zu üblen Beleidigungen gekommen sei. Daher soll sich die Kommunikation jetzt verbessern: 4000 Besucher hatten sich die Musterwohnung angesehen, zehn Wohnungen sind noch zu haben, bei 90 Kunden steht der Beurkundungstermin noch bevor. „Bei den nächsten Abnahmen werde ich dabei sein“, sagt Sparkassen-Mitarbeiter Martin. Wohl auch, um falls nötig als Vermittler zu agieren. Und er räumt ein, dass es natürlich schlecht gewesen sei, Pläne herauszugeben mit einer Nische, die 72 Zentimeter, in der sanierten Wohnung aber nur 51 Zentimeter misst. 

Lob für die kernsanierten Wohnungen auf dem Pioneer Gelände in Hanau

Martin lobt das Projekt dennoch, spricht von kernsanierten Wohnungen in neubau-ähnlichem Niveau. „Wenn das Projekt beendet ist, wird es hier viele glückliche Wohnungsbesitzer in einem qualitativ hochwertigen Wohnquartier geben“, erklärt Kaminsky nach dem Rundgang im Baucontainer. „Die, die ihren Kauf jetzt rückabwickeln, würden das bereuen.“ Weinstock schiebt souverän hinterher: „Die Käufer können ja zurücktreten. Wir werden kein Problem haben, die Wohnungen zu verkaufen.“

Rubriklistenbild: © Scheiber/Kegler

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